Buch des Monats Mai 2025
Romance, Zeitreise und große Literatur vereint im aufregendsten Debüt des Jahres
Im 21. Jahrhundert entdeckt die britische Regierung ein Portal, das Zeitreisen ermöglicht. Das "Ministerium für Zeit" ist gegründet. Dessen Aufgabe: Historische Persönlichkeiten zu retten und in die Gegenwart zu bringen. Um die Vergangenheit nicht zu zerstören, wählt es gezielt Menschen aus, die in ihrer ursprünglichen Zeitlinie gestorben wären. Jedem "Zeitflüchtling", auch "Expats" genannt, wird eine "Brücke" zugeteilt, ein Mitarbeiter, der ihn über die moderne Welt unterrichtet. Die namenlose Erzählerin des Romans ist die Tochter eines Briten und einer kambodschanischen Immigrantin. Sie soll die Brücke zu Graham Gore sein, einem Entdecker, der auf Franklins verlorener Expedition ums Leben gekommen wäre.
Zu den anderen "Auswanderern" gehören Leutnant Thomas Cardingham, der in der Schlacht von Naseby (1645) kämpfte; Margaret "Maggie" Kemble, beinahe gestorben während der Großen Pest von London (1665); und Hauptmann Arthur Reginald-Smyth aus dem Jahre 1916. Sie alle versuchen verzweifelt ihren Platz in der neuen Realität zu finden. Doch so mancher droht zu scheitern. Moderne Technik, gesellschaftliche Umbrüche und vieles anderes machen ihnen zu schaffen.
Die Erzählerin unterrichtet Gore über die moderne Welt. In den folgenden Monaten diskutieren sie unter anderem über Großbritanniens veränderte Ansichten zu Rasse, Imperialismus, Geschlecht, Religion und Sexualität. Doch dann werden die beiden von zwei Spionen aus der Zukunft angegriffen, die in der Gegenwart der Geschichte (ihrer Vergangenheit) gefangen sind. Ein Maulwurf gibt Informationen an die beiden Spione weiter und bringt so alle Brücken und Expats in Gefahr. Gore und die Erzählerin werden in ein sicheres Haus gebracht und schließlich ein Liebespaar. Arthur wird getötet. Maggies sicheres Haus wird angegriffen, aber sie überlebt. Maggie, Cardingham, Gore und die Erzählerin fliehen erneut, sind aber längst nicht in Sicherheit ...
Literatur, die einen zum Staunen mit offenem Mund bringt - im Bücherregal gibt es nichts, was sich mit "Das Ministerium der Zeit" auch nur annähernd vergleichen lässt. Der Erstling von Kaliane Bradley hebt sich wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen der letzten Jahre heraus. Weil alles andere als nullachtfünfzehn! Mainstream gibt es bei der Britin zu keinem Satz. Entsprechend unbändig ist die Begeisterung über die Lektüre des vorliegenden Romans. Science-Fiction wird hier auf eine bislang unbekannte Ebene gehoben. Bradley ist der neue Stern am SciFi-Himmel; noch dazu einer, der (fast) allen anderen überstrahlt. Hoffentlich bleibt es nicht bei diesem One-Hit-Wonder. Man wünscht sich von der Autorin noch mehr, noch viel mehr zu lesen!
Es gibt nur wenige Autorinnen, die schreiben können wie Kaliane Bradley; nämlich wie eine Göttin. Das beweist ihr Debüt "Das Ministerium der Zeit" vom ersten bis zum letzten Satz. Dieser Roman hinterlässt beim Leser eine angenehme Gänsehaut am ganzen Körper. Kaum aufgeschlagen, fühlt man sich ob Bradleys schriftstellerisches Talent ganz berauscht, regelrecht high wie sonst nur noch von Drogen. Denn es ist auf höchstem Niveau. Solch eine Lektüre bedarf eigentlich nur drei Worte: wow, wow, wow!
Susann Fleischer
05.05.2025
