Buch des Monats Juni 2019

Literatur, die alles andere als nullachtfnfzehn ist

Bei den Dreharbeiten zu einem Horrorfilm am Rottensee mischt sich ein lesbisches Vampirpärchen unter die Statisten, während im Flüchtlingsheim der Innenministerin eine Suppe serviert wird, die ihr nicht bekommt. Am nächsten Tag werden im Strandbad der Fuß einer Frau und das Hinterbein eines Hundes angeschwemmt. Als dann auch noch ein Fischer verschwindet, ist klar, dass in den Tiefen des Sees ein Monster sein Unwesen treiben muss. Polizist Alfons Stallinger versucht vergeblich, die Absage eines auf der Seebühne geplanten Konzerts zu erreichen. Nicht das einzige Problem für ihn. Ein zweiter Toter bringt Stallinger mehr oder weniger um den Schlaf, schlimmste Gewissensbisse hingegen den Landwirt Matthias Ablinger.

Ablinger hat damals, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, schwere Schuld auf sich geladen. Nun will er Buße ableisten bzw. seine Enkelin verlangt das von ihm. Sie treibt Ablinger zu einer Aktion, die eigentlich verlorene Liebesmühe ist. Und doch eine Lawine auslöst; durch nichts und niemanden aufzuhalten, oder?! Ablingers Enkelin derweil entdeckt ihre Gefühle für eine Freundin. Diese gehen dummerweise über das rein Platonische viel zu weit hinaus. Eine emotionale Achterbahnfahrt setzt nicht nur ihr zu, sondern noch mehr den Leser. Der glaubt bis zum Schluss, in einem Schleudersitz zu sein, der ihn jederzeit und ohne Vorwarnung in die Luft katapultieren könnte. Spätestens, als sich die Ereignisse überschlagen ...

Unterhaltung weit abseits des Mainstreams - es gibt kaum etwas, das mehr und abgedrehteren (Lese-)Spaß macht, als die Geschichten aus Kurt Palms Feder. Diese entlocken dem Leser ein besonders breites Lächeln, von einer Backe zur anderen. Zwischen zwei Buchdeckeln steckt nämlich ein Vergnügen, das einschlägt wie eine Bombe. "Monster" gehört zu den Must-reads 2019! Im Bücherregal findet man kaum etwas Besseres. Ab der ersten Seite, sogar ab dem ersten Satz haut dieser Genuss einen glatt um. Der österreichische Autor beherrscht die Erzählkunst auf ganz einzigartige, außergewöhnliche Art und Weise. Er kann schreiben, dass man vor lauter Lesebegeisterung sich partout nicht mehr einkriegt. Also: Hipp hipp hurra!

Kurt Palms Romane lesen sich wie ein Quentin-Tarantino-Film, allerdings um einiges genialer! Mit "Monster" gelingt ihm ein literarischer Geniestreich, wie man solch einen nur alle paar Jahre mal in die Hände bekommt. Hier erfährt man ein Lesehighlight, das alles ist, aber definitiv nicht nullachtfünfzehn. Hut ab, vor Palms sensationellem Schreibkönnen! Es toppt einfach alles!

Susann Fleischer 
03.06.2019

 
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Das Buch:

Kurt Palm: Monster

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Wien: Deuticke Verlag 2019 304 S., 21,00 ISBN: 978-3-552-06394-5

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