Medien & Gesellschaft

Trotz allem unverzichtbar

Die 23. Austragung einer Fußball-Weltmeisterschaft der Männer hat mit dem Finalsieg der begeisternden Spanier ein würdiges Ende gefunden, nachdem sie Fußball-Liebhabern auf der ganzen Welt viele unwürdige Momente beschert hatte. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um die uferlose Gier und abstoßende Kumpanei von Gianni Infantino und Donald Trump angemessen zu beschreiben. Die Überreichung des sogenannten FIFA-Friedenspreises für den US-amerikanischen Präsidenten oder die verweigerte Einreise eines renommierten Schiedsrichters aus einem den Vereinigten Staaten suspekten Land oder die Rücknahme einer klaren roten Karte für einen US-Stürmer auf Trumps Intervention hin, diese und weitere Vorkommnisse haben Fußball-Romantikern den Spaß am größten und fantastischsten Sport-Event mächtig vermiest.

Organisatorisch und logistisch war die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zu einem XXL-Event aufgeblasen worden, indem sich insgesamt 48 Nationen qualifizieren durften, satte 50 Prozent mehr gegenüber den sieben letzten Austragungen bzw. die dreifache Menge gegenüber den Veranstaltungen zwischen 1954 und 1978. Natürlich ist die Globalisierung des Fußballs vorangeschritten und viele zuvor belächelte Qualifikanten haben ihre Qualität während des Turniers eindrucksvoll unter Beweis gestellt, doch war die Aufblähung bekanntermaßen ein Stimmenfang Infantinos für seine Wiederwahl als FIFA-Präsident, hat er doch vielen Ländern die Möglichkeit eröffnet, sich unter diesen neuen Bedingungen irgendwann einmal für eine WM-Endrunde qualifizieren zu können. Anscheinend ist mit diesem Format das Limit aber noch nicht erreicht, da bereits der nächste Erweiterungsschritt hin zu 64 Teilnehmerländern innerhalb der FIFA offen diskutiert wird.

Sportlich hat das Turnier mit epischen Spielen allerdings weitestgehend begeistern können, wobei natürlich die deutsche Brille diese Sicht trübt. Das erneut blamable Abschneiden einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei einer WM-Endrunde hat hierzulande wenig dazu beitragen können, ein WM-Fieber heraufzubeschwören. Mit diesen Widrigkeiten haben sich der "kicker" und der Werkstatt-Verlag herumschlagen müssen, um trotz dessen mit ihrem Buch zur "Fußball-WM 2026" ein Hochglanzprodukt kurz nach dem Ende des mehr als fünfwöchigen Turniers abzuliefern. Dies ist ihnen in gewohnter Manier und vorzüglich gelungen. Das vorliegende Buch war bereits fünf Tage nach dem WM-Finale erhältlich, was den Autoren und dem gesamten Verlag eine logistische Meisterleistung abgerungen hatte, die sie abgesehen von einigen fehlerhaften Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis glanzvoll gemeistert haben.

"Fußball-WM 2026" besticht gleichermaßen durch eine Vielzahl emotionaler Bilder, die einen sofort in den Bann ziehen und die tragischen und euphorischen Momente erneut durchleben lassen, als auch durch viele Daten, Fakten und Berichte zum gesamten Turnier. So findet der detailversessene Fußball-Freund eine Übersicht über alle Mannschaften und ihre Kader mit den wichtigsten Informationen zu jedem einzelnen Spieler genau so wie die Stenogramme zu allen 104 Spielen samt "kicker"-Noten für jeden Spieler. Darüber hinaus erfahren die deutschen Spiele eine intensivere Betrachtung durch detaillierte Match-Daten und Einzelanalysen der deutschen Spieler, bevor am Ende des Buches noch eine komprimierte Statistik über die vorangegangenen 22 Veranstaltungen das vorliegende Werk abschließt.

Glücklicherweise blicken die Autoren nicht nur monoton auf die Spiele, sondern greifen auch die Ereignisse rund um diese Fußball-Weltmeisterschaft kritisch auf und benennen die eingangs erwähnten Problemfelder klar. In mehreren Einwürfen und Kommentaren beziehen verschiedene "kicker"-Journalisten und -Korrespondenten deutlich Stellung. Herausgekommen ist wie nicht anders zu erwarten das unverzichtbare Werk für denjenigen Fußball-Fan, dessen Bücherregal bereits zahlreiche Bücher zu Welt- und Europameisterschaften zieren. Dennoch leidet es bei jedem Durchblättern unter dem Makel des deutschen Abschneidens. Man stelle sich nur vor, wie hell dieses rundum gelungene Buch glänzen würde, hätte am Ende nicht Rodri, sondern Joshua Kimmich den WM-Pokal in den Himmel gereckt.

Christoph Mahnel 
17.08.2026

 

Das Buch:

kicker (Hg.): Fußball WM 2026 - Spielberichte. Fotos. Analysen. Kommentare

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Bielefeld: Verlag Die Werkstatt 2026 208 S., € 24,90 ISBN: 978-3-7307-0803-3

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