Hrbcher

Eine scheiternde Heldin - neu bersetzt und neu vertont

Die junge Emma Rouault lebt zusammen mit ihrem Vater auf dem elterlichen Hof, als sie den verwitweten Landarzt Charles Bovary kennenlernt. W?hrend Charles die h?bsche Bauerstochter von Anfang an verg?ttert, verspricht Emma sich von der Heirat mit dem angesehenen Arzt einfach nur ein gesellschaftlich aufregenderes Leben. Bald muss sie jedoch erkennen, dass das Leben in der Provinz nicht die H?hepunkte f?r sie bereith?lt, die sie sich ertr?umt hat. Ein Umzug nach Yonville soll der kr?nklichen Emma eine Luftver?nderung bescheren. Ihr Gem?tszustand bessert sich jedoch auch in der neuen Heimat nicht. Doch lernt sie in dem kleinen Ort den Kanzlisten L?on kennen, mit dem sie das Interesse f?r Literatur und Musik teilt.

Die Geburt ihrer Tochter Berthe kann Emma auch nicht ?ber ihre Unzufriedenheit und ihre Depressionen hinweghelfen. Vielleicht kann dies aber die Aff?re, die sie mit dem reichen Grundbesitzer Rodolphe eingeht? Beide machen Pl?ne Yonville gemeinsam zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Als Rodolphe es sich jedoch anders ?berlegt, bricht f?r Emma eine Welt zusammen. Sie wird ernsthaft krank und erholt sich nur langsam. Eine erneute Begegnung mit L?on weckt jedoch ihre Lebensgeister. Ein weiteres Mal betr?gt sie ihren Ehemann - immer auf der Jagd nach etwas Besserem, nach etwas, das ihren seelischen Hunger stillen kann.

Ihre Aff?ren ruinieren nicht nur Emmas Ruf, sie bringen Emma zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Sie kauft teure Geschenke f?r ihre Geliebten und versucht ihre eigene Unzufriedenheit in Luxus zu ersticken. Die immer gr??er werdenden Schulden und die Verzweiflung, die sich in Emma breit zu machen beginnt, treiben sie immer weiter an den Rand des Abgrunds, der nicht nur f?r Emma selbst bedrohlich ist, sondern ihre gesamte Familie in den Ruin treiben soll.

Mit seinem Roman ?ber eine Frau, die an ihrem eigenen Verlangen und ihrer Umwelt scheitert, begr?ndete Gustave Flaubert 1857 den Realismus in Frankreich und legte den Grundstein f?r die Erz?hlkunst des 20. Jahrhunderts. Das "Sittenbild aus der Provinz" - so der Untertitel des Romans - war inspiriert von einem Zeitungsbericht ?ber den Selbstmord einer jungen Frau, den Flaubert gelesen hatte. Der Aufschrei in der damaligen Gesellschaft, den er mit "Madame Bovary" ausl?ste, sollte f?r den franz?sischen Schriftsteller in einem Prozess enden, in dem er der Unmoral angeklagt wurde.

Die gerade erschienene Neu?bersetzung von Elisabeth Edl, eine vielfach f?r ihre Leistungen ausgezeichnete ?bersetzerin, lieferte die Grundlage f?r die vorliegende, ungek?rzte Lesung durch den Schauspieler und H?rbuchsprecher Christian Br?ckner. Br?ckner gr?ndete 2000 zusammen mit seiner Frau Waltraut den H?rbuchverlag Parlando, der mit ausgew?hlten Lyrik- und Prosa-Lesungen - allesamt Sprechleistungen Br?ckners selbst - gl?nzt. Die Auszeichnung des gesamten Programms mit dem Deutschen H?rbuchpreis im Jahre 2005 war da nur eine logische Konsequenz. Auch Br?ckner pers?nlich wurde gerade mit dem Sonderpreis f?r sein Lebenswerk bedacht. Die 14-st?ndige Lesung des franz?sischen Klassikers "Madame Bovary" erg?nzt das Portfolio des Sprechers um ein weiteres Meisterwerk - meisterlich, da es Weltliteratur ist, und meisterlich, da Br?ckner ihm den richtigen "Ton" verleiht.

Obwohl die umfangreiche Lesung praktischerweise auf zwei mp3-CDs gebannt wurde und das H?rbuch deshalb nicht viel Platz im Regal einnimmt, wurde im Inneren der Papph?lle nicht mit Information gegeizt: Der wissbegierige H?rer findet im Booklet Infos zu Gustave Flaubert und seinem Prozess und einen Brief an George Sand. H?r- und Literaturvergn?gen dieser Art darf es gerne mehr geben!

Sabine Mahnel
29.10.2012

 
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Das Buch:

Gustave Flaubert: Madame Bovary. Aus dem Franzsischen von Elisabeth Edl

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Sprecher: Christian Brckner
Berlin: Parlando Verlag 2012
Spielzeit: 886 Min., 34,99
ISBN: 978-3-941004-38-2

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