Wissenschaften

Eine Frage des Glaubens

Seit wenigen Wochen ist eine der bedeutendsten Reliquien der Christenheit wieder öffentlich zu bestaunen. Anfang Mai begab sich Papst Benedikt XVI persönlich in die Johannes-Basilika von Turin, um dort dem 4,36 m langen und 1,10 m breiten Leinentuch seine Aufwartung zu machen, in dem Jesus Christus nach seinem Tod am Kreuz vermeintlich zur letzten Ruhe gebettet worden war. "Das Grabtuch von Turin" fasziniert seit nunmehr fast zwei Jahrtausenden gläubige Laien und skeptische Wissenschaftler, Paul Badde hat es jetzt zum Hauptgegenstand seines gleichnamigen Buches gemacht.

Die Stoffbahn mit den Umrissen eines Mannes, dessen Statur und Züge unverkennbar mit denen des gekreuzigten Jesus von Nazareth übereinstimmen, ist das wohl am gründlichsten untersuchte Textilstück der Welt. Trotz allem, was man bisher angestellt hat, um seine Authentizität zu beweisen oder zu widerlegen, ist man ihm noch nicht auf die Spur gekommen. Das Grabtuch von Turin ist und bleibt eine Frage des Glaubens. Und das möchte Paul Badde auch gar nicht ändern. Er fragt mit seinem Buch lediglich, was wäre, wenn das Tuch wirklich echt ist, und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die er tatsächlich gemacht hat.

Dabei lässt der Autor viele Bilder sprechen, die das, was er zu sagen und das Turiner Grabtuch zu erzählen hat, auf beeindruckende Art und Weise untermalen. Paul Baddes Ausführungen sind recht subjektiv gehalten. Aber das kann bei der Thematisierung einer Frage, die mit dem Kernpunkt des christlichen Glaubens, nämlich der Auferstehung Christi von den Toten, in so engem Zusammenhang steht, auch gar nicht anders sein. Badde hat über die Jahre hinweg, wie es scheint, ein sehr enges Verhältnis zu diesem Heiligtum aufgebaut und so sind seine Schilderungen auch sehr persönlich ausgefallen, sodass vor allem die Beschreibung des prominenten Toten, der einst darin eingewickelt wurde, mit all seinen Wunden echte Beklommenheit und Betroffenheit hervorruft.

Paul Badde lässt also das Grabtuch für sich selbst sprechen und führt die vier Evangelisten und die Geschichte an sich als Augenzeugen ins Feld, wenn er die Odyssee der Reliquie von Jerusalem bis nach Italien über die Jahrtausende hinweg darlegt. Ganz besonderen Wert misst er dem Schweißtuch Christi aus feinster Muschelseide bei, welches das große Leinentuch zum Faszinosum der Auferstehung ergänzt. Es zeigt nicht den geschundenen Leib des gemarterten und ans Kreuz geschlagenen Jesus, sondern das barmherzige Antlitz des Auferstandenen, der den Tod auf ewig besiegt hat. So betont der Autor die unbedingte Zusammengehörigkeit der beiden Reliquien in ihrer Widersprüchlichkeit und demonstriert auf imposante Art und Weise aus seiner inneren Anschauung heraus deren Bedeutung als - wie er es treffend bezeichnet - "Geschenk zur Glaubenshilfe".

Christian Götz 
14.06.2010

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Paul Badde:
Das Grabtuch von Turin oder Das Geheimnis der Heiligen Bilder

Bild: Buchcover Paul Badde, Das Grabtuch von Turin oder Das Geheimnis der Heiligen Bilder

München: Pattloch Verlag 2010
160 S., € 22,00
ISBN: 978-3-629-02261-5

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.