Hörbücher

Letzter Roman Fontanes in Komplettlesung

Der verwitwete Dubslav von Stechlin, Major a. D., lebt alleine auf Schloss Stechlin im Ruppiner Land. Der angrenzende Große Stechlin, einer der Seen der Mecklenburgischen Seenplatte, ist nicht nur namensgebend für das Adelsgeschlecht der von Stechlin, sondern prägt sein Umland und die Menschen, die dort leben, noch auf eine ganz andere Weise: Bebt irgendwo auf der Welt die Erde oder bricht ein Vulkan aus, schießt eine Fontäne aus dem See; und geschieht gar etwas "Großes", so steigt ein roter Hahn aus den Tiefen des Stechlin empor.

Eines Tages bekommt der alte Stechlin Besuch von seinem Sohn Woldemar, einem Gardeoffizier, und dessen Freunden, dem Ministerialassessor Rex und dem Hauptmann Czako. Während ihres Besuchs finden sich weitere Freunde der Stechlins auf dem Herrenhaus ein. In munterer Runde schwadroniert der Herr des Hauses mit seinen Gästen über Gott und die Welt. So ist das sozialdemokratische Gedankengut von Pastor Lorenzen genauso Thema wie die Vermählung Woldemars, der von seinem Vater eindringlich um eine baldige Entscheidung gebeten wird.

Bevor Woldemar wieder nach Berlin zurückkehrt, besuchen er und seine Freunde ebenfalls die Schwester des alten Stechlin, die als Domina im nahegelegenen Kloster Wutz lebt. Wieder in Berlin macht Woldemar den Töchtern des Grafen Barby, Armgard und Melusine, seine Aufwartung. Nach einer Landpartie mit einem befreundeten Paar und den Barbys scheint Woldemar nicht mehr weit entfernt davon zu sein, der Bitte seines Vaters zu einer baldigen Vermählung nachzugeben. Auch der Vater hat indes Neuigkeiten zu vermelden. Er lässt sich als Reichstagskandidat für den Wahlkreis Rheinsberg-Wutz aufstellen, muss sich aber einem sozialdemokratischen Gegner geschlagen geben.

"Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht." Dies schrieb Theodor Fontane selbst über seinen letzten Roman "Der Stechlin", der 1898 kurz nach dem Tod seines Verfassers erschien. Und in der Tat ist sein letztes Werk nicht auf Spannung oder viele Handlungsstränge ausgelegt. Es lebt vielmehr von seinen Dialogen. Gespräche werden zuhauf geführt in "Der Stechlin"; Gespräche, die Aufschluss über die Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts geben, über eine Gesellschaft, die sich im Umbruch befunden hat.

In der Reihe "Große Werke. Große Stimmen" veröffentlicht "Der Audio Verlag" regelmäßig zumeist ungekürzte Lesungen großer Werke der Weltliteratur. Die vorliegende Lesung von "Der Stechlin" ist eine Produktion des Hessischen Rundfunks aus dem Jahre 1973, gelesen von dem 2002 verstorbenen Hans Paetsch, einem begnadeten Hörspiel- und Synchronsprecher, der aufgrund der Mitwirkung in vielen Produktionen für Kinder bald als "Märchenonkel der Nation" galt. Der in Buchform rund 500 Seiten umfassende Roman kommt als Lesung auf gut 14 Stunden, die bei diesem Hörbuch auf zwei MP3-CDs gepresst wurden. Die Komprimierung auf MP3-CDs ermöglicht es auch, sehr lange, ungekürzte Lesungen zu einem recht kleinen Preis herauszugeben. Mit "Der Stechlin" hat ein weiteres Highlight der deutschen Literatur Einzug gehalten in die Klassiker-Reihe des DAV, die hoffentlich noch lange fortgeführt werden wird.

Sabine Mahnel
18.04.2016

 
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Das Buch:

Theodor Fontane:
Der Stechlin

Bild: Buchcover Theodor Fontane, Der Stechlin

Sprecher: Hans Paetsch
Berlin: Der Audio Verlag 2016
Spieldauer: 2 mp3-CDs, 852 Min., € 9,99
ISBN: 978-3-86231-727-1

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