Hörbücher

Ein paneuropäisches Schreckensszenario

Völlig unvermittelt bricht in ganz Europa das Stromnetz zusammen. Erst gehen in Italien plötzlich alle Lichter aus, danach in Schweden, bevor es schließlich in allen weiteren Ländern des alten Kontinents zappenduster wird. Der italienische Informatiker Piero Manzano wird dabei Opfer eines Verkehrsunfalls, der dadurch ausgelöst wird, dass von einer Sekunde auf die andere in Mailand alle Ampeln ausgefallen sind. Wieder zu Hause in seiner Wohnung stellt er fest, dass etwas Ungewöhnliches mit seinem Stromzähler geschehen ist. Die intelligenten Zähler, sogenannte Smart Meter, scheinen durch einen Angriff von außen manipuliert worden zu sein.

Aufgrund des gesamteuropäischen Katastrophenfalls ist Europol als übergeordnete und europaweit koordinierende Instanz aktiv. Manzano macht sich auf den Weg nach Den Haag, um dort den Europol-Kommissar François Bollard aufzusuchen und diesen von seiner Entdeckung zu unterrichten. Manzano, früher selbst in der Hacker-Szene aktiv und als Globalisierungsgegner auffällig geworden, findet dort zunächst Gehör, wird dann aber selbst zur Zielscheibe der Terroristen. Manipulierte E-Mails, die Manzano in den Augen von Europol höchst verdächtig erscheinen lassen, geraten in Umlauf. In höchster Lebensgefahr gilt es für Manzano nun, die Beine in die Hand zu nehmen und seine Ermittlungen auf eigene Faust fortzuführen.

Der in Wien geborene Marc Elsberg hat mit "Blackout" einen wahren Blockbuster zu seinem Einstand als Schriftsteller hingelegt. Dieser paneuropäische Thriller erinnert mit seinem pseudofiktiven Szenario stark an Frank Schätzings "Der Schwarm", das auch sukzessive in verschiedenen Ländern die Katastrophe ausbrechen ließ, bevor einige wenige Menschen den Durchblick behielten, um die Menschheit zumindest temporär retten zu können.

In der vorliegenden Hörbuchfassung hat Steffen Groth eine große Sprecherleistung aufs Parkett gelegt. Groth versteht es prächtig, die mehr als zahlreichen handelnden Personen unterscheidbar zu machen. Er nutzt den Umstand, dass diese Protagonisten verschiedener Nationalitäten sind und intoniert diese mit einem entsprechenden Akzent, was die relevanten Personen für den Hörer sehr gut unterscheidbar macht.

"Blackout" hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, da das Szenario gar nicht so fiktiv erscheint, wie es auf den ersten Blick anmutet. Elsberg hat für seinen Katastrophenfall lediglich technische Voraussetzungen verwendet, die in dieser Form heutzutage alltäglich und überall in Gebrauch sind. Ein Hackerangriff, der unser aller Leben nachhaltig erschüttern könnte, ist daher jederzeit denkbar und möglich. Auch scheint das in "Blackout" geschilderte Katastrophenmanagement in den Schaltzentralen der Politik höchst realitätsnah zu sein, was Ungutes erahnen lässt, falls ein derartiger Fall der Fälle eines Tages eintreten sollte.

Es wird im Verlaufe von "Blackout" offensichtlich, dass der Autor sehr gut und intensiv für sein Werk recherchiert hat. So kann und wird derjenige Leser, der von der Thematik angesprochen wird, darüber hinaus seine eigenen Nachforschungen anstellen. Dabei wird er feststellen, dass die in der Geschichte verwendeten Smart Meter bereits weit verbreitet im Einsatz sind und auch einiger Kritik ausgesetzt sind. Des Weiteren erhält man sehr gut nachvollziehbare Einblicke in die Arbeit und das Zusammenspiel von Energiekonzernen, den politischen Kommandozentralen sowie einigen übergeordneten europäischen Instanzen, die im vorliegenden Fall nicht immer aufeinander abgestimmt sind, sondern oftmals lediglich gemäß ihrer eigenen Agenda handeln.

"Blackout" ist ein Werk, das man nicht einfach zurück ins Regal stellt, sondern eines, das einen nachhaltig berührt. Leser und Hörer werden sich dabei ertappen, dass sie einen Lichtschalter von nun an mit Bedacht betätigen und erfreut sind, wenn ein Netzstecker den gewünschten Effekt bringt und Strom für das entsprechende Gerät liefert. Elsberg gelingt es beeindruckend, neben den zunächst offensichtlichen Einschränkungen bei einem Stromausfall die noch viel breitere Palette an allen tatsächlichen Defiziten sukzessive aufzuzeigen. Leser und Hörer werden schließlich schrittweise auch gedanklich kapitulieren und konstatieren müssen, dass ein langfristiger Stromausfall unser komplettes Leben lahmlegen würde. Das Kompliment ist aber an Marc Elsberg zu richten, der trotz eines Thrillers dieses Thema nicht reißerisch, sondern intelligent und nachdenklich stimmend konzipiert und rübergebracht hat.

Christoph Mahnel
23.04.2012

 
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Das Buch:

Marc Elsberg:
Blackout - Morgen ist es zu spät

Bild: Cover Marc Elsberg, Blackout - Morgen ist es zu spät

Sprecher: Steffen Groth
München: Random House Audio 2012
Spielzeit: 590 Min., € 19,99
ISBN: 978-3-8371-1281-8

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