Medien & Gesellschaft

Höhen und Tiefen mit einer Teenagertochter

Früher oder später erwischt sie jeden: die Pubertät. Anja Maier und ihr Mann haben diese überlebt - und das gleich mehrmals: einmal ihre eigene und dann die ihrer ältesten Tochter, inzwischen volljährig und damit raus aus dem Gröbsten. Doch das ist nichts gegen die "Pubertistin". Die steht kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag. Eine Zeit voller Glück und voller Katastrophen: Schule, Noten, Pickel, Jungs, Eltern, insbesondere ihre Mutter. Nicht genug, dass die wissen will, wo und mit wem die Pubertistin ihre Freizeit verbringt; sie erwartet auch noch Pünktlichkeit sowie regelmäßige Teilnahme an den Familienmahlzeiten. Das nervt. Voll.

Das geordnete Leben am Stadtrand der Familie Maier erfährt eine Wende als die jüngere Tochter von einer Jugendreise zurückkommt, auf der sie sich die Pubertätsgrippe eingefangen hat: "Vier Wochen kommt sie, vier Wochen bleibt sie, vier Wochen geht sie." Aber auch diese Zeit muss ja erst einmal überstanden werden. Und außerdem zieht sich der Genesungsprozess bei dieser Tochter in die Länge. Das Krankheitsbild ist geprägt von neuen Verhaltensweisen, neuen Forderungen (nach großstadttauglichem Taschengeld, modernstem iPad, der Befreiung vom Schulsport) und von neuen Freundinnen (Elektra und Yasmin, die alles dürfen und sich nur einmal für fünfzehn Minuten am Stadtrand verirren).

Als Außenstehender kann man über die Probleme der Pubertistin vor allem eins: herzhaft und aus vollem Halse lachen. Anja Maier lässt es an Schlagfertigkeiten und gekonnten Formulierungen nicht fehlen. Zentral für die Komik sind dabei natürlich die Verhaltensweisen und Reaktionen der Pubertistin. Aber auch die lakonisch bis selbstkritisch berichteten Versuche der Autorin, mit diesem neuen Verhalten der Tochter umzugehen und dabei eigene Grundsätze möglichst aufrecht zu erhalten, amüsieren den Leser aufs Herrlichste. Schließlich berichtet die Autorin auch häufig über eigene Verhaltensweisen aus ihrer Jugend und macht sich damit auch über sich selbst lustig. Dank Maier begegnet man der Pubertät mit deutlich mehr Gelassenheit - und jeder Menge Humor.

So vergnüglich und lehrreich wie Jan Weilers "Das Pubertier" - Anja Maiers Bücher sollten sich weder Eltern noch Großeltern, Tanten und Onkel pubertierender Teenager entgehen lassen. Diese berichten vom Wahnsinn des Mutterdaseins einer "Pubertistin". Viele, sogar die meisten Erwachsenen werden bei der Lektüre des vorliegenden Buches wissend mit dem Kopf nicken und denken: "Ja, ganz genauso ist es, wie Maier hier schreibt." Mit Humor wird hier vom Alltag mit einem Terrorjugendlichen erzählt. Ab der ersten Seite hat man Muskelkater vom Dauerschmunzeln. Trotz aller Irrungen und Wirrungen während der Pubertät - dank der deutschen Autorin übersteht man diese Zeit einigermaßen unbeschadet.

Auch Sachliteratur kann Lesespaß machen, noch dazu richtig großen. "Die Pubertistin" ist ein wertvoller Ratgeber für alle, deren Kind mit der Pubertätsgrippe zu kämpfen hat. Witzig und pointiert schreibt Anja Maier über Taschengeld und Selbstbestimmung, Pickel und Hormone und über Mütter und Töchter, die von einem Tag auf den anderen auf unterschiedlichen Planeten zu leben scheinen. Sehr, sehr unterhaltsam!

Susann Fleischer
11.09.2017

 
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Das Buch:

Anja Maier:
Die Pubertistin. Die willste nicht geschenkt haben!

Bild: Buchcover Anja Maier, Die Pubertistin

Köln: Baumhaus Verlag 2017
160 S., € 8,90
ISBN: 978-3-8432-1104-8

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