Hörbücher

Der Mensch, das gierige Wesen

Hendrik Busske übt seinen Beruf als Anlageberater recht lustlos aus. Eines Tages weilt er in Zürich, um dort für seinen Arbeitgeber ein Seminar über Anlagemöglichkeiten und -strategien zu geben. Zwischendurch vertreibt er sich die Zeit in einem Antiquariat und stößt dort rein zufällig auf ein Buch mit einer am Ende des 13. Jahrhunderts angesiedelten Geschichte, in der ein Alchemist namens John Scoro von einem Ritter aufgegriffen wird. Dieser entdeckt bei Scoro einen Stein, der ihn angeblich in die Lage versetzt, aus Quecksilber Gold herzustellen. Fortan lässt er Scoro im Dauerbetrieb Gold herstellen, bis nach kurzer Zeit - abgesehen von Scoro und dem Medicus des Ritters - alle beteiligten Personen verstorben sind. Die immense Strahlung des Steins trägt wohl Schuld daran. Busske ist fasziniert von dieser Geschichte und beginnt, sich derart für die Alchemie zu interessieren, dass er fortan seine Vorträge über die Mehrung von Reichtum amüsant und greifbar mit alchemistischen Parallelen und Weisheiten würzt.

Busske wird ein gemachter Mann, seine Seminare sind der absolute Renner. Ein Burgbesitzer, ebenfalls Hobby-Alchemist, wird auf ihn aufmerksam und bietet ihm generös an, zusammen mit seiner Familie die Burg zu beziehen. Der Austausch zwischen den beiden gewährt Busske immer tiefere Einblicke in die Geschichte der Alchemie, bis eines Tages im Fränkischen bei Erdarbeiten im Zuge einer Autobahnerweiterung eine goldene Rüstung entdeckt wird, die derjenigen zu entsprechen scheint, die John Scoro einst angefertigt hatte. Busske kann nicht glauben, welchem Geheimnis der Menschheitsgeschichte er hier auf die Spur gekommen zu sein scheint, so dass er sogar seinen ungeliebten Bruder, einen Physiker am CERN in Genf, in die Sache hineinzieht. Die beiden wandeln fortan auf gefährlichen Pfaden, denn die Möglichkeit, mit dem Stein der Weisen unedle Metalle in Gold zu verwandeln oder gar Unsterblichkeit zu erlangen, weckt natürlich Begehrlichkeiten, die die gierigen Interessenten mit aller Macht und Konsequenz verfolgen.

"Teufelsgold" ist die Umschreibung für das Gold, das Alchemisten mit dem Stein der Weisen aus unedlen Metallen gewinnen, und sogleich der Titel des neuesten Romans aus der Feder von Andreas Eschbach. Dem einst als Luft- und Raumfahrttechniker sowie als Softwareentwickler tätigen Eschbach ist es glücklicherweise gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts gelungen, sein Leben als Schriftsteller zu bestreiten. Mit seinem wissenschaftlichen Hintergrund fasziniert er seit jeher mit seinen Büchern, in denen er phantastische und mystische Elemente platziert und dem Wunsch des Menschen, sich über die Zeit hinwegsetzen zu können, freien Lauf lässt. Bestes Beispiel hierfür ist natürlich "Das Jesus-Video", mit dem er anno 1998 seinen ersten großen Erfolg feierte. "Teufelsgold" erinnert den kundigen Eschbach-Leser auch stark an dieses frühe Werk, da hier ebenfalls die Aussicht befeuert wird, dass sich Menschen über die Jahrhunderte hinweg die Hand reichen können.

Die vorliegende Hörbuch-Ausgabe firmiert als "bearbeite Fassung", was suggerieren möchte, dass die vorgenommenen Kürzungen mit Sinn und Verstand gemacht wurden. Dies kann hier durchaus bestätigt werden, denn während der gut neun Stunden Laufzeit hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Zensoren des Hörbuchs wichtige Passagen unter den Tisch haben fallen lassen. Dass der Konsum der gesprochenen Ausgabe von "Teufelsgold" wärmstens empfohlen werden kann, liegt aber auch am Sprecher des Hörbuchs. Der Schauspieler Matthias Koeberlin bekleidete einst seine erste größere Hauptrolle in der Verfilmung von Eschbachs "Das Jesus-Video" und liest seit einiger Zeit die Hörbücher für den Autor ein, so auch die Fortsetzung "Der Jesus-Deal" und nun schließlich "Teufelsgold". Koeberlin überzeugt mit einer stimmlichen Vielfalt und lässt die unterschiedlichen Charaktere aus den verschiedenen Jahrhunderten lebendig werden.

Eschbachs neuestem Werk liegt wieder einmal ein genialer Plot zugrunde. Das Faszinosum Alchemie mit dem sagenumwobenen Stein der Weisen hat scheinbar nur darauf gewartet, um von Eschbach in einem Buch thematisiert zu werden. Leider lässt die handwerkliche Umsetzung des Werks im Verlauf der Geschichte ein wenig zu wünschen übrig, da Eschbach es tatsächlich zulässt, dass Leser und Hörer zwischendurch einmal den vor Erstaunen geöffneten Mund schließen können. Auch kommt das Ende etwas plötzlich und unausgereift daher. Fans von Eschbachs Büchern werden jedoch nicht umhin kommen, diese farbenfrohe Reise durch die Jahrhunderte Seite an Seite mit den Rittern des Deutschordens zu beschreiten. Schließlich hat der Autor die Messlatte für seine Bücher selbst in einer maximalen Höhe platziert, die er naturgemäß nicht mit jedem Werk überspringen kann.

Christoph Mahnel
24.10.2016

 
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Das Buch:

Andreas Eschbach:
Teufelsgold

Bild: Buchcover Andreas Eschbach, Teufelsgold

Sprecher: Matthias Koeberlin
Köln: Lübbe Audio 2016
Spielzeit: 553 Min., € 17,99
ISBN: 978-3-785-75351-4

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