Biographie

Die Wrdigung einer lebenden Legende

Max Schmeling, Steffi Graf, Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, der deutsche Sport kennt nicht viele Athleten und Persönlichkeiten, die ihm, der als schmächtiger Schlacks von Würzburg auszog, um die Basketball-Welt zu erobern, das Wasser reichen können. Am 10. April 2019 verkündete Dirk Nowitzki mit den Worten "This was my last home game" das Ende seiner überragenden Karriere in der nordamerikanischen Profiliga NBA. Mitte, Ende der Neunziger Jahre war in Fachkreisen des deutschen Basketballs erstmals die Rede von einem hoffnungsvollen Talent in Würzburg, in der zweiten Liga, das das Potential habe, ganz nach oben zu gelangen. Nach wenigen Spielzeiten hierzulande setzte er anno 1999 über ins El Dorado des Basketballs. Das bis dahin über viele Jahre hinweg belächelte, weil meist am Tabellenende herumkrebsende Team der Dallas Mavericks nahm mit dem 2,13 m großen Flügelspieler Anlauf, um zwölf Jahre später den Olymp der NBA zu erobern.

Es ist jedoch nicht nur Nowitzkis Erfolgsliste, die seinen außerordentlichen Stellenwert in der globalen Sportwelt begründet. Natürlich thront dabei ganz oben der NBA-Titel 2011 mit Dirk Nowitzki als wertvollstem Spieler der Final-Serie, dazu Punkterekorde en masse sowie die Erfolge mit der ansonsten in der Regel recht bescheiden daherkommenden deutschen Nationalmannschaft, dem EM-Finale von 2005 und der Bronze-Medaille bei den Weltmeisterschaften 2002. Es ist vielmehr sein Auftreten als Sportler auf und neben dem Basketball-Court, das ihm weltweiten Respekt verschafft hat. Darüber hinaus hat er mit seiner Art zu spielen, als großer Mann auf dem Flügel, der wie kein anderer zuvor Drei-Punkte-Würfe und nicht zu verteidigende Würfe, bei denen er einbeinig vom Gegenspieler wegglitt, durch die Reuse versenkte. Dirk Nowitzki wird als Gesamtpaket einzigartig bleiben, so dass der deutsche Sport viele Jahre darauf wird warten müssen, ein ähnliches Kaliber, in welcher Sportart auch immer, hervorzubringen.

Pünktlich zu seinem Karriereende ist eine viel beachtete Biografie erschienen, die passenderweise den Titel "The Great Nowitzki" trägt. Als Autor zeichnet Thomas Pletzinger verantwortlich, ein Mann, der weiß, wie man mit Geschichten und Erzählungen rund um den Basketball begeistern kann. Vor einigen Jahren hatte der mit seiner Familie in der Hauptstadt lebende Autor und Journalist die deutsche Vorzeige-Mannschaft von ALBA Berlin über eine hochdramatische Saison hinweg begleitet und diese Erlebnisse in "Gentlemen, wir leben am Abgrund" zu Papier gebracht. Pletzinger selbst war in der einstigen deutschen Basketball-Hochburg Hagen aufgewachsen und hatte sich dort mit dem Basketball-Virus infiziert. Zumindest eine Zeit lang hatte er den Traum gehegt, selbst Basketball-Profi zu werden, doch letztlich sollte sich zeigen, dass er als Schreiberling noch talentierter war.

Das vorliegende Werk ist beileibe keine Berichterstattung von Spielen, Siegen und Niederlagen, keine Aneinanderreihung von Begegnungen, Anekdoten und Erlebnissen. Pletzinger hat die Karriere Nowitzkis in einen würdigen Rahmen gegossen und brilliert dabei mit seinem Erzählstil, der literarische Züge in sich trägt.

Der Autor hat seine ausführliche Darstellung von Dirk Nowitzki, dem Menschen, dem Sportler und dem Heroen, gespannt von den Ereignissen um Nowitzkis letzte Spiele im April 2019 wieder bis hin zu selbigen. Dazwischen lässt er die Geschichte des 1978 in Würzburg geborenen Multi-Sport-Talents Revue passieren. Mal beobachtet Pletzinger aus der Distanz, mal mit der Naivität eines Jungen, der davon geträumt hatte, selbst an Nowitzkis Statt zu stehen, dann wieder kommt er Nowitzki ganz nahe. Hier besitzt das vorliegende Buch seine großen Stärken, wenn glaubhaft und gut nachvollziehbar vermittelt wird, was einen Dirk Nowitzki stets angetrieben und motiviert hat, was in ihm und seinem Kopf vorging, sowohl in den größten als auch den tragischsten Momenten seiner Karriere. Pletzinger lässt nichts aus und nimmt den faszinierten Leser mit auf eine Reise, dass dieser glaubt, selbst ganz nahe dabei gewesen zu sein.

Es gibt nur wenige derart faszinierende Biografien über Sportler, die es mit "The Great Nowitzki" aufnehmen können. Bereits die Ankündigung, dass sich Thomas Pletzinger diesem Unterfangen widmen würde, ließ hoffen, dass hier ein höchst lesenswertes Werk im Entstehen begriffen ist. Doch letztlich hat sich der Autor selbst übertroffen und sein persönliches Meisterstück abgeliefert so wie Dirk Nowitzki anno 2011 in den Playoffs, die mit dem Triumph über die Miami Heat und dem sehnlichst erwarteten NBA-Championship-Ring an seinem Finger geendet hatten. Der Basketball-Fan, der noch nicht recht darüber hinweg gekommen ist, dass die in wenigen Wochen startende NBA-Saison erstmals seit der von 1997/98 ohne Dirk Nowitzki über die Bühne gehen wird, bekommt mit diesem Buch mehr als ein Trostpflaster geliefert.

Christoph Mahnel 
30.09.2019

 
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Das Buch:

Thomas Pletzinger: The Great Nowitzki. Das auergewhnliche Leben des groen deutschen Sportlers

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Kln: Kiepenhauer & Witsch 2019 512 S., 26,00 ISBN: 978-3-462-04732-5

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