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Willkommen in Paranoia!

Am "President's Day" kann die ganze Menschheit weltweit und live mitverfolgen, wie der amerikanische Präsident von einer Drohne angegriffen wird. Hinter diesem Vorfall steckt die Online-Aktivistengruppe ZERO, die der Menschheit mit ihren zahlreichen Aktionen deutlich machen will, welchen Gefahren sie im digitalen Zeitalter ausgesetzt ist. Ständige Online-Verfügbarkeit und das bewusste wie auch unbewusste Hinterlassen von Daten befeuern den Weg hin zum gläsernen Menschen, was sich die Datensammler in unvorstellbaren Konstellationen gewinnbringend zu Nutze machen. In der Redaktion des "Daily" in London wird die diesbezüglich unbedarfte Journalistin Cynthia Bonsant auf ZERO und seine Taten aufmerksam.

Mit einer gläsernen Brille bestückt begibt sich Cynthia auf Erkundungen in eine Welt, die ihr bis dato völlig fremd war. Zunächst begegnen ihr scheinbar nur Vorteile, die "Google Glasses" seinem Besitzer bringen. Doch nach zahlreichen Gesprächen und dank tiefergehender Überlegungen wird ihr rasch klar, welches Potential und welche Gefahr die Datentransparenz für jedes einzelne Individuum mit sich bringt. Als Cynthias Tochter Viola sich die Datenbrille ausleiht und mit ihren Freunden loszieht, geschieht das große Unglück. Violas Freund Adam wird bei einer Verfolgungsjagd erschossen, nachdem die Jugendlichen mit ihren Brillen eine Person entdeckt hatten, die sich nicht per Brille hatte identifizieren lassen.

Marc Elsberg legt mit seinem zweiten Thriller "ZERO – Sie wissen, was du tust" ein Werk vor, das im Jahre 2014 wie eine Bombe einschlägt. Die Menschheit befindet sich gerade an einem epochalen Punkt, an dem die ständige Online-Präsenz und das Preisgeben von Informationen in sozialen Netzwerken bereits erlauben, jeden einzelnen Menschen perfekt zu durchleuchten. Sämtliche Szenarien, die vorstellbar erscheinen, werden sich bereits von Datensammlern zu Nutze gemacht. Neben allen erdenklichen Vorteilen, die die meisten Menschen sehen wollen, bringt dies eine perfekte Überwachung eines jeden einzelnen mit, die sich kein Mensch wünschen kann.

Dem österreichischen Schriftsteller gelingt es hervorragend, seine Recherche in der Welt der Möglichkeiten von Big Data in einen spannenden Thriller rund um den halben Globus zu packen. Bereits mit seinem ersten Thriller "Blackout" hatte er vor zwei Jahren seine Leser in Atem gehalten. Dort war es nicht um das weltweite Netz, sondern um das Stromnetz und unsere Abhängigkeit davon gegangen. Sowohl in "Blackout" als auch in "ZERO" weitet Elsberg das Bewusstsein seiner Leser für potentielle Gefahren, die die tolle neue Welt mit sich bringt. Um es mit "ZERO" zu sagen: Sämtliche Datenkraken müssen zerschlagen werden!

In "ZERO" führt die Spur schließlich zu einem Onlineanbieter namens "Freemee", der mit seinen Act Apps praktische Lebenshilfe gibt. Die Anwender müssen nur der Freigabe sämtlicher Daten wie Bewegungs- und Körperinformationen zustimmen und schon bekommen sie von den verschiedenen Apps zielgenaue Tipps, wie sie agieren und sich verhalten sollen, um beispielsweise Schulnoten zu verbessern oder ihr Objekt der Begierde zu erobern. Für viele Menschen sind die Aussichten einfach zu verlockend, so dass man der Datenfreigabe ohne weiteres Nachdenken per Mausklick zustimmt. Die Folgen für die einzelnen Anwender sind jedoch fatal, bedenkt man die Möglichkeiten und Einblicke, die sich dem Datensammler eröffnen.

Der bekannte und geschätzte Sprecher Steffen Groth konnte für die Lesung der vorliegenden ungekürzten Audio-Ausgabe von "ZERO" gewonnen werden. Dabei beweist Groth eine erstaunliche Ausdauerleistung. Die Lesung des knapp 500-Seiten-Buches erstreckt sich nämlich über mehr als 13 Stunden und zwei mp3-CDs. Die Entscheidung für eine ungekürzte Fassung erweist sich als Volltreffer, da Groth und die Vielzahl an Handlungssträngen und durchdachten Szenarien in "ZERO" den Hörer zu jeder Sekunde fesseln und ihm sukzessive die Augen öffnen.

Wenn man in diesem hochaktuellen Werk von Marc Elsberg einen kleinen Schwachpunkt ausmachen kann, dann sind es die dem Plot hinterherhinkenden Charaktere. Der Autor hat zwar einen hervorragenden Job bei der inhaltlichen Recherche gemacht und überzeugt mit der Darstellung einer unglaublichen Palette an Möglichkeiten, doch bei der Entwicklung der handelnden Personen hat er leider ein wenig geschludert. Sowohl Cynthia als auch die weiteren Darsteller bleiben durchweg blass und handeln bisweilen ein wenig unglaubwürdig. Doch eingedenk dieser Schwächen unterstreichen die nachhaltigen Eindrücke, die Leser und Hörer mitnehmen, umso mehr die Klasse der Story von "ZERO". Selten hat ein fiktiver Thriller so sehr nachgewirkt, wie es bei "ZERO" der Fall ist. Von nun an werden alle Leser und Hörer von Elsbergs neuestem Werk deutlich sorgsamer mit ihren Daten umgehen und sich sicherlich viel behutsamer im Internet bewegen.

Christoph Mahnel
07.07.2014

 
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Das Buch:

Marc Elsberg:
ZERO - Sie wissen, was du tust

Bild: Buchcover Marc Elsberg, ZERO - Sie wissen, was du tust

Sprecher: Steffen Groth
München: Random House Audio 2014
Spielzeit: 801 Min., €19,99
ISBN 978-3-837-12496-5

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