Medien & Gesellschaft

Luxus eine Frage der Definition

Auf die Frage, was Luxus bedeute, würde man sicherlich nicht nur eine Antwort und vor allem keine klare Definition erhalten, insbesondere dann nicht, wenn man Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gefügen, Menschen, die sich an unterschiedlichen Stationen ihres Lebens befinden oder Menschen, die aus verschiedenen Ländern dieser Erde kommen, befragen würde. Während die landläufige Meinung darüber, was Luxus ist, in Industrienationen vermutlich bei dem Kauf eines teuren Autos, einer sprichwörtlichen "Luxuskarre", anfängt, gehört in ärmeren Gefilden unseres Planeten eine regelmäßige warme Mahlzeit und ein anständiges Dach über dem Kopf schon in den Bereich des Luxuriösen. Was die alten Römer sich vor 2000 Jahren an Luxus gönnten und welche Güter sich damals nur eine kleine Oberschicht leisten konnte, hat der Altphilologe und Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber in seinem Band "Luxus im alten Rom. Die Schwelgerei, das süße Gift …" in Wort und Bild zusammengestellt.

Dass Luxus ursprünglich ein lateinisches Wort ist und aus dem Bereich des Botanischen stammt, wo es üppige Fruchtbarkeit und wucherndes Wachstum von Saaten und Pflanzen bedeutet, mag angesichts der Verschwendungssucht der alten Römer – zumindest werden sie in Film und Literatur gerne als verschwendungssüchtig dargestellt – nur natürlich erscheinen. Dass Luxus im alten Rom und Luxus im Deutschland des 21. Jahrhunderts aber schon unterschiedlich definiert sind, zeigt das Beispiel "Eiswasser". War eisgekühltes Wasser im alten Rom ein Luxusgut, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, die wir uns jederzeit leisten können.

Trotz all der verschiedenen Blickwinkel und Definitionen ist "Luxus im alten Rom" ein Buch, das versucht, in vierzehn verschiedenen Bereichen des Alltags- und Kulturlebens Einblick in die Ausschweifungen der römischen Gesellschaft vor knapp 2000 Jahren zu geben. Von lukullischen Genüssen, reichen Fischteichbesitzern und purpurfarbener Kleidung über herrschaftliche Villen, teure Wandmalereien und wertvollen Schmuck bis zur Wellnesssucht in weitläufigen Thermenanlagen, zu ausschweifenden Sexpraktiken und zur Prunksucht beim Gräberbau lässt Weeber bei seiner Darstellung des römischen Luxus nichts aus.

Um Armut und Reichtum im Römischen Imperium einschätzen zu können, gibt Weeber einige Zahlen zum Vergleich an. Während zu Ciceros Zeit ein reicher Römer 714-mal soviel verdiente wie ein armer und ein superreicher sogar 10476-mal soviel wie ein armer und damit das Verhältnis bei 1 : 714 : 17142 lag, lagen die Verhältniszahlen im Viktorianischen England trotz Industrialisierung nur bei 1 : 24 : 6000. Auf eine Million römische Bürger kamen ungefähr drei extrem Reiche. Der Großteil der damaligen Gesellschaft bestand aus einer Untersicht, die von der Hand in den Mund lebte.

Die landläufige Meinung über den ausschweifend und im Überfluss lebenden reichen Römer widerlegt Weeber nicht, wenn er von den üppigen Mahlzeiten, den großen Villen und den reich mit Schmuck behangenen Frauen schreibt. Dennoch relativiert er einige Darstellungen, wenn er zu bedenken gibt, dass die von ihm verwendeten Quellen ausschließlich die Niederschriften von Zeitzeugen wie Sueton, Seneca, Cicero oder Livius sind. Luxusgehabe und luxuriöse Accessoires machen immer nur dann Sinn, wenn es auch Menschen gibt, die dies sehen, es weitertragen und auch die eine oder andere Unwahrheit dazu dichten. In dieser Hinsicht funktionierte die römische Gesellschaft nicht anders als moderne Gesellschaft.

Weeber hat als Altphilologe die seinem Buch zugrunde liegenden Informationen gänzlich literarischen und nicht etwa archäologischen Quellen entnommen. Einige der wichtigen Zitate werden optisch hervorgehoben und bilden zusammen mit dem reichlich vorhandenen Bildmaterial eine Abwechslung zum Fließtext, von dem man gerne einmal abschweift, um gerade Gelesenes anhand der Bilder oder Zitate zu vertiefen und vor dem geistigen Auge sichtbar werden zu lassen. Abgerundet wird das Werk von einem kleinen Who-is-who der 25 reichsten Römer, das u. a. Angaben zum geschätzten Vermögen und zur Quelle des Reichtums der jeweiligen Person liefert.

Von Weeber ist man einen lockeren Ton und Schreibstil gewohnt, der zwar nicht unbedingt das fachwissenschaftliche Publikum begeistert, aber den interessierten Laien umso mehr. Wie bei all seinen Büchern kommt beim Lesen eine Freude auf, die die Angst vor trockenen Sachbüchern schnell vergessen lässt. Für Rom-Fans und all diejenigen, die sich für das ausschweifende Leben der Superreichen vor 2000 Jahren interessieren, ist "Luxus im alten Rom" ein edel ausgestatteter Bildband, der u. a. zum Querlesen, Schmökern und Immer-mal-wieder-in-die-Hand-Nehmen einlädt. Nicht umsonst ist er mittlerweile in der dritten, überarbeiteten Auflage erschienen.

Sabine Mahnel
13.04.2015

 
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Das Buch:

Karl-Wilhelm Weeber: Luxus im alten Rom. Die Schwelgerei, das se Gift

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Darmstadt: Verlag Philipp von Zabern 2015
207 S., 39,95
ISBN: 978-3-8053-4868-3

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