Wissenschaften

Bevor die Römer kamen

Bevor die Römer sich im fünften Jahrhundert v. Chr. anschickten, von der kleinen Siedlung am Tiber aus, die Rom damals noch war, ganz Italien zu erobern und im Laufe weniger Jahrhunderte zu den Herrschern über einen Großteil der damals bekannten Welt zu avancieren, siedelte ein Volk namens Etrusker oder Etrurier, wie die Römer sie nannten, auf der nördlichen Apenninhalbinsel. Die klassische Archäologin und Etrusker-Spezialistin Friederike Bubenheimer-Erhart hat sich in ihrem Band, der schlicht den Titel "Die Etrusker" trägt, der Geschichte dieses Volkes gewidmet, das heute als eines der größten Kulturvölker der Antike gilt.

Das Siedlungsgebiet der Etrusker erstreckte sich ursprünglich über die heutige Toskana, Teile Umbriens und Latiums. Zu Zeiten ihrer größten Ausdehnung und Machtfülle reichte das Gebiet der Etrusker im Norden bis in die Emilia-Romagna und im Süden bis nach Kampanien. Der Aufstieg Roms im fünften Jahrhundert v. Chr. bedeutete den Niedergang des bis dahin bedeutendsten Volkes des antiken Italiens. Bei den Römern waren die Etrusker meist nur noch als Priester oder Wahrsager bekannt, in der Spätantike verschwanden sie als Volk komplett von der Bildfläche. Erst zu Zeiten der Medici besannen sich die Italiener auf ihre Wurzeln und entdeckten die Kultur der Etrusker wieder.

In ihrem opulenten Band über das italienische Volk zeichnet Bubenheimer-Erhart die Geschichte der Etrusker chronologisch in Wort und Bild nach. Immer wieder unterstreichen großformatige und durchgehend farbige Abbildungen, Fotografien und Karten das Geschriebene. Zwischendurch lockern Sonderseiten zu Themen wie zum Beispiel Religion, Sprache, Handel, Familie, Staat und Landwirtschaft die Reise durch die Jahrhunderte auf und werden durch Steckbriefe zu bekannten bzw. interessanten Personen ergänzt. Der bekannteste Etrusker war wohl Gaius Cilnius Maecenas, der wohlhabende Adlige aus Arezzo, der als Freund und Berater des Kaiser Augustus zum Kunstförderer wurde. Noch heute steht sein Name stellvertretend für alle, die ohne eine Gegenleistung zu erwarten, finanzielle Mittel zur Verfügung stellen und somit zum Beispiel Künstler oder gemeinnützige Institutionen unterstützen.

Friederike Bubenheimer-Erharts prächtiger und umfassender Band über die Etrusker wird von einem Literaturverzeichnis und einer Liste von Museen mit etruskischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum abgerundet. Als Leser, der nicht über allzu fundierte Kenntnisse über die Antike und die dazugehörigen Fachtermini verfügt, könnte man sich ein Glossar wünschen, das einige der immer wieder verwendeten Begriffe kurz erklärt. Abgesehen von diesem eher unwesentlichen Manko liefert "Die Etrusker" ein umfassendes Angebot an Informationen über ein Volk, das häufig im Schatten der "großen Römer" steht und doch eigentlich viele Spuren in unserer Kultur hinterlassen hat und deshalb zu Recht als eines der größten Kulturvölker der Antike gilt.

Sabine Mahnel
15.12.2014

 
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Das Buch:

Friederike Bubenheimer-Erhart:
Die Etrusker

Bild: Buchcover Friederike Bubenheimer-Erhart: Die Etrusker

Darmstadt: Verlag Philipp von Zabern 2014
191 S., € 49,95
ISBN: 978-3-8053-4805-8

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