Medien & Gesellschaft

Mnner als Macher

Filmregisseure sind Männer, wie der Buchtitel "Filmregisseure" unmissverständlich titelt. Herausragende Männergeschöpfe der Kinematographie, die die Damen des Metiers haushoch überragen. Frauen vom Format einer Agnés Warda oder Mira Nair im Sessel der Filmregie sind in der Auswahl der Ausnahme-Regisseure die Ausnahme. Wenn schon denn schon, dann wird der Elite der Elite der Weltregisseure des Weltfilms reichlich Platz eingeräumt. Klaglos die strenge Selektion hinnehmen? Akzeptieren, dass nur zwei Regisseure der gesamten DEFA-Geschichte - Konrad Wolf und Frank Beyer - Aufnahme im Olymp der Filmregisseure fanden? Wasser also auf die Schaufelräder der Mühle von Schlöndorf schütten, der gerade die gesamte DEFA-Produktion in den Orkus schickte? Dass der westdeutsche Meister-Filmer mit dem französischen Flair nicht den dicksten Eintrag in der Ausgabe hat, werden einige Kollegen mit Schadenfreude registrieren.

Wird mancher Name nicht gefunden, kommt manchmal berechtigter Unmut auf. Zumal, wenn Derek Jarman in einem Kollegen-Porträt als einer der Großen seiner Generation gefeiert wird und um einen eigenen Eintrag betrogen ist. Was seine Logik hat! Die sicher nichts damit zu tun hat, dass der Mann nicht männlich genug war. Wie auch immer! Auffallend, dass wenige Filmregisseure das Alter eines Michelangelo Antonioni (1912-2007) erreichten. Zuviele Filmregisseure zog es zwischen Sechzig und Siebzig ins Grab. Filmregie verschleißt die Protagonisten schnell. Was den Regisseurinnen kaum ein Trost sein kann.

Bernd Heimberger
02.03.2009

 
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Das Buch:

Thomas Koebner (Hg.): Filmregisseure - Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien

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Ditzingen: Philipp Reclam jun. 2008
860 S., 36,90
ISBN: 978-3-150-10662-4

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