Medien & Gesellschaft

Die dunkle Seite des Uli Stein

Jeder ist ihnen wohl in irgendeiner Zeitung oder Zeitschrift schon einmal begegnet, den kleinen Meisterwerken des allseits bekannten Cartoonisten Uli Stein. Sein Stil ist genauso unverwechselbar wie die gezeichneten Figuren, die seiner Feder entspringen und für die heiteren Momente des Lebens sorgen. Vor allem die drolligen Mäuse, Katzen, Hunde und Pinguine, welche die kleinen menschlichen Schwächen gekonnt aufs Korn nehmen, haben es zu internationaler Bekanntheit gebracht. Doch es gibt da noch die andere Seite des Uli Stein ...

Und die ist so bitterböse, dass sie noch keine Menschenseele in irgendwelchen Illustrierten zu Gesicht bekommen hat. Sie ist so dunkel, dass sie nur zwischen zwei Buchdeckeln auf den Markt geworfen werden kann, und so gefährlich, dass sie hinter Schloss und Riegel gehört. Deshalb ist "Das schwarze Buch" des Uli Stein, das jetzt im Lappan Verlag erschienen ist, auch vollkommen zu recht mit einem Schloss versehen, das allzu empfindsame Gemüter vor dem pechschwarzen Humor des Cartoonisten schützen soll. Aber ganz unter uns, wer nicht so zimperlich ist und in den Besitz eines der beiden mitgelieferten Schlüssel kommt, sollte unbedingt einen Blick in dieses Meisterwerk riskieren.

In seinem "schwarzen Buch" führt uns Uli Stein ohne Rücksicht auf Verluste und absolut schonungslos die Abgründe des Lebens und sämtliche menschliche Absonderlichkeiten vor, vor denen wir so gerne die Augen verschließen. Auch beim Betrachten dieser Cartoons kann der Blick des Rezipienten hin und wieder zwar trübe werden, aber nur, weil er durch den von diversen hysterischen Lachanfällen heraufbeschworenen Tränenschleier seine Umwelt nur noch verschwommen wahrnimmt. Dabei sind die Themen, die Uli Stein verarbeitet, alles andere als leichtverdauliche Kost: Es geht um den Tod - auch gerne in Form von Mord oder Selbstmord -, um lebensgefährliche Situationen, schwere Krankheiten wie Aids oder Krebs, Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Ausländerfeindlichkeit oder körperliche Behinderungen.

Die Art und Weise aber, in der Uli Stein diesen zuleibe rückt, zeugt von seiner großen Meisterschaft und der hohen Kunst des schwarzen Humors. Er überzeichnet den Schrecken des Dargestellten derart, dass man einfach lachen muss, und die befreiende Wirkung des Lachens kennt wohl jeder. Und wer weidet sich nicht von Zeit zu Zeit gerne am Schaden der anderen? Schließlich sind wir doch alle keine Engel, oder?

Christian Götz
05.10.2009

 
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Das Buch:

Uli Stein: Das schwarze Buch

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Oldenburg: Lappan Verlag 2009
192 S., 19,95
ISBN: 978-3-8303-3230-5

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