Wissenschaften

Eines der groen Sachbuchhighlights 2019

"Europa", verkündete Angela Merkel 2007 in Berlin, "ist viel mehr als Milchkühe und die Chemikalienrichtlinie." Zweifellos verbindet die Landmassen vom nördlichen Skandinavien bis zum südlichen Italien mehr als ein gemeinsamer Name. Aber die Fragen, was Europa, wer Europäer und was europäisch ist, sind heute so umstritten wie selten zuvor. In "Europa - Die ersten 100 Millionen Jahre" geht Tim Flannery zurück bis zu den Ursprüngen des Kontinents. Vor rund 100 Millionen Jahren entwickelte sich auf der Inselgruppe, die später unseren Erdteil formen sollte, erstmals eine Region mit eigenen Arten. Seitdem ist Europa Schauplatz steter Veränderung, ein Schmelztiegel für Spezies jeder Herkunft.

Von der Entstehung der ersten Korallenriffe über die Ära, als noch riesige Elefanten durch die Wälder zogen, führt uns Flannery durch die Jahrtausende bis ins moderne Zeitalter, in dem der Mensch seine Umwelt mindestens ebenso sehr prägt wie diese ihn. Er erzählt von den oft exzentrischen Forschern, denen wir unser heutiges Wissen verdanken, von ihren abenteuerlichen Erkundungen und spektakulären Entdeckungen. Dabei verwebt er Natur- und Kulturgeschichte zu einer Erzählung darüber, wer wir sind und woher wir kommen - eine Erzählung, die so einzigartig ist wie Europa selbst.

In vier Themenbereichen ("Der tropische Archipel", "Der Kontinent entsteht", "Das Eiszeitalter" und "Das Europa des Menschen") mit neun bis 13 Kapiteln wird versucht, die drei wichtigsten Fragen zu beantworten: 
- Wie ist Europa entstanden? 
- Wie wurde seine außergewöhnliche Geschichte erforscht? 
- Und warum wurde Europa in der Welt so wichtig? 
Auf 380 Buchseiten wird man hier fündig. Flannery versteht es aufs Grandioseste, den Leser zu unterhalten: aufschlussreich, spannend und amüsant. Dank des australischen Biologen und Zoologen wird ein Sachbuch zu einer fesselnden Lektüre mit "Wow!"-Effekt. Sein Wissen bringt einen zum Staunen, begeistert den interessierten Leser über alle Maßen. Solch ein Clou gelingt nur den wenigsten. Flannery ist ein Genius unter den veröffentlichten (Populär-)Wissenschaftlern der letzten Jahre.

Sachliteratur, die einen glatt umhaut - "Europa - Die ersten 100 Millionen Jahre" lohnt definitiv eine Entdeckung. Denn was Tim Flannery schreibt, ist absolut preiswürdig. Seine Veröffentlichungen sind wissenschaftlich höchst wertvoll, aber auch ziemlich unterhaltsam. Noch Stunden nach dem letzten Satz steht einem der Mund über all die vielen Informationen offen. Das vorliegende Werk liest sich spannender als jeder Historienroman. Definitiv ein ganz weiter Wurf, sogar ein Geniestreich unter den Sachbüchern der letzten Jahre. Solch ein Highlight bringt einen um den Schlaf. Es fesselt und berauscht noch genialer als Drogen. Ohne jeden Zweifel: Das gehört unbedingt in jedes Bücherregal!

Die Financial Times bezeichnet Tim Flannery als "eine Mischung aus Indiana Jones und Charles Darwin". Und das ist er tatsächlich! Der Beweis: "Europa - Die ersten 100 Millionen Jahre". Hier erfährt man Sachliteratur mit großem Unterhaltungs- und noch größerem Wissensmehrwert. Nach der Lektüre fühlt man sich um einiges schlauer. Das kann man sonst nur noch von den "Geschichten" eines Yuval Noah Harari behaupten.

Susann Fleischer 
23.12.2019

 
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Das Buch:

Tim Flannery: Europa - Die ersten 100 Millionen Jahre. Aus dem Englischen von Frank Lachmann

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Berlin: Insel Verlag 2019 380 S., 28,00 ISBN: 978-3-458-17822-4

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