Medien & Gesellschaft

Von "Die Reise zum Mond" bis "Boyhood"

Geht man heutzutage ins Kino und erlebt dank 3D und Surround Sound sowohl einen Augen- als auch Ohrenschmaus, so ist es kaum vorstellbar, dass die bewegten Bilder auf der Leinwand noch vor 100 Jahren ohne Ton und nur in recht abgehackter Bildabfolge zu sehen waren. Und dennoch war das Kinoerlebnis zu dieser Zeit eine wahre Revolution und längst nicht für jeden zugänglich. Welch rasante Entwicklung die Kunstform Film im letzten Jahrhundert genommen hat, zeigt "Das Filmbuch" aus der Reihe "Einfach erklärt" von Dorling Kindersley auf 350 Seiten anhand von über 100 der bedeutendsten Filme in der Geschichte der Kinematographie.

Was macht einen Film so besonders, was lässt ihn zu einem Meilenstein in der Filmgeschichte werden? Die Frage nach der Größe eines Filmes und der Definition dieser Größe mussten sich die Autoren bei der Zusammenstellung dieser kompakten Filmgeschichte stellen. Natürlich liegt die Bewertung eines Films wortwörtlich immer im Auge des Betrachters, doch gibt es wie z. B. in der Literaturgeschichte auch immer einen kleinsten gemeinsamen Nenner, also Werke, bei denen sich die meisten einig sind, dass sie bedeutend sind und eine Vorbildfunktion eingenommen haben. 

Die Autoren dieses Filmbuchs haben sich auf ca. 115 Filme geeinigt - von "Die Reise zum Mond" aus dem Jahre 1902 bis "Boyhood" aus dem Jahre 2014. Die chronologische Anordnung wird zur besseren Übersicht und zur Einteilung in verschiedene Filmepochen in sechs Kapitel gegliedert, so zum Beispiel in das Kapitel "Visionäre" für die Stummfilm-Ära der Jahre 1902-1931 oder "Rebellion" für das Kino der Jahre 1960-1974, das mit vielen Regeln brach. Jedes Kapitel wird auf einer Doppelseite eingeleitet mit einem Zeitstrahl, auf dem einerseits wichtige Filme, aber auch andere bedeutende Entwicklungen in der Filmindustrie markiert sind. Begleitet wird der Zeitstrahl von einer kurzen Einleitung in Textform. 

Die einzelnen Filme werden je nach der Bedeutung, die die Autoren ihnen beigemessen haben, entweder relativ kurz auf einer Seite oder aber en detail auf bis zu sechs Seiten vorgestellt. Eingeleitet wird das Filmporträt mit einem bekannten Zitat aus dem jeweiligen Film. Die Eckdaten, wie Erscheinungsjahr, Regisseur, Schauspieler, Drehbuch und Genre werden über eine Infobox geliefert. Der zusammenfassende Text zu Inhalt, Besonderheiten und Einordnung in den Kontext wird begleitet von Szenenfotos, Filmplakaten und weiteren Infoboxen mit Kurzporträts zu Regisseuren und Schauspielern. Querverweise auf ähnliche Filme - ob thematisch, genremäßig oder solche mit den gleichen Schauspielern - runden das Ganze ab. 

Neben Filmgeschichte, Plot und Kameratechnik liefern die kompakten Filmporträts auch die eine oder andere Info, die man mit "Am Rande notiert" überschreiben könnte. Darunter befinden sich so interessante Details wie die Erklärung, dass Marlon Brando in "Der Pate" eine Zahnprothese trug, die seinem Kiefer eine andere Form gab und sein Gesicht wie vom Alter gezeichnet aussehen ließ. Oder dass weder Bogart noch Bergman beim Dreh von "Casablanca" wussten, wer am Ende das Flugzeug besteigen wird. Erst am letzten Drehtag erfuhren sie selbst, wie die Geschichte enden würde. 

Wer seinen Lieblingsfilm vermisst, wird vielleicht im Anhang noch fündig, wo nochmals knapp 90 Filme aufgelistet sind und lexikonartig kurz erklärt werden. Insgesamt ist den Autoren eine bunte Mischung gelungen, die es schafft, allen großen Filmnationen, Regisseuren, Schauspielern und Genres gerecht zu werden. Europäische Filme sind genauso vertreten wie die der großen Hollywood-Maschinerie. Jeder große Regisseur und Schauspieler ist mit mindestens einem seiner Filme vertreten. Auch die Genres - von Sci-Fi über Historienepos bis zu Zeichentrick - werden durch ihre bekanntesten bzw. stilbildenden Vorreiter vertreten. 

An diesem kompakten Filmkompendium kann man sich als bekennender Filmfan gebündelte Informationen zu seinen Lieblingsfilmen holen, gleichzeitig aber auch neue Filme entdecken. Wer ganz neu in die Welt des Films - vielleicht auch in zeitlich der heutigen Kinozeit etwas fernere Gefilde - abtauchen möchte, kann sich hiermit orientieren und gezielt auswählen, was ihn interessiert. "Das Filmbuch" bietet etwas für jeden - ob für Actionfilmfans oder für Arthaus-Fans bzw. für Einsteiger oder Vielkinogänger. 

Sabine Mahnel
31.10.2016

 
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Das Buch:

Danny Leigh, Louis Baxter, John Farndon, Kieran Grant, Damon Wise: Das Filmbuch. Aus dem Englischen von Anke Wellner-Kempf

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Mnchen: Dorling Kindersley Verlag 2016
352 S., 24,95
ISBN: 978-3-8310-3130-6

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