Biographie

Der Mythos "William Shakespeare"

Der Dramatiker William Shakespeare gilt als einer der größten Dichter seiner Zeit. Aber hat der Sohn eines Handschuhmachers wirklich das nötige Können besessen, Werke wie "Romeo und Julia", "Hamlet", "Othello" und "Macbeth" zu Papier und späterhin auf die Bühne des Londoner Globe Theatre zu bringen? Seit mehr als 150 Jahren wird heftig darüber diskutiert, dass hinter den Theaterstücken ein anderen Urheber steckt - unter ihnen Christopher Marlowe, Francis Bacon und Edward de Vere. Dass der dritte in diesem Bunde noch am ehesten als Verfasser für "Was ihr wollt" und "Ein Sommernachtstraum" in Frage kommt, dafür tritt Kurt Kreiler mit seinem Buch "Der Mann, der Shakespeare erfand - Edward de Vere, Earl of Oxford" nun den eindrucksvollen Beweis an.

Vermutungen, dass der englische Edelmann den Namen "William Shakespeare" als Pseudonym für sich nutzte, sind ganz sicher nicht an den Haaren herbeigezogen. Es scheint sogar sehr wahrscheinlich, dass der Earl der Verfasser der größten Tragödien der Welt ist. Schließlich bereiste er im Auftrag der englischen Krone die ganze Welt und bekam unter anderem Italien und Frankreich zu sehen. Die Auffälligkeit, dass die bekanntesten Dramen in der Toskana spielen, wird sicherlich nicht unbewusst geschehen sein. Weitere Parallelen tun sich beim Lesen der vorliegenden Biographie zu Shakespeares Werken auf, die auf dem ersten Blick nicht unbedingt offensichtlich sind. So wird de Veres Schwiegervater William Cecil, Schatzmeister der Königin Elisabeth I., manchmal als Vorlage für den Polonius aus "Hamlet" angesehen - nur ein Beispiel von vielen.

Es sind hauptsächlich Indizien, auf die Kurt Kreiler seine These, Edward de Vere sei der einzig wahre Shakespeare, stützt. Aber diese trägt er so fundiert und mit Belegen untermauert vor, dass am Ende von "Der Mann, der Shakespeare erfand" kein Zweifel an der Oxford-Theorie mehr besteht. Auch wenn die Diskussion bereits älteren Datums ist, so tun sich bei der Lektüre des vorliegenden Buches neue Wege auf, die den Leser an unbekannte Gestade führt - und dies in einem so unterhaltsam-packenden Erzählton, dass das Sachbuch eher als einen Roman erscheint.

Dabei ist diese Biographie randvoll gefüllt mit interessanten Informationen über den Earl of Oxford und seine Zeit, sodass die knapp 600 Seiten eher einem imposanten Porträt denn einem Werk, das zwischen zwei Buchdeckeln die Geschichte eines eindrucksvollen Lebens erzählt, ähneln - und das sehr kurzweilig und lehrreich. "Der Mann, der Shakespeare erfand - Edward de Vere, Earl of Oxford" hat zu Recht einem Platz im Bücherregal verdient.

Susann Fleischer
16.05.2011

 
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Das Buch:

Kurt Kreiler: Der Mann, der Shakespeare erfand - Edward de Vere, Earl of Oxford

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Berlin: Insel Verlag 2011
597 S., 12,95
ISBN: 978-3-458-35715-5

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