Buch des Monats September 2018

DAS absolute Lesehighlight dieses Jahres, geschrieben von einem Schriftstellergenie sondergleichen

Ein Greis blickt zurück auf sein Leben. Es beginnt vor dem Ersten Weltkrieg, als ein junger Brite nach Amerika reist. Auf der Bühne hat er wenig Glück. Aber dann dreht er in einem Dorf namens Hollywood seinen ersten Film. Wenige Jahre später ist er ein Weltstar, zusammen mit seinem besten Freund Oliver. Die beiden werden bis zu Ollies Tod untrennbar sein, danach wird er nie mehr einen Film drehen, sondern bis zuletzt Dialoge für "Dick und Doof" schreiben. Davon erzählt Connolly vor der faszinierenden Kulisse der Traumfabrik, die so voller Glanz und Schatten war. Es ist die Geschichte von Stan Laurel, der immer auf der Suche nach dem Glück war, mit mäßigem Erfolg. Mit "Stan" spürt man dem Menschen hinter der Kunstfigur nach. Zugleich ist John Connollys Roman auch eine Hommage an einen Komiker, vielleicht noch größer als Charlie Chaplin.

Arthur Stanley Jefferson entstammt einer Künstlerfamilie. Sein Vater und seine Mutter arbeiten beide am Theater. Schon mit neun Jahren steht Stan auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten. Nach dem Schulabschluss wagt er den großen Schritt und will seinen Traum einer Künstlerkarriere Wahrheit werden lassen. In einer fahrenden Theaterkompanie hofft er auf den Durchbruch. Vergebens, denn mit ihm reist auch der noch unbekannte Charlie Chaplin. Während seiner Zeit bei Fred Karno´s Army lernt er bitterste Armut kennen, aber auch, wie man jedes Publikum zum Lachen bringt. Das tut er dann nach einem Ausflug über den großen Teich auch auf der Kinoleinwand. Plötzlich kennt die ganze Welt sein Gesicht, seinen unschuldigen Blick. Er liebt viele Frauen und meistens die falschen. Doch der wichtigste Mensch in seinem Leben ist ein Mann ...

Spaß, Spaß, Spaß! Wie kaum ein anderer seiner Zunft sorgt John Connolly für Leseeuphorie pur. Er schreibt Literatur mit größtem Funfaktor. Mit "Stan" gelingt dem Iren ein Meisterwerk der Erzählkunst, definitiv ein ganz großer Wurf unter den Neuerscheinungen der letzten Jahre. Von solch einem grandiosen Lesevergnügen wird einem nach nur wenigen Sätzen ganz schwindelig. Was man hier in die Hände kriegt, ist amüsanteste Unterhaltung mit Tiefgang. Herz und Zwerchfell werden ab der ersten Seite über alle Maße bewegt. Zwar sind die Seiten durchzogen mit einer gewissen Traurigkeit, beinahe Schwermut, und doch blitzt immer wieder der so typisch-schräge Dick-und-Doof-Humor durch. Also: Lachmuskelkater vom Dauerschmunzeln absolut garantiert. Außerdem ganz feuchte Augen sowie beste Laune über viele, viele Stunden lang. Einfach nur herrlichst!

Keine (Auto-)Biographie vermag ähnlich Geniales wie "Stan": John Connolly bringt dem Leser den Ausnahmekomiker Stan Laurel näher. Man lernt ihn von seiner ganz privaten Seite kennen, und das auf äußerst kurzweilige Art und Weise. Während der Lektüre wird es zu keiner Lesesekunde langweilig. Denn zwischen zwei Buchdeckeln stecken neben jeder Menge spritzigem Wortwitz auch noch Gefühle im Übermaß und unbändigste Fabulierlust. Kaum das vorliegende Buch aufgeschlagen und zu lesen begonnen, kann man gar nichts anders als so breit zu grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Hurra, endlich kommt ganz viel Freude sowie Slapstick in unser aller Leben!

Susann Fleischer
27.08.2018

 
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Das Buch:

John Connolly:
Stan. Aus dem Englischen von Gottfried Röckelein

Bild: Buchcover John Connolly, Stan

Reinbek: Rowohlt Hundert Augen 2018
528 S., € 24,00
ISBN: 978-3-498-00946-5

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