Medien & Gesellschaft

Die Geschichte der Menschheit in einem Buch

Der Ursprung menschlichen Lebens wird populärwissenschaftlich gerne auf Lucy projiziert, deren Knochen 1974 in Äthiopien gefunden wurden und die mit einem Alter von ca. 3,2 Millionen Jahren ob der physischen Existenz greifbaren Materials als erster Mensch bezeichnet wird. Bis zum Hier und Jetzt hat die Menschheit viele Evolutionsstufen seit Lucy genommen und der Mensch wird seinem Namen als Homo Sapiens, als "gescheiter Mensch", zumindest meistens gerecht. Ein derartiges Exemplar ist Greta Thunberg, die als junger Mensch mit Weitblick zu einem Thema, das für die Menschheit als überlebenswichtig erscheint, ihre Überzeugungen vehement vertritt. Die 18-jährige Schwedin repräsentiert damit als mündiger und verantwortungsvoller Heranwachsender die brandaktuelle Generation der Gegenwart. Lucy und Greta können somit gut und gerne als die zeitlich extremen Pole für die Geschichte der Menschheit herhalten.

Eine "Neue Globalgeschichte" ist dieser Tage vom Theiss Verlag, einem Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, herausgebracht worden und erhebt auf dem Cover plakativ den Anspruch, als Chronik der Menschheit fungieren zu dürfen. Im Untertitel wird der Aspekt als Chronik von Lucy bis Greta aufgespannt und so erstreckt sich diese vom ersten Menschen bis hin zu einem Repräsentanten der Moderne. Es ist ein riesiger Wälzer, der sich von Gewicht und Volumen tatsächlich anschickt, als eine solch umfassende Chronik auftreten zu können. Sieht man einmal von Lucy und ihren frühmenschlichen Kollegen ab, ist es eine letztlich rund zehntausendjährige Geschichte, auf die der Mensch historisch validiert und durch signifikante Quellen belegt zurückblicken kann. Bereits etwa achttausend Jahre vor der Zeitenwende schickten sich die ersten Reiche an, menschliche Zivilisationen zu beherbergen, dazu kommen noch die gut dokumentierten zweitausend Jahre seit Christi Geburt.

Ein Team aus mehreren Autoren und Historikern meisterte erfolgreich die Herausforderung, zehntausend Jahre Menschheitsgeschichte in einem Kompendium zusammenzutragen. Herausgekommen ist ein mehrere Kilogramm schweres Werk, das von Alpha bis Omega an allen relevanten Themen der bisherigen Menschheitsgeschichte vorbeikommt. Gegliedert ist diese auf knapp 1000 Seiten daherkommend in insgesamt acht Kapitel, wobei das Eingangskapitel zur "Frühgeschichte" eher als kurze Einleitung für alles Weitere fungiert. Rasch gelangt man schließlich zum Kapitel über "Erste Großreiche", das seinen Schwerpunkt auf Mesopotamien, Ägypten und das Perserreich legt. "Antike" behandelt die klassischen antiken Zivilisationen von Griechen und Römern. In diesem dritten Kapitel erfolgt bekanntlich der Übergang von der vorchristlichen in die nachchristliche Zeitrechnung.

"Das Mittelalter" folgt der althergebrachten Einordnung von Früh-, Hoch- und Spätmittelalter über den Zeitraum vom 5. bis zum 15. Jahrhundert. Neben vielfältigen Blicken auf die bekannten europäischen Reiche wirft dieses Kapitel sein Augenmerk über die Kreuzzüge hinweg auch mit China und Indien in Richtung Asien sowie auf den afrikanischen und den amerikanischen Kontinent. Im Zentrum von "Die frühe Neuzeit" steht zwischen 16. und 18. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg mit seinen einschneidenden Folgen. "Neuere Geschichte" spannt seinen Bogen schließlich von der Französischen Revolution bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Die beiden Weltenbrände des 20. Jahrhunderts werden in "Weltkriege und Zwischenkriegszeit" abgearbeitet, welches als Kapitel die zeitlich kürzeste Periode über 31 Jahre des Schreckens abdeckt. Während die meisten allumfassenden Geschichtswerke bereits an dieser Stelle abbrechen, legt "Neue Globalgeschichte" hier nochmal richtig nach und beschäftigt sich im umfangreichsten Kapitel "Zeitgeschichte" auf mehr als 200 Seiten mit den Ereignissen und Themen nach Kriegsende bis zur Gegenwart.

Die große Stärke des vorliegenden Buches liegt vor allem in seinem Fokus auf der Einordnung der Zeitgeschichte in den Gesamtkontext der Menschheitsgeschichte. Besagtes letztes Kapitel blickt in rund 30 Unterkapiteln in nahezu alle Ecken des Globus und thematisiert dabei die großen Herausforderungen der Menschheit im Hier und Jetzt und dies derart aktuell, dass sogar die Corona-Pandemie explizit erwähnt wird. Wer auf der Suche nach einem Geschichtskompendium ist, das noch keinen Staub auf seinem Rücken angesetzt hat, dem sei die "Neue Globalgeschichte" wärmstens empfohlen. Und zwar schleunigst, wenn man auf das Preismodell des Theiss Verlags schaut, der momentan seinen Bestseller noch für 50 Euro feilbietet, zum 01. Juli 2022 soll der Preis dauerhaft auf 70 Euro angehoben werden.

Christoph Mahnel 
20.12.2021

 
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Das Buch:

Arthur Knebel, Markus Hattstein, Klaus Berndl, Hermann-Josef Udelhoven: Neue Globalgeschichte - Eine Chronik der Menschheit von Lucy bis Greta

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Darmstadt: wbg Theiss 2021 960 S., 50,00 ISBN: 978-3-8062-4335-2

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