Biographie

Marke Mick

Rein zuf?llig hat das Mick-Jagger-Portr?t etwas von der Pose des "Denker" von August Rodin? Das Portr?t prangt vorteilhaft auf dem Umschlag der neuesten Mick-Jagger-Biographie. Und dann, vor jedem Kapitel, durch das ganze Buch hindurch. Ein Jungengesicht trotzt der Kantigkeit des Alterns, das verschmitzt weggel?chelt wird. Gewinnend. Werbewirksam. Nicht nur Jagger kann sich gut verkaufen und den Gewinn zusammenhalten. Mit der Marke Mick Jagger kann man ordentlich Geld machen.

Getan hat?s auch Philip Norman. Seit Jahrzehnten auf den Pfaden der internationalen Pop-Szene saugte er Honig, wo Honig zu saugen ist. Er hat sich an die Gr??en der Beatles und Stones gehalten und ist selbst zu einer Koryph?e aufgestiegen. Er hat seine Bewunderung als Autor einer opulenten Lennon-Biographie. Der Publizist macht das Massenph?nomen Pop nicht nur den Massen schmackhaft. Er macht es hoff?hig. W?rtlich! Kaum ist Jagger zum Ritter geschlagen, nennt Norman ihn fortan Sir Mick. Das klingt gleicherma?en devot wie anz?glich. Mit dem Sir Mick l?sst der Autor die Sonne scheinen, die er umkreist, ohne zu verbrennen.

Philip Normans Pers?nlichkeits-Portr?t ist von Anbeginn ein pers?nliches Portr?t f?r jedermann. Es ist nicht das eines Intellektuellen f?r Intellektuelle. Nicht das Portr?t, das BILD-Leser ?berfordert, doch das Niveau einer Kolumne des Blattes hat. Kurzum: Das Opus des Weltvolkshelden ist f?r die Welt gedacht und ausgef?hrt. Die gro?e Vertrautheit des Verfassers zum Musiker und Menschen Mick Jagger ist nicht peinlich. Gewahrt wird die n?tig Distanz, damit die Leser der wohlwollenden Dichtung-und-Wahrheit-Biographie ohne Skepsis vertrauen k?nnen. Wer gut im Glauben ist, darf selig schwelgen. Das Gef?hl stellt sich ein, alles ?ber Mick Jagger zu wissen. Auch das, was man gar nicht wissen will und muss. Also die tausend Nebens?chlichkeiten und Nichtigkeiten, die reine Nebensache sind. Es wird an der Oberfl?che gekratzt. Das, was wie Gold gl?nzt, ist h?ufig nur ein Bronzeanstrich. Farben werden gewechselt wie ein Cham?leon die Farben wechselt. Ist das eine der Wahrheiten des Mick Jagger, dass er ein Cham?leon ist?

Einige Gewissheiten und Ungewissheiten bleiben den Lesern gewiss im Ged?chtnis. Das sind die Gier und der Geschlechtstrieb. An sich m?ssen die nicht interessieren, w?rden entsprechende Schilderungen nicht die interessantesten Seiten des Buches f?llen. Halbgewissheit wird die Besessenheit des Mannes im Beruf, der den Alternden nicht in den Ruhestand entl?sst. Da muss wenig behauptet werden. Das ist belegt, weil es das Lebenswerk des Mick Jagger ist. Er wurde zum Star der Rolling Stones, weil ... Der Junge hat die Lippen, das L?cheln, die Lustigkeit und L?ssigkeit und List, ohne die ein Gesch?ft in der Musikbranche kaum m?glich w?re.

Mick Jagger machte das Unternehmen Rolling Stones zu einem einzigartigen, erfolgreichen wie lukrativen Unternehmen. Er hatte die Kraft dazu, da er ein ausgepr?gter Ich- Mensch ist. Dass der Biograph das nicht zu kaschieren versucht, macht den Menschen in seiner Menschlichkeit erkennbar. Warum sollte das, in drei Gottesnamen, auch nicht so sein? Das ist doch sympathisch!

Marianne Faithfull, die kluge, gef?hlvolle wie verst?ndnisvolle Schauspielerin und S?ngerin, die zeitweilige Lebensgef?hrtin von Jagger, hat in ihm zuerst und zun?chst "einen frechen, kleinen L?mmel" gesehen. Ein erster, bleibender Eindruck, der in der Folge durch vielerlei Einsichten und Erkenntnisse erweitert wurde. Das im Sinn, ist Faithfull auch ernst zu nehmen, die Mick Jagger als bisexuell sieht. So ist Klarheit geschaffen. So sind die halbverschleierten Aussagen zu dem Vater von sieben Kindern korrigiert. "Die Biographie" ist nicht dazu da, weitere, neue Ger?chte zu verbreiten. Das w?re das Ungenie?bare. "Welcher Mensch wirklich hinter der Jagger-Maske steckt, l?sst sich am ehesten seiner sieben Kinder von vier verschiedenen Frauen beurteilen", sagt Philip Norman. Und er stimmt ein Hohelied auf seinen ganz und gar nicht makellosen Helden an. Das heilige Loblied auf den Menschen Mick Jagger kann sich der Autor verkneifen, weil er sich auf das Kleine und Kleinliche des Lebens von Mick Jagger einl?sst.

Bernd Heimberger
15.10.2012

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Philip Norman: Mick Jagger. Die Biographie. Aus dem Englischen von Gabriele Gockel u.a.

CMS_IMGTITLE[1]

Mnchen: Droemer Verlag 2012
720 S.. 24,99
ISBN: 978-3-426-27542-9

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.