Medien & Gesellschaft

"Wir glauben an ein Leben vor dem Tod"

Im sich zu Ende neigenden Jahr 2011 war es nahezu unm?glich, sich dem Thema Island und seinen Autoren zu entziehen. Als Gastland der Frankfurter Buchmesse war die rauhe Insel im Nordatlantik derart in den Fokus des Geschehens ger?ckt, dass man den Eindruck haben konnte, jeder zweite Bewohner des Eilands habe den Schreibgriffel in die Hand genommen und sei zum anerkannten Schriftsteller aufgestiegen. Wer dieser Schwemme an Isl?ndern erfolgreich trotzen konnte, der musste sehenden Auges feststellen, dass dar?ber hinaus hiesige Autoren es sich nicht nehmen lie?en, B?cher ?ber Island und die Isl?nder zu verfassen. 

Um zu einer Beantwortung der Frage nach dem Ph?nomen Islands zu gelangen, ist die Lekt?re des vorliegenden Buches unabdingbar. Fl?chenm??ig ist Island zwar fast so gro? wie Bayern und Baden-W?rttemberg zusammen, doch von seiner Gesamteinwohnerzahl liegt es eher in der Gr??enordnung von Mannheim oder Bielefeld. Andrea Walter liefert mit ihrem Buch "Wo Elfen noch helfen" zahlreiche Antworten auf die Frage, "Warum man Island einfach lieben muss", so zumindest der Untertitel ihres Erfahrungsberichts. 

Andrea Walter hatte im Jahre 2003 ein Stipendium beim Morgunbla?i?, einer isl?ndischen Zeitung, erhalten. Das erste Kapitel ihres Buches startet demnach im Anflug auf Island und ihren Gedanken, die zu diesem Zeitpunkt noch vom H?rensagen und von Informationen aus Reisef?hrern getrieben sind. Doch muss sie Gelerntes recht schnell ?ber Bord werfen, zu beindruckend sind die tats?chlichen Impressionen und insbesondere die Menschen Islands und deren Einstellung zum Leben. ?u?erst treffend illustriert wird diese isl?ndische Grundhaltung durch das Zitat eines ihrer Kollegen, das sie ihrem Buch vorangestellt hat: "Wir glauben an ein Leben vor dem Tod." 

Die Autorin darf nach ihrer Ankunft gleich feststellen, wie unkompliziert das Leben auf Island ist, wie schnell sie in der Lage ist, aufgrund der geringen Bev?lkerungszahl Kontakt mit den Ber?hmtheiten der Insel zu kn?pfen. So bekommt sie zur Recherche f?r ihre Artikel die Handynummern derjenigen Personen zugespielt, ?ber die sie berichten soll. Dies erm?glicht ihr zum Beispiel direkten Kontakt mit der ehemaligen Ministerpr?sidentin oder mit den Mitgliedern einer Rockband. Einer ihrer Kollegen ist sogar mit Bj?rk verwandt, dem wohl ber?hmtesten Export Islands. 

Nat?rlich ersetzt das vorliegende Buch keinen Reisef?hrer und dies schon gar nicht f?r ein Land, das aufgrund seiner Geografie und eingeschr?nkten Verkehrsm?glichkeiten derartige Tipps dringend erforderlich macht. Dennoch kann kein Reisef?hrer ?ber Island diese Tiefe an Informationen ?ber Land und Leute liefern, die Andrea Walter aus ihren Besuchen von Island mitgenommen und im vorliegenden Buch zu Papier gebracht hat. Dabei ist sie dar?ber hinaus auch dem Anspruch gerecht geworden, nicht nur einen reinen mit Insiderinformationen gespickten Erlebnisbericht abzuliefern, sondern jenen auch mit zahlreichen Fakten ?ber dies und das zu garnieren. 

Der unkundige Leser nimmt bei der Lekt?re des vorliegenden Buches vieles mit, von dem er eventuell zuvor nur einmal am Rande etwas mitbekommen hatte, etwa ?ber die Archivierung aller Isl?nder in einer Online-Datenbank, aus der sich alle m?glichen Stammb?ume und Verwandtschaftsbeziehungen erstellen lassen. Des Weiteren thematisiert Andrea Walter isl?ndische Telefonb?cher und erl?utert daran die sehr spezielle Ableitung isl?ndischer Nachnamen gem?? der v?terlichen Vornamen. Zum Ende ihres Buches raubt sie jedoch denjenigen Lesern, die schon dabei sind, ihre erste Island-Reise zu buchen, ein wenig die Hoffnung, sich jemals auf Isl?ndisch unterhalten zu k?nnen. So wird sich jeder Leser dabei ertappen, wie er daran scheitert, den f?r seine Aschewolke in 2010 ber?hmt gewordenen isl?ndischen Vulkan Eyjafjallaj?kull korrekt auszusprechen. 

"Wo Elfen noch helfen" ist ein erfrischender Erlebnisbericht ?ber Island und seine Menschen, der tiefe Einblicke gew?hrt, unverzichtbar ist f?r diejenigen, die eine Reise auf das nordatlantische Eiland planen, aber auch h?chst unterhaltsam f?r diejenigen, die niemals einen Fu? auf die Insel setzen werden. Kurzweilig und informativ, diesen beiden Anspr?chen ist die Berliner Journalistin vollends gerecht geworden! 

Christoph Mahnel 
12.12.2011

 
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Das Buch:

Andrea Walter: Wo Elfen noch helfen

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Mnchen: Diederichs Verlag 2011
208 S., 14,99
ISBN: 978-3-424-35065-4

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