Hrbcher

Von Witzenhausener Zuchtschafen und ganz faulen Krediten

Ziemlich ?berrascht werden Kenner des hiesigen Buchmarkts bei der Ank?ndigung aufgehorcht haben, dass Wolfram Fleischhauer einen Thriller ver?ffentlichen wird. Der Autor von Werken wie "Das Buch, in dem die Welt verschwand" oder "Schule der L?gen" hatte sich bis dato eher mit literarisch anspruchsvollen B?chern einen Namen gemacht, die weit entfernt vom Thriller-Genre einzuordnen waren. Doch mit dem vorliegenden Roman "Torso" beweist Wolfram Fleischhauer, dass er in der Lage ist, auf der Klaviatur der Schriftstellerei durchaus verschiedene Tonarten gekonnt zum Besten zu geben. 

Die Berliner Polizei macht innerhalb k?rzester Zeit zwei merkw?rdige und gleicherma?en grausame Funde: In einem leerstehenden Plattenbau findet sie ein Arrangement von einem Frauentorso und einem Ziegenkopf, w?hrend sie kurze Zeit sp?ter in einen Club gerufen wird, nachdem dort das Reinigungspersonal ein totes Lamm gefunden hat, das in eine Symbiose mit einem menschlichen Arm gezwungen worden ist. Letzterer stammt, wie sich rasch herausstellt, von derselben Frau, deren Torso am ersten Fundort hinterlegt war. Wer ist das Opfer? Was m?chte der T?ter mit der ungew?hnlichen Pr?sentation der Leichenteile zum Ausdruck bringen? Kommissar Martin Zollanger und seine Kollegen stehen vor einem R?tsel. 

In einem parallelen Erz?hlstrang wird der H?rer mit der Geschichte der Elin Hilger konfrontiert, die als ?berzeugte Vegetarierin jeglichen Luxus und Konsum genauso ablehnt wie Geld als Zahlungsmittel. Sie ist auf der Suche nach ihrem Bruder Frank, der vor kurzem im Tegeler Forst v?llig unerwarteterweise Selbstmord begangen hat. Eine dritte Hauptperson stellt der skrupellose Banker Hans-Joachim Zieten dar, der h?chst risikante Gebilde von Banken und Institutionen auf dem Gewissen hat und letztlich eine gro?e Mitschuld daran tr?gt, dass die Stadt Berlin kurz vor dem finanziellen Kollaps steht. 

Sukzessive bekommt der H?rer eine Ahnung davon, wie die drei verschiedenen Handlungen in Zusammenhang stehen k?nnten. Elin Hilger versucht, Licht ins Dunkel um den Selbstmord ihres Bruders zu bekommen, indem Sie Kommissar Zollanger aufsucht. Hat sie aber tats?chlich bei der Entf?hrung von Zietens Tochter Inga ihre Finger im Spiel? Im Normalfall eines handels?blichen Thrillers w?rden nun die Mechanismen greifen, die die F?lle und Zusammenh?nge aufdecken und den Konsumenten das Werk kopfnickend ad acta legen lassen w?rden. Doch Wolfram Fleischhauer beweist mit dem Fortgang der Geschichte, dass er keineswegs ein handels?blicher Thriller-Autor ist. Mit einer feinen Wendung verbl?fft er Leser und H?rer, die kurz innehalten m?ssen, da ihre Erwartungshaltungen und die ?blichen Muster aufgebrochen werden. 

In dem vorliegenden H?rbuch zeigt sich wieder einmal, warum Detlef Bierstedt momentan zu den gefragtesten Sprechern geh?rt. Hierzulande den Ohren vor allem als Synchronstimme von George Clooney bekannt, produziert er momentan ein H?rbuch nach dem anderen, was seiner markanten und einpr?gsamen Stimme geschuldet ist, die er wunderbar einzusetzen vermag, um seiner Lesung Leben einzuhauchen. 

Wolfram Fleischhauer hat in "Torso" eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik gepackt, die man in dieser Auspr?gung f?r gew?hnlich in der "taz" suchen w?rde. So prangert er die Kreativit?t von Bankern an, die bei der Konstruktion ihrer Finanzgebilde schnell vergessen, welche Verantwortung f?r das Gemeinwohl sie in ihrer Position tragen. Fleischhauer schafft es, mit seinem Thriller zum Nachdenken anzuregen, wodurch sich "Torso" von der breiten Masse des "Crime & Suspense" abhebt. So schlie?t sich am Ende der Kreis f?r diejenigen, die es einfach nicht glauben konnten, von Wolfram Fleischhauer einen Mainstream-Thriller vorgesetzt zu bekommen. Eher schon bedient er die Form des literarischen Thrillers mit Anspruch. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, in welchen Feldern sich Fleischhauer zuk?nftig verlustieren und austoben wird. 

Christoph Mahnel 
17.10.2011

 
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Das Buch:

Wolfram Fleischhauer: Torso

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Sprecher: Detlef Bierstedt
Berlin: Argon Verlag 2011
Spielzeit: 434 Min., 19,95
ISBN: 978-3-8398-1120-7

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