Hrbcher

Happy Birthday , Richard!

Er erblickte das Licht der Welt im Jahre 1813, dem Schicksalsjahr der Deutschen, das mit der V?lkerschlacht bei Leipzig seinen H?hepunkt erlebte. Er revolutionierte die Musik, indem er in seinen Werken Oper und Theater zusammenf?hrte. Seine Werke, aus denen "Tannh?user", "Lohengrin", "Tristan und Isolde", "Der Ring der Nibelungen" und "Parsifal" herausstechen, begeistern gut anderthalb Jahrhunderte sp?ter immer noch die Menschen. Die Rede ist nat?rlich von Richard Wagner, der die Musik des 19. Jahrhunderts pr?gte wie kein anderer in Deutschland.

Anl?sslich seines 200. Geburtstags in diesem Jahr haben der Piper Verlag Martin Gregor-Dellins Wagner-Biographie "Richard Wagner. Sein Leben - sein Werk - sein Jahrhundert" eine Neuausgabe im Taschenbuchformat und Osterwold Audio eine H?rbuchfassung dieses Werks herausgebracht. Gregor-Dellins Buch gilt seit seiner Erstver?ffentlichung im Jahre 1980 als Standardwerk zu Richard Wagner. Die Vertonung in Form der vorliegenden, leicht gek?rzten H?rbuchfassung erleichtert einem erheblich den Zugang zu diesem W?lzer, der mit seinen rund 900 Seiten doch gewisse Ber?hrungs?ngste mit sich bringt. 15 CDs hingegen k?nnen insbesondere bei einer Lesung durch Ulrich Noethen wie im Fluge vergehen.

Der Vortrag des renommierten Schauspielers schickt den Zuh?rer gleichsam auf eine Zeitreise mitten hinein in Wagners Jahrhundert. Aufgrund der hohen Detailtiefe ben?tigt man h?chste Aufmerksamkeit und einen Moment, um sich allm?hlich in das H?rbuch reinzuh?ren, bevor man sich auf eine sehr intensive Reise ?ber 70 Jahre hinweg begeben kann. Die Lesung erstreckt sich streng auf Wagners Leben, sie beginnt mit Wagners Geburt vor 200 Jahren in Leipzig und endet mit seinem Tod und seinen letzten Worten in Venedig ziemlich genau sieben Jahrzehnte sp?ter.

Gregor-Dellin leistet als Biograph gro?artige Arbeit, stellt Wagner in all seinen Facetten dar und macht auch nicht Halt vor den Schattenseiten des Genies. Da w?re zum einen der Revoluzzer Wagner, der w?hrend der turbulenten Ereignisse im Jahre 1848/49 gro?es Gl?ck hatte, nicht auf Jahre hinweg im Gef?ngnis zu versauern. Zum anderen ist da der Lebemann Wagner, der sich finanziell fortw?hrend im Minus bewegte und den seine Schulden nicht allzu sehr k?mmerten, es sei denn, dass er vor seinen Gl?ubigern die Flucht ergreifen musste. Wagner war von sich ?berzeugt und besa? ein Ego, das seine 1,66 m Lebensgr??e um ein Vielfaches ?berragte. Jedoch d?rfte ein solcher Charakter einem Genie nicht zum Nachteil gereichen. Auch spart Gregor-Dellin Wagners Fettn?pfchen nicht aus - dann n?mlich, wenn er seinen latenten Antisemitismus auslebte und dies auch noch in Schriften festhielt, die den gro?en K?nstler mehr als diskutabel erscheinen lassen.

Demgegen?ber steht ein Mann, der die Musikwelt im 19. Jahrhundert revolutionierte, der einen steinigen Weg gehen musste, aber stets davon ?berzeugt war, ihn exakt so beschreiten zu m?ssen. Wagner war wahrlich ein Genie, das begriff, dass seine Werke sein Leben ?berdauern werden. Um zum Ziel zu gelangen, musste er in seinem Leben eine wahre Odyssee erdulden. Seine Anstellungen f?hrten ihn durch halb Europa - von Leipzig ?ber Dresden bis nach Riga, Paris und Z?rich -, bis er schlussendlich seinen Platz in Bayreuth fand, das auch heute noch der Stammsitz der Familie Wagner ist.

In Noethens Lesung begegnet man nicht nur Wagner, sondern auch vielen anderen bedeutenden K?pfe seiner Zeit, mit denen sich Wagner umgab: Neben seinem "Edelfan" K?nig Ludwig II. von Bayern verband ihn ein freundschaftliches Verh?ltnis zu Franz Liszt und anderen Musikern seiner Zeit. Auch die Philosophen Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche widmeten sich den Werken Wagners und standen somit in engem Austausch mit dem Protagonisten des vorliegenden H?rbuchs, durch das sich wie ein roter Faden nat?rlich auch Wagners Liebschaften und die daraus resultierenden Eheprobleme mit seiner ersten Frau Minna ziehen. Seine zweite Frau Cosima hatte den K?nstler vielleicht auch ob des fortgeschrittenen Alters dann schon besser im Griff. Sie schenkte ihm neben zwei T?chtern auch den Stammhalter Siegfried, der mit seiner Frau Winifred ?ber weite Strecken des 20. Jahrhunderts die Geschicke in Bayreuth lenkte.

Das vorliegende H?rbuch ist wahrlich eine ?u?erst gelungene Hommage an den gro?en K?nstler im gegenw?rtigen Wagner-Jahr. Die Lesung von Ulrich Noethen ?ber gut 18,5 Stunden verdient nicht nur aufgrund des hohen Stehverm?gens des Sprechers alle Achtung. Das darin herrschende Aufkommen handelnder Personen ist nat?rlich immens. Es prasseln Unmengen von Namen und Beziehungen auf den H?rer ein, so dass es beinahe unm?glich ist, diese beim H?ren gedanklich zu sortieren und auseinander zu halten. Doch filtert das menschliche Hirn gl?cklicherweise schnell die wichtigen von den unwichtigen Wegstreitern Wagners heraus, was den H?rgenuss uneingeschr?nkt erlaubt. 

Die H?rbuch-Box gl?nzt durch eine gelungene Aufmachung: Die 15 CDs sind auf drei Klappboxen aus Pappe verteilt und in einem Schuber zusammengef?hrt. Zus?tzlich liefert ein kleines Booklet mit einer Zeittafel und erl?uternden Worten vom Produzenten Heinz-Dieter Sommer abrundende Informationen. Auf musikalische Einspielungen hat man bewusst verzichtet, um den Fokus uneingeschr?nkt auf Wagners Leben zu richten. Appetit auf Wagners Werke hat die Lesung Noethens bei jedem H?rer schon l?ngst geweckt.

Christoph Mahnel
11.03.2013

 
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Das Buch:

Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner. Sein Leben - sein Werk - sein Jahrhundert

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Sprecher: Ulrich Noethen
Hamburg: Osterwold Verlag 2013
Spielzeit: 1115 Min., 49,99
ISBN: 978-3-86952-154-1

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