Wissenschaften

Ein Krimi im Namen Gottes

In mehreren Bänden legt Karlheinz Deschner ein umfassendes kirchenkritisches Werk vor. Der erste Band beschäftigt sich mit der frühen Kirche bis ins 5. Jahrhundert nach Christus und beginnt mit den biblischen Überlieferungen des Alten Testaments.Der erste Teil des Buches  beginnt mit einer Untersuchung der Landnahme Kanaans durch die Israeliten. Deschner zeigt schnell und verständlich auf, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Was im Namen Gottes schon im 13. Jahrhundert angerichtet wurde, wird beim Lesen dieses Teils schnell klar und auch relativ schnell abgehandelt.

Nach dieser Einführung beginnt Deschner die ersten Jahrhunderte der jungen Kirche, beginnend mit der Entstehung des Christentums, und den Übergang zur römischen Staatsreligion zu beschreiben. Besonders der aufkeimende Kampf gegen das Judentum wird hier ausdrücklich erklärt und für jeden, der sich fragt, wann denn eigentlich dieser jahrhundertealte Hass auf dieses Volk seine Wurzeln schlug und wo seine Gründe liegen, bekommt in diesem gesonderten Kapitel eine gute Erklärung und Antwort. Gleichzeitig ist es schockierend, dass er ausgerechnet aus einer Religion heraus entstand und immer weiter instrumentalisiert wurde.

Im weiteren Verlauf des Buches erklärt Deschner den Unterschied zwischen Ketzern und Heiden und wie schon in der frühen Bewegung gegen solche vorgegangen wurde - Christen gegen Christen. Dabei nutzt Deschner zahlreiche Quellen aus der damaligen Zeit von frühen Kirchenvätern, wie Eusebius, Origenes und vielen anderen, um aufzuzeigen, wie doppelzüngig und widersprüchlich sich Glaube und Lehre damals verhielten.Dies zeigt er dann noch deutlicher auf, wenn es in die konstantinische Zeit übergeht und nun auch die Politik ins Spiel kommt. Die damit verbundene Entstehung der katholischen Kirche und der politische Einfluß durch den von kirchlichen Quellen hochgelobten Kaiser Konstantin bringt die Vollendung der Doppelmoral. Deschner hält sich sehr stark an die Details der vorliegenden Quellen aus dieser Zeit und man hat das Gefühl, dass er nichts auslässt. Schon der erste Band ist also ein umfangreiches und lehrreiches Werk, dem es an nichts fehlt, sodass man mit Spannung an den zweiten Band gehen will.

Holger Martinez
06.10.2008

 
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Das Buch:

Karlheinz Deschner:
Kriminalgeschichte des Christentums - Band 1: Die Frühzeit

Bild: Buchcover Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1996
533 S., € 12,90
ISBN: 3-499-19969-6

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