Autobiographie

Die (philosophische) Betrachtung auf ein Leben voller Hhen, aber auch Tiefen

Horst Gerlach, geboren im April 1936, hat die Schrecken eines Krieges hautnah miterlebt und durchlitten. Sein Vater, ein begeisterter Hitler-Anhänger und an den verschiedensten Fronten aktiv tätig, stellt die Ideale der Nationalsozialsten zu keiner Zeit infrage. Im Gegensatz zu seinem erst siebenjährigen Sohn, der nach dem Bombenangriff der Alliierten auf Stettin 1943 beginnt, sich auf die Suche nach der authentischen Wahrheit zu begeben. Unterstützt vor allem durch seine Großmutter, die ihn gegen die anderen Familienmitglieder in Schutz nimmt, als Gerlach das Dritte Reich und alles, was mit diesem im Zusammenhang steht, zu hinterfragen wagt. Für Gerlach beginnt in jener Nacht einer lebenslange Sinnsuche. Und wir als Leser begleiten ihn, u.a. bei der Flucht auf die Insel Rügen, ins Internierungslager in Dänemark, beim Neuanfang in Brühl und noch zu vielen anderen Orten. Und das über mehr als sechs Jahrzehnte lang.

Während der erste Teil des Buches sich wie der Zeugenbericht eines Kindes für den Leser erfahren lässt, geht es im zweiten Teil noch mehr in die Tiefe. Wobei sich Gerlach als beispielsweise Zehnjähriger viel reifer und tiefgründiger zeigt als andere Kinder seines Alters. Und doch werden für all diejenigen, die wie der Autor einst selbst auf der Suche nach der authentischen Wahrheit sind, die letzten gut 250 Buchseiten zu einem "Aha!"-Erlebnis. Hier zeigt sich (wie auf der Rückseite des vorliegenden Buches steht):

"Die Frage nach authentischer Wahrheit wird zur Therapie für Gerlach, weil das Finden der Wahrheit in Jesus Christus Gestalt annahm, und zur Gesundung seiner Seele führte. Nie wieder will er eine antichristliche Diktatur und so tritt er (...) für andere Betroffene innerhalb der sozialistischen Diktatur der DDR ein. Er ist während der politischen Transformationsphase 1989 in Polen und organisiert Hilfstransporte dorthin. Nach vielen Recherchen unternimmt er eine lange Reise in die Länder, in denen der Vater als Soldat (...) zu tun hatte. Diese Reise (...) ist abenteuerlich und mit etlichen Gefahren verbunden. Ebenso wird von anderen weltweiten Reisen z.B. auf den amerikanischen Kontinent zu Studien der vorkolumbianischen Blut- und New-Age-Esoterik-Kulten sowie deren Sündenfolgen berichtet. Viele Erfahrungen aus diesen Feldstudien konnte Gerlach sehr hilfreich in der individuellen therapeutischen Seelsorge verwenden"

Sachliteratur, die das Leben bereichert wie kaum etwas anderes im Bücherregal - wenn es jemand vermag, philosophisch anmutende Gedanken, sogar Inhalte zu einem 1a-Genuss, selbst für Laien zu machen, dann ist das Horst Gerlach. Seine Bücher bringen einen zum Staunen, zum Nachdenken, zum Innehalten und zum Handeln. Diese sind so etwas wie Kulturgut; so auch "Auf der Suche nach der authentischen Wahrheit". Was man hier in die Hände bekommt, ist eine Lektüre der einzigartigen Art und Weise. Schriftsteller wie Heinrich Böll (Zweiter Weltkrieg), Erich Maria Remarque und J.R.R. Tolkien (beider Erster Weltkrieg) haben ihre Erlebnisse literarisch verarbeitet. Nun reiht sich Gerlach in diese Riege beeindruckend ein. Seine Autobiographie muss man lesen. Nicht nur, um sich aufs Grandioseste zu unterhalten, sondern auch um die damalige Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen. Das macht das vorliegende Buch so besonders!

Horst Gerlach hat in seinem Leben schon so einige Bücher geschrieben ("Das authentische Leben oder die verzweifelte Suche nach dem Verlorenen?" sowie "Die Kraft des Römischen Geistes"), doch was ihm mit "Auf der Suche nach der authentischen Wahrheit" gelingt, ist der Höhepunkt seines literarischen Schaffens. Seine Autobiographie liest sich wie ein fesselnder Roman aus der Feder eines richtig guten Autors. Ist diese doch weitaus mehr als "nur" die Schilderung eines bewegten Lebens, nämlich zugleich Geschichtsunterricht und spannende Unterhaltung in einem. Da merkt man bei der Lektüre gar nicht, wie die Zeit vergeht. Leider viel zu schnell!

Horst Gerlachs Worte als ein Opium fürs (lesende) Volk? Definitiv keine Übertreibung, sondern vielmehr Tatsache, wie man spätestens nach dem letzten Satz von "Auf der Suche nach der authentischen Wahrheit" eingestehen muss, vor allem jedoch auch möchte und sollte. In diese Lektüre verliert man sich vollkommen und mit allen Sinnen. Von dieser ist man noch Stunden später ganz atem- und sprachlos. Zudem ist diese der Beweis: Gerlach kann schreiben; ohne jeden Zweifel! 

Anja Rosenthal
01.08.2022

 
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Das Buch:

Horst Gerlach: Auf der Suche nach der authentischen Wahrheit - Mein Kampf um ein authentisches Leben fhrte mich zur authentischen Wahrheit. Eine Autobiographie

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Offenbach: August von Goethe Literaturverlag 2021 504 S., 28,80 ISBN: 978-3-8372-2549-5

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