Hrbcher

Showdown am "Hanging Hill"

Die beiden Schwestern Sally und Zo? Benedicte k?nnten nicht unterschiedlicher sein. Ein famili?rer Zwist trennte einst den gemeinsamen Lebensweg in der Jugend. Zo? verlie? das Elternhaus, verdingte sich in zwielichtigen Kneipen und lie? in Bars die H?llen fallen, um sp?ter noch die Kurve zu kriegen, indem sie die Polizeilaufbahn einschlug. Sally hingegen fand mit Kind und Familie zumindest tempor?r ihr privates Gl?ck, bevor ihre Ehe in die Br?che ging und sie fortan sich und ihre Tochter Millie mit allerlei Gelegenheitsjobs ?ber Wasser halten musste.

Als eines Tages mit Lorne Wood ein M?dchen aus Millies Clique ermordet und vergewaltigt aufgefunden wird, bringt dies eine Lawine ins Rollen, die unter anderem auch die Wege der beiden Benedicte-Schwestern wieder zum Kreuzen bringt. Sally wird dabei durch ihre eigene Tochter in die Enge getrieben und ger?t in der Folge in eine h?chst prek?re Situation, die sie nur gemeinsam mit ihrer Schwester durchstehen kann, obgleich die beiden nahezu zwei Jahrzehnte lang keinen Kontakt mehr miteinander gehabt haben.

Die f?nfzigj?hrige Mo Hayder ist eine der modernsten Krimiautorinnen Englands und hat in den vergangnen Jahren mit Werken wie "Der Vogelmann", "Tokio" oder auch "Die Sekte" einen sehr eigenen Stil an Kriminalromanen gepr?gt. Ihre Werke sind von abscheulichen Grausamkeiten durchsetzt, ohne dass sie dabei in die Untiefen des "Splatter Trash" abgleiten w?rde. Wer einen Hayder-Roman in Angriff nimmt, sollte dies niemals unbedarft tun, sondern stets wissen, was ihn erwarten k?nnte. Der vorliegende Roman unterscheidet sich ein wenig von Hayders bisherigem Stil, doch - ohne zu viel zu verraten - hat sie auch in "Atem" einige Passagen verarbeitet, die manch zartbesaitetes Wesen zur Abkehr verleiten k?nnten.

Hayder thematisiert neben der eigentlichen Krimi-Handlung die Situation von "Scheidungsopfern". Sally und Millie k?nnen nach der Trennung von Ehemann bzw. Vater ihren bisherigen Lebensstandard nicht mehr aufrechterhalten. Dies f?hrt insbesondere f?r die heranwachsende Millie zu einer inakzeptablen Situation, da sie sich weigert zu verstehen, warum das Leben ihr von nun an Klassenfahrten oder andere Standardw?nsche versagt. Sally muss daher f?r das Wohl ihrer Tochter wahrlich ?ber Leichen gehen, wobei sie sich auf Jobs einl?sst, die einzig und allein im Fiasko enden k?nnen.

Mehr als fraglich ist, aus welchem Grund sich bei der Wahl des deutschen Titels "Atem" durchgesetzt hat. Der englische Originaltitel "Hanging Hill" hat im Gegensatz dazu einen erheblichen Bezug zur Handlung, da es auf einen Hauptschauplatz sowohl in der englischen als auch in der vorliegenden Geschichte referenziert. Mo Hayder bringt in "Atem" viele Handlungen und Szenarien aufs Tableau, so dass vom H?rer schon eine sehr hohe Aufmerksamkeit darauf verwendet werden muss, die Komplexit?t der Zusammenh?nge zu greifen. Da ist neben dem origin?ren Mordfall Lorne Wood das zerr?ttete Verh?ltnis der beiden Schwestern Sally und Zo?. Sallys Ehekrise hat ihr Pendant in Zo?s Beziehungsproblemen mit ihrem Kollegen Ben. Des Weiteren f?llt die Bewertung von Sallys neuer Partnerschaft mit Steve, der einigen dubiose Auftr?ge nachgeht, nicht leicht. Die ?blen Gestalten des Drogendealers Jake und des Pornoproduzenten David runden das Panoptikum an skurrilen Personen und Zusammenh?ngen ab.

F?r die vorliegende H?rbuchausgabe von "Atem" zeichnet mit Anneke Kim Sarnau die neue Kommissarin des "Polizeiruf 110" verantwortlich. Man verzeiht ihr gerne einige Holprigkeiten zu Beginn des H?rbuchs, da sie sp?testens mit ihrer gelungenen Interpretation der beiden zwielichten V?gel Jake und David den H?rer f?r sich gewonnen hat. Die K?rzungen f?r die H?rbuchfassung waren f?r die Verlagsverantwortlichen sicherlich eine gro?e Herausforderung ob der Menge an Handlungsstr?ngen, die kaum Auslassungen erlauben.

"Atem" liefert eine ordentliche Portion Spannung mit einem f?r Mo Hayders Verh?ltnisse moderaten Ma? an Abscheulichkeiten, was dem Werk letztlich zugute kommt, da es damit durchaus massenkompatibel wird. Es finden sich einige Unglaubw?rdigkeiten im Handlungsablauf wider, die man mit einer gewissen Kulanz durchwinken kann, um sich stattdessen einfach nur gut unterhalten zu lassen. Neben dem offenen Ende in der Geschichte bleibt letztlich aber vor allem die eine Frage offen, aus welchem Grund man der deutschsprachigen Ausgabe den Titel "Atem" gegeben hat.

Christoph Mahnel
19.03.2012

 
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Das Buch:

Mo Hayder: Atem. Aus dem Englischen von Rainer Schmidt

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Sprecher: Anneke Kim Sarnau
Mnchen: Der Hrverlag 2012
Spielzeit: 425 Min., 19,99
ISBN: 978-3-86717-828-0

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