Buch des Monats April 2020

Endlich, das grandiose Finale von Irvine Welshs "Trainspotting"-Tetralogie

Etliche Jahre sind vergangen, seit Mark Renton seine Freunde aus Jugendtagen übers Ohr gehauen und beklaut hat. Als sie 2016 in Edinburgh wieder aufeinander treffen, verläuft das Wiedersehen dennoch entspannt. Scheinbar! Mark hat etwas aus sich gemacht. Beruflich läuft es gar nicht mal schlecht für ihn. Als Manager erfolgreicher DJs reist er um die Welt. Die Kohle stimmt. Warum fühlt es sich trotzdem nicht richtig an? Da trifft Mark bei einem Flug in die alte Heimat zufällig seinen einstigen Weggefährten Franco Begbie. Diese Begegnung reißt Mark aus seinem Trott. Verdammt noch mal, das Leben hat doch mehr zu bieten! Was genau das sein soll, muss Mark herausfinden. Am besten, bevor es zu spät ist und er die Radieschen von unten sieht. Oder auch nicht?!

Bald findet sich Mark in einer Welt wieder, die er längst hinter sich geglaubt hatte: in den dreckigen Straßen einer verachtenswerten schottischen Kleinstadt namens Leith. Dort findet sich die alte Gang zusammen. Da sind Sick Boy, Rentons ältester Freund, ein amoraler Betrüger und Aufreißer, der später einen Escort-Service unterhält; Spud, der Sucht- und Prügelknabe der Gruppe, eigentlich ein netter Kerl, reitet sich stets selbst in die Probleme; und Franco, der notorisch aggressive Kleinkriminelle der Gruppe, ein Psychopath, der später zum bildenden Künstler aufsteigt. Mark sieht die Gunst der Stunde gekommen, endlich die alten Schulden zu bezahlen. Doch seine alten Kumpels haben ganz andere Pläne mit ihm. Und die sind nichts für Zartbesaitete ...

Unterhaltung, die so ziemlich alles toppt, was in den letzten Jahren, Jahrzehnten erschienen ist - in den Romanen von Irvine Welsh findet man Sex, Drugs & Rock'n'Roll, und davon jede, jede Menge. Diese sind der geilste Sch... in der Literatur. Nichts berauscht einen genialer. "Die Hosen der Toten" versetzt einfach jeden in eine noch nie dagewesene Euphorie. Solch eine Lektüre sorgt beim Leser für geradezu ekstatische Ausnahmezustände über viele Stunden, gar Tage lang. Und man will, dass dieser atemberaubende Trip niemals endet. Was für ein Wahnsinn zwischen zwei Buchdeckeln! Die Story ist absolut der Hammer. Es gibt nichts Grandioseres im Bücherregal. Da überschlägt man sich beinahe vor lauter Lesebegeisterung. Und es wird einem unglaublich schwindelig.

Fans haben lange auf "Die Hosen der Toten" warten müssen. Aber es hat sich gelohnt. Der letzte Teil von Irvine Welshs "Trainspotting"-Tetralogie ist zugleich auch das genialste Werk seiner Bibliographie. Welsh ist auf der Höhe seines Könnens. Hier erfährt man Literatur, die ihresgleichen sucht, definitiv alles andere glatt in den Schatten stellt. Dieser Roman ist ein Hit. Und er hat Kultpotenzial, wenn nicht gar das Zeug zur Legende!

Susann Fleischer 
06.04.2020

 
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Das Buch:

Irvine Welsh: Die Hosen der Toten. Aus dem Englischen von Stephan Glietsch

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Mnchen: Heyne Verlag 2020 480 S., 22,00 ISBN: 978-3-453-27233-0

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