Hörbücher

Beim Franz dahoam

Alles Protestieren war vergeblich: Niederkaltenkirchen hat sein Luxus-Hotel bekommen. Der neu gebaute Wellness-Tempel "Heimatwinkel" spaltet jedoch weiterhin die Bevölkerung. Während die einen vom florierenden Tourismus und den Aufträgen rundherum profitieren, ist den anderen das Spa weiterhin ein Dorn im Auge. Einem Herrn jedoch ist dieser Disput völlig gleich, er liegt nämlich in der Badewanne eines Hotelzimmers, und zwar tot. Natürlich ein Fall für Franz Eberhofer, den gestählten Dorfpolizisten Niederkaltenkirchens, aber bitteschön mit allerhöchster Diskretion! Franz möge erstmal ganz dezent und geräuschlos ermitteln. Dazu wird die Leiche klammheimlich entsorgt, schließlich möchte man nicht viel Aufhebens machen und das neue Pflänzlein in seinem Wachstum nicht unnötig stören.

Eberhofer weiß für derartige Ermittlungen natürlich auch gleich den richtigen Handlanger auf seiner Seite. Wer würde sich für private Investigationen aller Art besser eignen als der Birkenberger Rudi? Dieser schleust sich sogleich im Rahmen eines im "Heimatwinkel" stattfindenden Esoterik-Seminars in das Hotel ein, um den Tod des Mannes aufzuklären, der als Mitarbeiter einer Baufirma am Hotelbau beteiligt und im Zuge eines "Incentives" dort zu Gast war. In den Fokus der Ermittlungen geraten allerdings mit dem Heizungspfuscher Flözinger, dem Wolfi und dem Metzger Simmerl rasch auch einige Spezl‘n vom Franz, da diese beim großen Geldverteilen rund ums Hotel auch ihren Anteil abhaben wollen und sich daraus problemlos mögliche Tatmotive konstruieren lassen. Ansonsten ist der Eberhofer Franz allerbester Laune, da sich die zwischenzeitlich abgekühlte Beziehung zu seiner Susi gerade wieder stabilisiert und es sogar zu aktiven Versuchen kommt, dem Sohnemann ein Geschwisterchen zur Seite zu stellen.

"Weißwurstconnection", die Nennung des Titels genügt, um sofort zu wissen, wer hier wieder die Bühne betritt. Rita Falk hat sich mit ihrer Eberhofer-Reihe unter den Regionalkrimi-Autoren einen Namen gemacht und lässt dank der originellen Betitelung jeweils schon bei der Ankündigung eines neuen Falles die Mundwinkel ihrer Fans vergnügt zucken. Mit "Winterkartoffelknödel" begann im Jahre 2010 die Erfolgsstory um das Niederkaltenkirchener Original Franz Eberhofer. Seitdem lässt die Autorin jährlich einen neuen Fall vom Stapel, das vorliegende Werk bildet mittlerweile die Nummer Acht in der Reihe. Mit dem darin nun geöffneten "Heimatwinkel" hat sie über die letzten Folgen hinweg auch eine übergeordnete Handlung installiert, die ein wenig kaschierte, dass die eigentlichen "Kriminalfälle" als solche kaum noch erwähnenswert waren.

Man mag sich ernsthaft fragen, was denn nun das Erfolgsrezept des Duos Falk/Eberhofer ist? Viele Kritiker werfen der Reihe vor, sich in Wiederholungen zu üben, den Fokus auf den jeweiligen Haupthandlungsstrang, sprich die Ermittlungen, aus den Augen verloren zu haben und so weiter und so fort. Doch macht sich in den Stunden, in denen man sich dem neuesten Eberhofer-Roman widmet, immer wieder ein wunderbares Gefühl breit, nämlich dann, wenn im Hause Eberhofer die Oma regiert und für geordnete Verhältnisse sorgt, wenn der Franz mit seinen Kumpanen in der Kneipe sich über die alltäglichen Kleinigkeiten des Lebens den Kopf zerbricht, sprich die Welt einfach noch in Ordnung ist. Um dies schließlich so richtig prominent zu machen, stellt Rita Falk dieser Idylle quasi als Kontrapunkt die Untaten übler Gesellen gegenüber, ohne diesen allerdings unnötig viel Raum zu geben.

Die vorliegende ungekürzte Hörbuchausgabe ist darüber hinaus dank der grandiosen Performance von Christian Tramitz als Sprecher wieder einmal ein Kracher. Tramitz ist Eberhofer, dem wird keiner der begeisterten Hörer widersprechen. Fast achteinhalb Stunden lang unterhält einen die Lesung auf gleichbleibendem Niveau. Anders als beispielweise bei den ebenfalls in Bayern angesiedelten Kluftinger-Lesungen, wo die geistreichen Pointen punktuell herausstechen, verzichtet Rita Falk auf überspitzte Darstellungen und schafft eine durchgängige und realistische Schilderung vom Leben in einem bayrischen Provinznest, das als solches einfach unterhaltsam ist. Es ist davon auszugehen, dass die Autorin ihrem Erfolgsstil treu bleiben wird, da sie ob des reißenden Absatzes wenig Grund zur Veränderung hat. Der geneigte Leser sowie der Tramitz-verzauberte Hörer werden individuelle Entscheidungen zu treffen haben, ob sie dieser Kontinuität weiterhin die Stange halten möchten.

Christoph Mahnel
16.01.2017

 
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Das Buch:

Rita Falk:
Weißwurstconnection

Bild: Buchcover Rita Falk, Weißwurstconnection

Sprecher: Christian Tramitz
Berlin: Der Audio Verlag 2016
Spielzeit: 500 Min., € 19,99
ISBN: 978-3-862-31821-6

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