Wissenschaften

Die Welt in 150 Seiten verpackt

Es ist schon ein starkes und vor allem kompaktes St?ck, was der Physiker Klaus Geide mit seinem 2009 erschienenen Buch auf den Tisch legt. Denn sein Werk erkl?rt auf 150 Seiten nichts anderes als die Welt im Kleinen und im Gro?en. Als Titel wurde die Frage "Warum gibt es Sterne am Himmel?" unter vielen anderen Fragen aufgegriffen. Damit wird gleich zweierlei deutlich: H?chst komplexe Sachverhalte werden erstens h?ufig mit banalen Fragen "ber?hrt", und zweitens hat Physik ihre attraktiv sinnliche Seite - gl?cklicherweise. 

Der Autor ist nach intensiver Berufsaus?bung pensioniert, das gew?hrte ihm die n?tige Zeit, seine Kenntnisse auf den Punkt zu bringen. Diese gedruckte Pr?sentation der Dinge, wie sie nun einmal die Welt bestimmen, beginnt mit dem Heranzoomen des Allerkleinsten. Hier ist nicht nur von Atomen und Molek?len die Rede, sondern auch von "Symmetriebeziehungen", Kraftfeldern und sogenannten Quarks. Klaus Geide f?hrt dabei mit sicherer Sprache durch den nicht ganz leichten Stoff, den man wohl nur dann richtig aufnehmen kann, wenn man die geh?rige Portion Neugier mitbringt. Naturwissenschaftliches Grundwissen etwa aus der eigenen Zeit vor dem Abitur wird sicher die Aufnahme unterst?tzen, aber Geide will im Prinzip nichts voraussetzen, wenn er die Welt erkl?rt. Nur: man muss ernsthaft dabei bleiben, wenn er seine inhaltlichen Schritte setzt, didaktisch geschickt, plastisch und sinnenf?llig. Es liegt in der Natur der Thematik, dass immer auch einzelne Forscher, unter ihnen viele Nobelpreistr?ger, ins Zentrum der Aufmerksamkeit r?cken. 

Vom Aufbau der Materie zum Universum, vom Kleinsten zum Gr??ten, zum Kosmos. In diesem zweiten Grundlagenkapitel wird die Relativit?tstheorie erl?utert und vieles andere mehr. Der Urknall: Wie kam es dazu? Was war vorher? Was ergab sich nach dem gro?en Welt-Event? Sterne entstehen, Sternenlicht erlischt. Ein drittes Kapitel holt aus der Weltraumforschung das heraus, was f?r das Verst?ndnis des "Weltaufbaus", wie man laienhaft mechanisch sagen m?chte, unverzichtbar n?tig ist. 

Sein H?chstniveau erreicht das Buch mit der "Suche nach der Weltformel", die von der Unvereinbarkeit der Relativit?tstheorie mit der Quantentheorie ausgeht und zwei L?sungsans?tzen nachgeht: der Stringtheorie und der Loop-Quantengravitation. Hier lesen sich so wunderbare S?tze wie: "Das hier vorgeschlagene Modell ist nichts weiter als ein in alle Ewigkeit ablaufender zyklischer Vorgang einer atmenden Welt, die sich abwechselnd aufbl?ht und zusammenzieht." Und, noch weiter ausgreifend: " ... dass die Zeit kein Zeitpfeil ist, der von der Vergangenheit ?ber die Gegenwart linear in die Zukunft weist, sondern als Zeitschleife betrachtet werden muss, die ebenso wie ein Kreis weder einen Anfang noch ein Ende kennt." Da steckt man doch bereits in der Philosophie? Oder in der Dichtung? 

Zu den 150 Seiten Hauptstoff steuert der Autor mehrere Hilfen bei: eine verbl?ffende Zeittafel, ein absicherndes Glossar, ein Verzeichnis vertiefender Literatur sowie ein knappes Sach- und Personenverzeichnis. 

Mit dem handlichen Buch "Warum gibt es Sterne am Himmel?" ist Klaus Geide wahrhaftig ein Kunstwerk gelungen, das umso mehr z?hlt, als es den neuesten Stand der Erkenntnisse widerspiegelt. Das Werk f?hrt Lichtjahre ?ber Adam und Eva hinaus - welch abenteuerliche Lekt?re f?r jeden, der seine Augen offenh?lt. Was f?r ein neuer Blick hinauf zum Sternenhimmel...

Ronald Roggen
04.01.2010 

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier: 
http://autoren-tv.de/vorschaltseiten/geide_intro.html

 
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Das Buch:

Klaus Geide: Warum gibt es Sterne am Himmel?

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
180 S., 16,80
ISBN 978-3-8372-0510-7

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