Hrbcher

Eine wichtige Geschichte wider das Vergessen

Es klingt wie das unm?glichste und irrationalste Vorhaben, das ein Mensch w?hrend des Zweiten Weltkriegs fassen konnte. W?hrend ein Ausbruch aus den Schreckenskammern, die die Welt als Konzentrationslager kennt, nahezu ausgeschlossen war, fasste Denis Avey den Entschluss, in ein KZ einzubrechen, um mit eigenen Augen zu sehen, was hinter den Mauern von Auschwitz III vor sich ging. 

Denis Avey wurde 1919 in der N?he von London geboren und trat im Alter von 20 Jahren in die britische Armee ein. Seine ersten Kriegseins?tze hatte er in Nordafrika, wo er gegen die Italiener und Rommels Soldaten k?mpfte. Dort gelangte er in deutsche Gefangenschaft. Nach einem gegl?ckten Fluchtversuch wurde er sp?ter allerdings in Griechenland erneut gefangengenommen. Im Rahmen seiner Gefangenschaft gelangte er anschlie?end in ein Kriegsgefangenenlager in der N?he von Auschwitz. 

Kriegsgefangene wie Avey verrichteten ihre Zwangsarbeit gemeinsam mit KZ-H?ftlingen in den Buna-Werken, die ein Zweigwerk in Auschwitz unterhielten und auf deren Gel?nde das KZ Auschwitz III errichtet worden war. Auf diese Weise kam Avey in Kontakt mit KZ-H?ftlingen und war v?llig schockiert ?ber deren Gesundheitszustand, die hohe Fluktuation in den Arbeitsgruppen und den mehr als menschenunw?rdigen Umgang der Aufseher mit den kraftlosen und ausgemergelten Insassen des Konzentrationslagers. All dies weckte in Avey die groteske Idee, sich in Auschwitz III einzuschmuggeln, um sich mit eigenen Augen von den Vorg?ngen zu ?berzeugen, die er sich ?ber viele Wochen hinweg aus seinen Beobachtungen zusammengereimt hatte. 

F?r die hochbrisante Aktion arrangierte er mit einem KZ-H?ftling, einem holl?ndischen Juden, einen Kleidertausch nach Ende der gemeinsamen Arbeitsschicht. Avey blieb jeweils f?r eine Nacht Insasse von Auschwitz III, das ganze allerdings nur wenige Male, schlie?lich war die Aktion des Identit?tentausches f?r beide lebensgef?hrlich. Eine Entdeckung h?tte unweigerlich zur sofortigen Erschie?ung beider Beteiligten gef?hrt. 

Eine Sensation ist das Erscheinen von "Der Mann, der ins KZ einbrach" vor allem hinsichtlich seines Zeitpunkts. Avey war ?ber mehr als sechs Jahrzehnte nicht in der Lage, von seinen Erlebnissen und Eindr?cken zu berichten. Zu sehr hatte ihn das ganze traumatisiert, um dar?ber sprechen zu k?nnen. Gemeinsam mit dem BBC-Journalisten Rob Broomby konnte Avey seine Lebensgeschichte im Sp?therbst seines Daseins zu Papier bringen. Die Recherchem?glichkeiten Broombys erlaubten sogar das Aufsp?ren eines KZ-H?ftlings, mit dem Avey gemeinsam Zwangsarbeit in den Buna-Werken verrichtet hatte und der einer der wenigen ?berlebenden der H?lle von Auschwitz war. 

Wenn man lediglich konstatieren w?rde, dass einen das H?ren der vorliegenden Audio-Fassung von "Der Mann, der ins KZ einbrach" nachdenklich stimmt, dann kann das nur weit untertrieben sein. Aveys Lebensgeschichte und insbesondere die Reflexion seiner zwei Jahre in Auschwitz beinhalten viele weise Erkenntnisse, die es wert sind, jedermann mitgeteilt zu werden. Avey hat sich vor allem mit der Frage auseinandergesetzt, wie alles so weit kommen konnte, wie es letztlich geschehen war. Seine Antworten und Ergebnisse klingen beim H?rer noch lange nach Ende der f?nften CD nach. 

"Der Mann, der ins KZ einbrach" ist eine wichtige Biografie, die angedenk des hohen Alters Aveys gl?cklicherweise noch zu Papier gebracht werden konnte. Ein Kritikpunkt muss allerdings hinsichtlich der unn?tigen rei?erischen Aufmachung auf dem Klappentext des H?rbuchs erlaubt sein. Man erwartet demgem?? ?ber die 381 Minuten hinweg einen ausf?hrlichen Bericht ?ber das Leben im KZ. Jedoch vergehen in etwa zweieinhalb CDs, bevor Avey seinen ersten Identit?tstausch vornimmt und eine Nacht in Auschwitz III verbringt. 

Florian Fischer als Sprecher des vorliegenden H?rbuchs tut gut daran, Unaufgeregtheit walten zu lassen und stimmlich im Hintergrund zu verweilen, um die Lebensgeschichte Denis Aveys entsprechend wirken zu lassen. Dessen Taten und Erinnerungen sind es mehr als wert, der Menschheit erhalten und berichtet zu werden. F?r seine Verdienste wurde Avey im vergangenen Jahr folgerichtig als einer von 27 Briten die Auszeichnung "British Hero of the Holocaust" verliehen. Allerdings konnten nur er und ein weiterer Preistr?ger die Auszeichnung aus der Hand von Premierminister Gordon Brown pers?nlich in Empfang nehmen. 

Christoph Mahnel 
12.09.2011

 
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Das Buch:

Denis Avey, Rob Broomby: Der Mann, der ins KZ einbrach. Aus dem Englischen von Dietmar Schmidt

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Sprecher: Florian Fischer
Mnchen: audio media Verlag 2011
Spielzeit: 381 Min., 16,99
ISBN: 978-3-86804-208-5

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