Medien & Gesellschaft

Krimiautor Douglas Preston auf der Spur der "Bestie von Florenz"

Der US-amerikanische Erfolgsautor und Journalist Douglas Preston wird im Jahre 1999 im Auftrag des Magazins "The New Yorker" nach Italien geschickt, um einen Artikel ?ber den mysteri?sen K?nstler Masaccio zu schreiben. Damals ahnte er nicht, dass ihm dort die Story seines Lebens ?ber den Weg l?uft - in Form des Kriminalreporters Mario Spezi und seiner Geschichte ?ber "Die Bestie von Florenz". Unversehens findet sich Preston mitten in einer spektakul?ren Mordserie wieder, der acht Paare zum Opfer fielen und die nicht nur Florenz, sondern die ganze Toskana und sp?ter die ganze Welt ersch?tterte. Woran der Krimiautor und sein neuer Freund Spezi einen nicht geringen Anteil haben, wie das vorliegende Buch eindrucksvoll beweist.

An einem warmen Augustabend im Jahre 1968 schl?gt die Bestie erstmals zu, als die 32-j?hrige Barbara Locci und ihr 29-j?hriger Liebhaber Antonio Lo Bianco sich in einem Auto ihren Vergn?gungen hingeben. Das Paar ist auf der Stelle tot. Loccis kleiner Sohn muss alles mit ansehen und wird vom M?rder zu einem nahegelegenen Bauernhof gebracht, dessen Besitzer den verst?rten Jungen entdeckt und umgehend die Polizei verst?ndigt. Sechs Jahre, in denen die italienische Polizei im Dunkeln tappt und verzweifelt nach einem m?glichen T?ter sucht, ziehen ins Land, bis die Bestie erneut zuschl?gt. Am 14. September 1974 findet ein Passant die Leichen der 18-j?hrigen Stefania Pettini und des 19-j?hrigen Pasquale Gentilcore, wobei der K?rper von Pettini 96 Stichwunden aufweist. F?r die Florentiner steht fest, dass die Bestie wieder zur?ck ist. Angst und Schrecken z?umen ihren Weg, auf den sich sp?terhin Preston begibt, der seitens Spezis mit informativen Details gef?ttert wird.

Es vergehen erneut einige Jahre, die mit polizeilichen Nachforschungen, zahlreichen Festnahmen und Freilassungen, falschen Verd?chtigungen, rei?erischen Artikeln, Ermittlungsfehlern und Ungereimtheiten der italienischen Rechtsprechung gepflastert sind, bis es ab 1981 Schlag auf Schlag geht. Sechs weitere Paare (f?nf Frauen und sieben M?nner) kehren von ihren Ausfl?gen nicht mehr zur?ck und gehen f?r immer in die italienische Kriminalgeschichte ein, wenn man bedenkt, mit welcher Brutalit?t die Bestie vorgegangen ist. Die Mordserie endet 15 Jahre, bevor Douglas Preston Florenz zu seiner neuen Heimat auserkort. Und doch ist er derma?en schockiert von Mario Spezis Schilderungen, dass er beginnt zu recherchieren.

Spezi hat damals in "La Nazione" ?ber die Morde berichtet und kennt sich wie kein zweiter in diesem St?ck italienischer Zeitgeschichte aus. Was beide nicht ahnen: Im Laufe ihrer Recherchen geraten sie in das Fadenkreuz der Ermittler und m?ssen bef?rchten, selbst als "Bestie von Florenz" denunziert zu werden - eine unglaubliche Vorstellung, die allzu bald zur Realit?t wird, als Spezi am 7. April 2006 verhaftet wird. Die Anklage: Er sei jener Serienm?rder, die den gewaltsamen Tod von 16 Menschen zu verantworten hat.

Der Name Douglas Preston steht f?r hochkar?tige Krimis, die den Leser ab der ersten Seite fesseln und an Spannung kaum zu ?berbieten sind. Mit "Die Bestie von Florenz" bewegt sich der US-Schriftsteller auf ungewohntem Terrain. Und doch beweist dieses Sachbuch, dass Preston hier ?hnlich heimisch zu sein scheint wie mit seinen zahlreichen Krimis. Zusammen mit dem mehrfach ausgezeichneten Journalist Mario Spezi bereitet er f?r den Leser ein St?ck italienischer Kriminalgeschichte derma?en spannend und fesselnd auf, dass es einem bei der Lekt?re oftmals den Atem verschl?gt und die G?nsehaut partout nicht verschwinden m?chte. 

Auch wenn es sich bei dem vorliegenden Buch "lediglich" um eine Chronologie einer Mordserie handelt, die die Autoren mit Gef?hlen anreichern, so lesen sich die 432 Seiten doch wie ein packender Krimi, der durch seinen Wahrheitsgehalt nahezu schockierend erscheint. "Die Bestie von Florenz" beweist auf eindringliche Weise: Das echte Leben ist reich an Angst und Schrecken und ist deshalb die tausendmal spannender und fesselnder als der beste Krimi dieser Welt. Kein Wunder also, dass man beim Lesen des Sachbuches ein befremdliches Gef?hl in der Magengegend bekommt, denn Bef?rchtungen, dass so etwas auch vor der eigenen Haust?r geschehen k?nnte, lassen sich nun nicht mehr absch?tteln. Allein deswegen ist "Die Bestie von Florenz" mehr als gelungen.

Susann Fleischer
06.09.2010

 
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Das Buch:

Douglas Preston, Mario Spezi: Die Bestie von Florenz. Aus dem Amerikanischen von Katharina Volk

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Mnchen: Knaur Taschenbuch Verlag 2010
432 S., 9,95
ISBN: 978-3-426-50436-9

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