Wissenschaften

"Uns ist in alten mren wunders vil geseit"

Es entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und wird oft als "Nationalepos der Deutschen" bezeichnet. Die Rede ist vom "Nibelungenlied", das die Geschichte von Kriemhilds Liebe zu Siegfried und ihrer Rache nach seinem grausamen Tod erzählt. Nach seiner Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert erfuhr das mittelalterliche Heldenepos zahlreiche literarische Bearbeitungen, Verfilmungen und musikalische Inszenierungen. So gelangte das Epos nicht nur in den Deutschunterricht und die Hörsäle von Germanisten, sondern auch ins heimische Wohnzimmer. Unterhaltsame Lektüre ist aber nur die eine Seite, die das "Nibelungenlied" bietet, historische Wahrheit und sachliche Wissenschaftlichkeit die andere. Joachim Heinzle bietet mit "Die Nibelungen" dem Leser nun die geeignete Grundlage, die ihm einen etwas anderen Zugang zu einer der ersten Sagen der deutschen Literatur verschafft.

Heinzle betrachtet in acht Kapitel eingehend das "Nibelungenlied" und öffnet dem Leser einen Stoff, der von Legenden und Mythen umrankt ist. Dabei bewegt er sich mal auf klassischen, mal auf unkonventionellen modernen Pfaden, die den Ursprung der Sage, die Entstehung und Überlieferung des "Nibelungenliedes" und dessen Welten genauer untersuchen. Die Grundlage zur Analyse legt Heinzle mit einer Art Inhaltsangabe, die die 39 Aventüren auf lediglich fünf Seiten festhält. Auf diese Weise eröffnet sich dem Leser eine alte Welt, die längst vergangen ist und doch stets gegenwärtig scheint. Anschließend geht Heinzle in die Tiefe, in dem er die historischen Wurzeln des Epos ausforscht, der Spur zu den Anfängen folgt, dem Verfasser nachforscht und den Stufen seiner Entstehung nachspürt. Am Ende seiner Betrachtung unternimmt Heinzle eine weitere Reise, von der Wiederentdeckung des "Nibelungenliedes" am 29. Juni 1755 bis zu seinem "Missbrauch" bei den Nationalsozialisten in den 1930er und 40er Jahren. Damit gestaltet sich das vorliegende Buch wie ein "Rundumschlag", der sich einem der ältesten Zeugnisse deutscher Literatur widmet.

Mit "Wissen im Quadrat" begründet der Darmstädter Primus Verlag eine neue Reihe, die im Nu zum Kassenschlager werden könnte. Joachim Heinzles "Die Nibelungen" ist der beste Beweis für das Konzept, Wissen kompakt und im handlichen Format zu vermitteln und seine Leser für ein berühmtes Werk zu begeistern. Wie das? Wofür Literaturwissenschaftler 300 Seiten und mehr brauchen, gelingt Heinzle auf nur 96 Seiten: Kurz und klar legt er die Grundlagen zum "Nibelungenlied" und liefert in Kastentexten aufschlussreiche Zusatzinformationen zu Sachbegriffen und Personen. Großformatige Illustrationen untermauern die Geschichte um Siegfried und Kriemhild und verleihen dem vorliegenden Buch eine persönlichere Atmosphäre. So gestaltet sich "Die Nibelungen" zu einem wissenschaftlichen Werk mit Unterhaltungsfaktor.

Susann Fleischer
25.05.2010

 
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Das Buch:

Joachim Heinzle: Die Nibelungen

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Darmstadt: Primus Verlag 2010
96 S., 14,95
ISBN: 978-3-89678-824-5

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