Autobiographie

Erinnerungen an eine Kindheit

In einer Kindheit von körperlicher und seelischer Gewalt so stark herauszugehen, wie es Johannes Schmidtke gelungen zu sein scheint, ist absolut beeindruckend - und wie sich anhand von "Acker 4" zeigt auch lesenswert. Die Lektüre dieses gut 70-Seiten-starken Buches hinterlässt im Herzen und auf der Seele des Lesers ihre Spuren. Schmidtkes Worte und Erinnerungen bleiben einem lange im Gedächtnis verhaftet, beschäftigt einen und gibt sowohl Mut als auch Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Dass der Autor solch negative Erfahrungen während der wichtigsten, weil prägendsten Zeit seines Lebens machen musste, lässt einen den Kopf schütteln; vor Wut, vor Trauer, vor Entsetzen.

"Acker 4" - warum solch ein Titel? Weil Johannes Schmidtke seine ersten Lebensjahre in dieser Straße verbrachte. Es war keine glückliche Kindheit. Es fehlte an Urvertrauen, Liebe und Unterstützung. Die Mutter neigte zu einer lockeren Hand, machte Johannes verbal kleiner und gab ihm das Gefühl, unerwünscht zu sein. Für die Entwicklung zu einem später selbstbewussten, eigenständigen Menschen eine mittlere Katastrophe. Auch weil der Autor nur wenige Freunde hatte. Die Schule war für ihn ebenso ein Schreckensort wie sein Zuhause. Umso bemerkenswerter und auch ergreifender, dass aus dem Jungen schließlich ein mehrfach publizierter Schriftsteller wurde, dessen Werke man mit großer Begeisterung und Faszination liest. So auch das vorliegende.

Schmidtke führt den Rezipienten durch die schweren Jahre seiner Kindheit und Jugendzeit, durch wenige Höhen, dafür aber umso mehr Tiefen; allerdings ohne anzuklagen. Es ist, als schreibe er sich seinen Schmerz von der Seele. Und als Leser nimmt man diesen unmittelbar wahr. So manch einer oder eine wird sich in dieser "Erzählung" wiederfinden können, dabei aufgeregt den Kopf schütteln, an der einen oder anderen Stelle schlicken müssen und auch einige Tränen vergießen. Und dennoch, trotz des überaus schwierigen Themas: Es lässt Raum für schöne Momente. Insbesondere jene, wenn Schmidtke über seine Leidenschaft zur Literatur schreibt. Diese gehört seine wahre Liebe. Das ist auf jeder Seite zu merken.

Dass es Autoren wie Johannes Schmidtke gibt, ist für den Leser ein großes, seltenes Glück. In die Lektüre seiner "Geschichten" verliert man sich mit allen Sinnen. Die von "Acker 4" wirft einen in ein Wechselbad der Gefühle. Kaum aufgeschlagen, unternimmt man eine hochemotionale Achterbahnfahrt. Und nach der letzten Seite ringt man um Atem und mit den Tränen und zahlreichen widerstreitenden Empfindungen. Zorn und Unverständnis, aber auch Mitgefühl und Zuversicht gehen hier Hand in Hand. Es ist eine rührende, melancholische und leidenswerte Lektüre. Aber vor allem eine, die sich mit jedem einzelnen Satz lohnt!

Anja Rosenthal 
15.07.2024

 

Das Buch:

Johannes Schmidtke: Acker 4. Erinnerungen an meine Kindheit

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Borsdorf: edition winterwork 2013 71 S., € 9,90 ISBN: 978-3-86468-468-5

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