Buch des Monats Mai 2018

Ein Historienschmöker par excellence

Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit werden ganze Landstriche entvölkert, Angst und Panik regieren. Lady Anne, Burgherrin von Develish, bleibt ruhig. Als der Schwarze Tod auch ihr Gebiet erreicht, bringt sie all ihre Schutzbefohlenen in der Burg in Sicherheit und lässt die Zugbrücke verbrennen. Nicht einmal ihren Gemahl, der von einer Reise zurückkehrt, lässt sie ein. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die Gemeinschaft. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber intelligentesten ihrer Diener. Doch können sich die Burgleute gegen die Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die Vorräte reichen?

Dann geschieht ein Mord. Die Burggesellschaft droht endgültig zu zerreißen. Das Opfer: Thaddeus´ Halbbruder. Offenbar war er wie auch fünf andere Gefolgsleute von Lady Anne in einem zwielichtigen Spiel mit deren Tochter verstrickt. Eleanor hat sich im Schutz der Burgkapelle gleich mehreren jungen Männern hingegeben, mit schlimmen Folgen für sie alle. Als Thaddeus davon erfährt, beschließt er, mit den Verdächtigen die schützenden Mauern von Develish zu verlassen. Der Gräfin macht er glauben, er würde auf die Suche nach Getreide und Vieh gehen. In Wahrheit aber will er dem Täter auf die Spur kommen. Für dieses Vorhaben riskiert er sogar sein Leben. Denn allerorts lauert Gefahr, nicht nur durch die Pest. Derweil spinnt Eleanor gegen ihre Mutter feine Intrigen - und droht, sich selbst und alle anderen ins Unglück zu stürzen ...

Literatur zum Niederknien - die Romane von Minette Walters muss man unbedingt gelesen, oder noch besser: gehört haben. Diese bedeuten nämlich Unterhaltung, die fesselnder definitiv nicht sein kann, und außerdem kaum schöner und genialer. Mit "Die letzte Stunde" kriegt man Historienkino wie aus der Feder eines Jeremiah Pearson auf die Ohren. Mit Gabriele Blum steht zudem eine Meisterin ihrer Zunft am Mikrofon. Ihre Lesungen sind Genuss pur. Diese machen einen ganz schwindelig vor lauter Hörglück. Die deutsche Schauspielerin verführt zu einem Hörvergnügen, das alles andere glatt in den Schatten zu stellen vermag. Ihr zu lauschen, kommt einem Geschenk gleich. Über solch ein Historienerlebnis sowie fulminante Sprechperformance kann man einfach nur den Hut ziehen. Einsamste Spitzenklasse, wie Blum liest.

Mit "Die letzte Stunde" gelingt Minette Walters abermals ein absoluter Bestsellergarant. Denn hier erfährt man Literatur voller Spannung und Emotionen. Sprecherin Gabriele Blum nimmt den Leser ab der ersten Spielminute ins 14. Jahrhundert. Ihre Lesung lässt die Vergangenheit wieder lebendig werden. Über viele, viele Stunden lang nimmt diese einen vollkommen gefangen.

Susann Fleischer
07.05.2018

 
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Das Buch:

Minette Walters:
Die letzte Stunde. Aus dem Englischen von Sabine Lohmann, Peter Pfaffinger

Bild: Buchcover Minette Walters, Die letzte Stunde

Sprecherin: Gabriele Blum
München: Random House Audio 2018
Spielzeit: 880 Min., € 22,00
ISBN: 978-3-8371-4137-5

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