Hörbücher

Der lustige Ringelreigen geht weiter

Der gebürtige Frankfurter Simon Borowiak war sieben Jahre lang (von 1986 bis1992) als Redakteur für das Satiremagazin "Titanic" tätig. Diesem Umstand haben die Leser Bücher wie "Frau Rettich, die Czerni und ich" (1992), "Baroneß Bibi. Ein Schundroman für die gebildeten Stände" (1995) und "Wer wem wen" (2007) zu verdanken. In ihnen werden dem Rezipienten menschliche Dramen, psychische Zusammenbrüche und emotionale Untiefen schonungslos wie in einem Spiegel vorgezeigt, sodass man sich in der einen oder anderen Person, in der einen oder anderen Eigenart wiederfindet. So auch in dem Hörbuch "Schade um den schönen Sex", dessen Handlung zeitlich unmittelbar an "Wer wem wen" anzuschließen scheint.

Was war zuvor in "Wer wem wen" passiert? Der (namenlose) Ich-Erzähler fährt, frisch entlassen aus der "Geschlossenen", zusammen mit seinem Klinik-Freund Cromwell für einige Tage in die Berge. Die Zeit schlagen sie sich mit Cromwells Freundin Alexandra und dem Pärchen Susi und Wido tot, bis schließlich Heike zur Fünfergruppe stößt und den lustigen Reigen komplettiert. Wie sich bald herausstellt, ist nichts so, wie es von außen erscheinen mag. Der Ich-Erzähler beobachtet ein Beziehungsdrama der ersten Güte und taucht in die Psyche der Anwesenden ein. Doch bald entwickelt sich das anfängliche Spiel zu einer todernsten Angelegenheit, in deren Verlauf bald ein Opfer zu beklagen ist.

Mit dieser Vergangenheit im Hinterkopf wagen sich der Ich-Erzähler und sein alter Kumpel Cromwell auf eine zweite Reise. Aber diesmal reisen nur sie beide und es geht nicht in die Berge, sondern ins italienische Städtchen Ventimiglia. Ursprünglich wollte Cromwell mit seiner Frau dorthin fahren, aber leider haben sie sich kurz vorher scheiden lassen. Bevor die Flugtickets jedoch verfallen, fragt er lieber seinen Freund, ob dieser Weihnachten nicht im fernen, romantischen Italien verbringen möchte, statt sich in den eigenen vier Wänden zu langweilen. Dem Ich-Erzähler steht eine Erkundung des Ferienortes seiner Kindheit bevor, wobei er sich diesmal seinen eigenen Problemen stellen muss. Dabei dreht sich alles, wie könnte es auch anders sein, um das ewige Thema "Liebe". Dennoch ist der Wunsch nach einem Partner größer als die tief im Herzen sitzende Einsamkeit und Italien ist doch der ideale Ort, um diesen zu finden. Dann also hinein ins große Abenteuer.

Simon Borowiaks "Schade um den schönen Sex" sprüht vor Satire und Witz und enthält doch auch ruhige, beinahe melancholische Momente. Der Rezipient wird in dem vorliegenden Hörbuch in das seelische Auf und Ab des Ich-Erzählers hineingezogen, sodass man nicht anders kann, als die Welt mit dessen Augen zu sehen. Dies könnte aber auch an der erzählerischen Fähigkeit Borowiaks liegen. Man kommt hier nämlich in den Genuss, den Autor als Sprecher zu erleben. Schließlich weiß er am besten, wie sein Ich-Erzähler die Handlung berichten sollte. Mal ruhig und leicht dahinschwebend, dann wieder dynamisch und kraftvoll - wie die Psyche der einzelnen Figuren. Da bleibt es nicht aus, dass man sich beim Hören in der Geschichte verliert und am Schluss Mühe hat, wieder herauszukommen.

Susann Fleischer
02.11.2009

 
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Das Buch:

Simon Borowiak:
Schade um den schönen Sex

Bild: Cover Simon Borowiak, Schade um den schönen Sex

Sprecher: Simon Borowiak
Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2009
Spielzeit: 264 Min., € 19,95
ISBN: 978-3-8218-6320-7

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