Buch des Monats März 2025
Lebenskrise einer Mittvierzigerin
Lila dachte, sie hätte es geschafft im Leben: Sie ist Bestsellerautorin, verheiratet, hat zwei Kinder und ein Haus mit Garten. Doch mit 42 Jahren muss sie feststellen, dass ihr Mann mit einer anderen schläft, noch dazu ein Kind von ihr bekommt, ihr altes, viel zu großes Haus mehr Geld verschlingt, als sie momentan verdienen kann, ihre Teenagertochter nicht mehr mit ihr spricht und noch dazu ihr leiblicher Vater plötzlich vor der Tür steht. Für Lila brechen all diese Ereignisse innerhalb kurzer Zeit über sie herein, obwohl sie sich im Nachhinein eingestehen muss, dass ihre Ehe schon länger nicht mehr das war, für das sie es hielt.
Zu allem Überfluss muss Lila den Anblick ihrer Nachfolgerin mitsamt dem nicht zu übersehenden Babybauch jeden Tag am Schultor ertragen, wo beide ihre Kinder abholen und sich der tägliche Tratsch der Mütter abspielt. Doch eines Tages erscheint dort auch ein Vater, der Lilas Interesse weckt und der auch an ihr nicht uninteressiert zu sein scheint. Doch ist er nicht der einzige Mann, der sich in das derzeit viel zu komplizierte Leben von Lila und ihrer Patchwork-Familie drängt. Der Gärtner, der gerade versucht, ihren zugewucherten Garten wieder auf Vordermann zu bringen und das alte Haus vor einem kranken Baum, der droht umzufallen, zu retten, ist auch ein Kandidat, der sich anschickt, Lilas Herz zu erobern.
Jojo Moyes - seit vielen Jahren Bestsellerautorin im Bereich der amüsanten und durchaus auch tiefgehenden Wohlfühlliteratur - hat in ihrem neuesten Werk eine Lebenskrise gigantischen Ausmaßes einer Mittvierzigerin beschrieben. Dabei bedient sie sich wirklich aller nur denkbaren Katastrophen, die über einen hereinbrechen können: ein untreuer Ehemann, der den eh knapp bemessenen Unterhalt für die Kinder kürzen will, weil er Geld für seine neue Familie braucht, der Tod der Mutter und ein trauernder Stiefvater, der bei der Stieftochter einzieht, ein leiblicher, bisher abwesender Vater, der plötzlich auftaucht, ein Herzinfarkt, eine schwindende Schriftstellerkarriere und damit das Versiegen der einzigen Einnahmequelle. Die Liste ist endlos in "Zwischen Ende und Anfang". Doch in Schwermut verfällt Jojo Moyes in ihren Romanen selten, auch wenn sie durchaus ernste Themen behandeln. In "Zwischen Ende und Anfang" lässt sie trotz vieler Krisen aber auch immer Humor walten. Absurde und komische Situation meistert ihre sympathische Hauptfigur Lila problemlos.
Die Schauspielerin und Synchronsprecherin Luise Helm, die bereits unzählige Moyes-Romane als Hörbücher vertont hat, liest auch "Zwischen Ende und Anfang" wieder mit ihrer frischen, wandelbaren Stimme, die Lilas Geschichte viel Leben, Witz und Zuversicht einhaucht, auch wenn es alles andere als rundläuft im Leben der Protagonistin.
Sabine Mahnel
03.03.2025
