Hrbcher

Frankfurt hrt ein Hrbuch

In der Bankenmetropole Frankfurt am Main findet in diesem Jahr zum zweiten Mal eine ?u?erst ungew?hnliche und gemeinschaftliche Leseaktion statt: "Frankfurt liest ein Buch" hei?t sowohl der dahinterstehende Verein als auch die Aktion an sich. Ein Buch mit einem signifikanten Bezug zur Stadt Frankfurt wird quasi zum "Buch des Jahres" erkoren und erf?hrt eine hohe mediale Aufmerksamkeit in Form von zahlreichen Lesungen, Vortr?gen und Podiumsdiskussionen in Frankfurt und den angeschlossenen Funkh?usern.

Der Verein "Frankfurt liest ein Buch e.V." verfolgt dabei das hehre Ziel, das ausgew?hlte Buch zum Gespr?chsstoff in der Stadt zu machen und zu einem gemeinschaftlichen Leseerlebnis aufzurufen. Im vergangenen Jahr hatte Frankfurt mit "Kaiserhofstra?e 12" die unglaubliche ?berlebensgeschichte des Juden Valentin Senger w?hrend des Zweiten Weltkriegs verfolgt, w?hrend in diesem Jahr die Roman-Trilogie "Abschaffel" des Wahl-Frankfurters Wilhelm Genazino auserkoren wurde.

Abschaffel ist drei?ig Jahre alt, wohnt in Frankfurt, verrichtet seinen B?rojob nach Vorschrift und lebt ein recht eigenbr?tlerisches Leben. Die Geschichte Abschaffels spielt im Frankfurt der Siebziger Jahre und liefert das Portr?t eines Mannes, der die Dinge und Vorg?nge des Alltags aus seiner skurrilen Sichtweise zum Besten gibt. Abschaffel schildert sehr gerne detailliert und minuti?s seine Gedanken und Emotionen. Dabei zeigt sich, dass Abschaffel der Gegenentwurf des heutzutage oft geforderten Teamplayers ist. Abschaffel lebt alleine, und das ist gut f?r ihn. Begegnungen mit anderen Menschen, und seien sie auch noch so marginal, rufen in ihm emotionale Eruptionen hervor.

N?chtern betrachtet ist Abschaffel ob seiner merkw?rdigen Betrachtungsweise eine Kreatur, die in vielen Menschen Verachtung hervorrufen w?rde. Doch hier zeigt sich der Verdienst des Schriftstellers Wilhelm Genazino, dem es n?mlich gelingt, Abschaffel in ein Licht zu r?cken, das diesen letztlich liebevoll erscheinen l?sst. Allerdings muss man auch bereit sein, sich auf die ellenlangen Monologe Abschaffels ?ber seine Gef?hle zu einer Streichholzschachtel oder auf seine detaillierte Beschreibung der neuen Fahrkartenautomaten am Frankfurter Bahnhof einlassen zu wollen. Hat man dies aber einmal f?r sich akzeptiert, wird man viel Freude haben an Abschaffel und seiner Sicht auf das Allt?gliche.

Doch Frankfurt liest nicht nur ein Buch, sondern h?rt dank des Eichborn-Verlages auch ein H?rbuch, da zeitgleich zu den Aktionswochen in diesem Fr?hling eine gek?rzte Lesung herausgegeben worden ist. Auch wenn die Lesung durch Genazino selbst ein wenig h?lzern klingt, verleiht eine Autorenlesung einem H?rbuch doch stets ein besonderes Flair an Authentizit?t, da man die geschriebenen Worte direkt aus dem Mund desselben K?nstlers aufbereitet bekommt.

Die Aktion "Frankfurt liest ein Buch" darf unter anderem dank der Auswahl des im Mittelpunkt stehenden Werks auch im Jahre 2011 wieder als voller Erfolg gefeiert werden. Schlie?lich ist es gelungen, in einer Zeit des ?berflusses viele Menschen auf ein einziges Werk zu konzentrieren, so dass in vielen Frankfurter Schlafzimmern ein und dasselbe Buch auf dem Nachttisch liegen wird bzw. in vielen Autos rund um das Frankfurter Kreuz dieser Tage ein und dasselbe H?rbuch konsumiert werden wird. Man darf wahrlich gespannt sein, auf welches Werk die Wahl im kommenden Jahr fallen wird. Nach den beiden Erfolgen in 2010 und 2011 liegt die Messlatte sehr hoch und hat die Anspr?che der Frankfurter B?rger entsprechend geweckt.

Christoph Mahnel
30.05.2011

 
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Das Buch:

Wilhelm Genazino: Abschaffel

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Sprecher: Wilhelm Genazino
Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2011
Spielzeit: 380 Min., 19,95
ISBN: 978-3-8218-6359-7

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