Medien & Gesellschaft

Dem Verlag verpflichtet

Kiepenheuer-B?cher waren begehrte B?cher. Sie wurden gelesen. Kiepenheuer-B?cher waren keine Massenware. Sie hatten Wert. Sie waren ein Wert an sich. Vor allem in den Zeiten, in denen der Kiepenheuer Verlag am ?rgsten bedr?ngt und bedroht war: In den Jahren der nazistischen Diktatur. Auch in den mageren Zeiten, die dem Tode des Verlagsgr?nders Gustav Kiepenheuer folgten, der 1949 starb. Magere Zeiten, die nicht Noa Kiepenberg verschuldete, die bis 1970 dem Verlag in Weimar vorstand. Das Niveau von Kiepenheuer zu dr?cken oder zu unterdr?cken ist niemand gelungen. Oft am Rande der Existenz, ist es erst den gesch?ftigen Gesch?ftsf?hrern des Aufbau-Verlages gelungen, den Gustav Kiepenheuer Verlag zu Grabe zu tragen. Und das im Jahr des Jubil?ums. 2010 wurde der Verlag Hundert. Das Ereignis wurde mit einer Ausstellung gew?rdigt, die von Februar bis Mai 2010 im Leipziger "Museum f?r Druckkunst" zu sehen war.

Nicht nur zur Freude der "Familie" Kiepenheuer, zu der alle Freunde des Verlages z?hlen, ist nun eine w?rdige, w?rdigende Publikation erschienen. Von Siegfried Lokatis und Ingrid Sonntag als Herausgeber betreut, ist eine ergiebige Edition entstanden, die Wesentliches der "100 Jahre Kiepenheur-Verlage" zusammenfa?t. Der Band ist eine abwechslungsreiche Darstellung der Geschichte des Verlages, der Erhebliches zur Kultur des Landes in Deutschland beigetragen hat. Nie einer der gro?en deutschen Verlage, wurde der Gustav Kiepenheuer Verlag in den ersten beiden Jahrzehnten zu einem Verlag der Gro?en der linken, linksb?rgerlichen deutschen Literatur. Von Brecht bis Heinrich Mann und Anna Seghers bis Carl Zuckmayer und Arnold Zweig versammelte der Verleger in seinem Hause, was auf dem Wege war, sich Rang und Namen zu erschreiben. 1910 in Weimar begonnen, 1918 nach Potsdam umgezogen, wurde das "Vagabundieren" ebenso zum Schicksal des Verlages wie das Auf und Ab.

Dank der schnellwechselnden Kapitel, der vielen verpflichteten Autoren, der Essays, Aufs?tze, Gespr?che, Dokumentationen, ist das Buch zum Verlag zu einem nie erm?denden Lese-Buch geworden. Die Substanz macht die Qualit?t von "100 Jahre Kiepenheuer-Verlage". Die Substanz verantworten vor allem die, die, zu unterschiedlichen Zeiten, f?r den Verlag verantwortlich waren, die sich ihm verpflichteten und so f?r die Kiepenheuer-Qualit?t sorgten. Ihnen, den Dabeigewesenen r?umt die Publikation reichlich Platz ein. Es wird weniger reflektiert und analysiert. Es wird berichtet und erz?hlt. Das gibt den Beitr?gen Unmittelbarkeit und stachelt die Aufmerksamkeit der Au?enstehenden an. So wie sich viele Leser als stille Abonnenten der Kiepenheuer B?cher f?hlten, so k?nnen sich nun vor allem ?ltere Leser als Teilhaber der Verlagsgeschichte f?hlen. Die geistige Verwandtschaft zwischen Verlag und Lesern ist ein immer noch stabiles Band. Die Dankbarkeit ist in der Anerkennung f?r das Durchhalten des Gustav Kiepenheuer Verlages, der eher Buch-Verlag denn Markt-Verlag war. Das k?nnen alle Generationen zur Kenntnis nehmen und sich, sofern j?nger, ihre Gedanken zum Gewesenen und Gewordenen machen.

Die Geschichte der Kiepenheuer-Verlage ist auch die Geschichte von Widerspruch, Widerstreit, Widerstand. Von Verletzungen und Verletzten zu sprechen macht die Ausgabe authentischer und glaubw?rdiger. Also zu einer Lekt?re, die gleicherma?en anregt wie sie angenehmen aufregt, so da? die interessierten und zu interessierenden Leser wacher und wacher werden. "100 Jahre Kiepenheuer-Verlage" ist eher Festschrift denn Chronik. "100 Jahre Kiepenheuer-Verlage" ist ein gut zu lesendes, lesenswertes Buch ?ber das B?chermachen. Die Publikation ist in ihrer Gesamtheit eine rege Literatur-Kultur-Geistes-Personen-Geschichte wie sie in dieser Art nicht so h?ufig ist. 

Bernd Heimberger
21.03.2011

 
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Das Buch:

Siegfried Lokatis, Ingrid Sonntag (Hg.): 100 Jahre Kiepenheuer-Verlage

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Berlin: Ch. Links Verlag 2011
424 S., 29,90
ISBN: 978-3-861-53635-2

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