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Aktuell & Relevant Eine persnliche Bibellehrstunde

"Gottes Liebe ist sehr leicht zu verstehen, aber nur schwer zu beschreiben." (7) Schon dieser erste Satz aus Reinhold Kuessners moderner Exegese ausgewählter Bibelstellen reißt das Problemfeld auf, in dem sich der Autor bewegt: Was dem, der Gottes Liebe erfahren hat, eigentlich keiner Erklärung mehr bedarf, einem breiten Publikum begreifbar zu machen, ist eine schwere Aufgabe. Umso wichtiger ist es, dass sich Kuessner dieser Frage in "Gott ist Liebe - Gott ist Leben - Gott klagt an" annimmt.

Der Autor bedient sich dabei einer klaren Sprache, die den Einstieg in den Text auch für theologisch weniger gebildete Menschen leicht macht. Stück für Stück erklärt er abschnittsweise ausgewählte Bibelstellen. Die Deutungen entspringen dabei des Autors persönlicher Erfahrung von Gott, wobei dieses ganz persönliche Erzählen gerade die Relevanz des Textes ausmacht: Denn Gottes Wille - Gottes Liebe - kann jeder nur in seinem ganz eigenen, individuellen Verhältnis zu Gott erfahren und begreifen. Hierfür öffnet Kuessner die Türen.

Einer logischen Gliederung folgend, erläutert der Autor wichtige Grundlagen des christlichen Glaubens, wie das Fasten, den Begriff Bußfertigkeit, oder den der Nächstenliebe. Ausgangs- und Kristallisationspunkt sind dabei stets klug ausgewählte Bibelstellen, deren vielstimmiger Deutung stets das Grundprinzip der unbedingten und bedingungslosen Liebe Gottes zugrunde liegt. Denn darum geht es Kuessner: Gottes Liebe allein - das heißt, sowohl Liebe von Gott wie Liebe zu Gott - ist es, was uns vor dem Bösen in all seinen Formen schützt und uns einen Weg durch dieses Leben zeigen kann. Diese Liebe verstehen allerdings, das kann nur jeder einzelne für sich.

Konsequenterweise scheut der Autor keineswegs aktuelle kirchenpolitische Themen. In teils scharfen Tönen, und nicht selten auf Konfrontationskurs mit den Lehrmeinungen der Volkskirchen, spricht Kuessner Themen wie die Ökumene, die Stellung der Frau in der katholischen Kirche, und - besonders bemerkenswert - die selbstbeanspruchte Deutungshoheit der organisierten Religionen in Bezug auf Menschenrechte an. Denn nicht die Kirchen sind es, die den Menschen gut machen, sondern eines jeden individuelles Verhältnis zu Gott.

Dabei zwingt Kuessner dem Leser nie seine Meinung, nie seine persönliche Deutung der Worte Gottes auf - denn "Berichten ist kein Belehren im Sinne von Schulmeistern. Dieses wäre eine Art Zwang." (103) Vielmehr verwickelt er ihn durch geschicktes Einsprengen von Fragen, Gegenfragen und alternativen Deutungsansätzen in ein Gespräch. So wird man zwar an der Hand genommen und durch den Text geführt, jedoch nie, ohne nicht selbst nachdenken zu müssen, sein eigenes Verhältnis zu Gott und dessen Willen und Worten stets unter neuen Aspekten zu betrachten.

"Gott ist Liebe" ist eine empfehlenswerte Lektüre, nicht nur für Menschen, die sich selbst als christlich betrachten, sondern für jeden, der oder die in unseren oft recht unübersichtlichen Zeiten eine moralische Orientierung suchen. Allerdings sei jeder gewarnt: Eine einfache Handlungsanweisung gibt Kuessner nicht, dies entspricht auch gar nicht seinem Verständnis eines christlichen Miteinanders - vielmehr zeigt er einen Weg, wie jeder sich mit Gottes Liebe vertraut machen kann.

Jonas Bergmeister
25.01.2016

 
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Das Buch:

Reinhold Kuessner: Gott ist Liebe. Gott ist Leben. Gott klagt an

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August von Goethe Literaturverlag
316 S., 21,80
ISBN: 978-3-8372-1679-0

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