Wissenschaften

Goethes Tätigkeit als Minister und die weit reichenden Folgen

Der Bergbau im 18. Jahrhundert war in Ilmenau, einer Stadt am Rande des Thüringer Waldes, sehr bedeutsam, hier wurden Kupfer, Silber und Mangan abgebaut. Doch verhinderten immerwiederkehrende Wassereinbrüche einen Erfolg der Bergleute. Aus diesem Grunde wurden die Stollen geschlossen und es gab keine Arbeit mehr. Schließlich erhielt Johann Wolfgang von Goethe 1776 von Herzog Carl August den Auftrag, die verfallenen Bergwerksanlagen zu besichtigen, mit dem Ziel einer Wiederbelebung des Bergbaus - mit dem Hintergedanken, dem Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach Wohlstand zu ermöglichen. In dem Buch "'Geheimnißvoll offenbar'. Goethe im Berg" beschäftigt sich die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Sigrid Damm intensiv mit diesem Unternehmen Goethes, das sich in drei Phasen unterteilen lässt.

Goethe war anfangs sehr angetan von den Möglichkeiten des Bergbaus. Er setzte sich mit Herzblut dafür ein, dass der Bergbau in Ilmenau wieder aufgenommen werden konnte. Innerhalb kürzester Zeit sollten sich, nach Goethes Planung, Erfolge einstellen und sich die Unkosten bald in Gewinne umwandeln. Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass Goethe als Zugpferd notwendig war, denn die finanziellen Mittel des Herzogtums waren recht schnell erschöpft und Gelder Dritter wurden benötigt. Eine Wende sollte nun die Gründung einer Gewerkschaft bringen, in die man eintreten konnte, sobald man so genannte "Kuxe", also Anteile an einem Bergwerk, erworben hatte. Goethe konnte schnell erste Erfolge verbuchen: Über 1000 Kuxe wurden vergeben. Bis Ende 1785 war Goethe mit Herzblut bei der Sache, bis sich die Probleme schließlich häuften und seine Leidenschaft langsam abglühte.

In den Jahren von 1786 bis 1796 wurde das Bergwerk hauptsächlich von Goethes Stellvertreter Christian Gottlob von Voigt geführt. Denn Goethe befand sich unter anderem für zwei Jahre in Italien und begleitete Carl August nach Schlesien, Frankreich und Mainz. Doch hatte er Ilmenau immer im Blick. Er hoffte nach wie vor auf Erfolge, auch wenn die Ergebnisse des Projektes "Ilmenauer Bergwerk" dagegen sprachen.

In der dritten Phase von 1796 bis 1813/14 reiste Goethe für 17 lange Jahre nicht mehr in die thüringische Stadt. Er hatte alle Hoffnungen auf einen Erfolg aufgegeben. In diesem Zeitraum übernahm sein einstiger Stellvertreter von Voigt die Leitung und somit die Verantwortung. An dieser Stelle zeigte sich, dass Goethe gescheitert war.

Die Autorin Sigrid Damm zeigt in diesem Buch auf, dass in manchen literarischen Werken Goethes, wie dem Gedicht "Harzreise im Winter" und in den beiden Teilen des "Faust", der deutsche Genius seine Niederlage als Minister verarbeitet hat. Mehrmals verwendet Goethe die beiden Begriffe "geheimnißvoll" und "offenbar" nebeneinander, sodass ein scheinbarer Widerspruch, ein Oxymoron, entsteht. Damit drückt der Schriftsteller sein Verhältnis zur Natur aus.

Sigrid Damms theoretische Erkenntnisse über den Ilmenauer Bergbau unter Goethes Leitung, werden von den zweiseitigen Illustrationen ihres Sohnes Hamster Damm begleitet. Sie stellen einen Kontrast zu Goethes Zeit dar. Denn diese Bilder sind eher in einem abstrakten Stil gezeichnet und wirken somit der klassischen Form entgegen. Sie haben eine leicht futuristische Ausstrahlung, doch vermögen sie es, den Text von Sigrid Damm eindrucksvoll zu unterstützen. Sie zeigen den inneren Konflikt und Wandel Goethes auf. Zudem drücken sie das Scheitern des Bergbaus in Ilmenau aus, ohne jedoch eine Bewertung zu geben. Mit den Illustrationen, bei denen es sich um Acrylmalereien handelt, wird das Buch gekonnt abgerundet.

Um dem Menschen Goethe näher zu kommen und seinen Einfluss in der damaligen Zeit zu erkennen, bietet dieses Buch eine hervorragende Gelegenheit. Enthält es doch eine Originalrede Goethes zu den Bergleuten und Gewerkschaftern. Und ganz nebenbei erhält der Rezipient eine kleine Einführung in den Bergbau und erfährt etwas über das damalige schwierige Leben.

Susann Fleischer
04.05.2009

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Sigrid Damm:
"Geheimnißvoll offenbar". Goethe im Berg. Mit Illustrationen von Hamster Damm

Bild: Buchcover Sigrid Damm, "Geheimnißvoll offenbar". Goethe im Berg

Frankfurt am Main: Insel Verlag 2009
123 S., € 34,00
ISBN: 978-3-458-17443-1

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.