Hrbcher

Die Geschichte einer Flucht

Anna und ihrer älterer Bruder Max wohnen zusammen mit ihren Eltern in Berlin, als es für Juden immer schwieriger wird, in Deutschland ein unbeschwertes Leben zu führen. Nur wenige Tage vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gelingt der jüdischen Familie 1933 die Flucht in die Schweiz. Annas Vater, der als Schriftsteller und Journalist wegen seiner Schriften gegen Hitler und die NSDAP bereits im Visier der Nationalsozialisten stand, reiste bereits einige Wochen vorher über Prag aus.

Im sicheren Exil in der Schweiz erfährt die Familie, dass nur wenige Tage nach ihrer Abreise ihr Haus in Berlin von den Nazis beschlagnahmt wurde. Aber auch in der Schweiz lebt es sich nicht sorgenfrei: In dem auf Neutralität bedachten Land kann Annas Vater immer weniger veröffentlichen, das Geld wird knapp. Obwohl sie bereits in sehr bescheidenen Verhältnissen leben, müssen sie über einen weiteren Umzug nachdenken. Paris ist die nächste Station. Doch hier gewöhnen sich vor allem Anna und Max nicht so leicht ein: neue Schule, neue Sitten und Gewohnheiten und vor allem eine fremde Sprache. Aber auch Frankreich ist noch nicht die letzte Station für die jüdische Familie, die 1933 nur knapp dem Nazi-Regime entkommen ist.

Die britische Schriftstellerin und Illustratorin Judith Kerr, Tochter des Theaterkritikers Alfred Kerr, erzählt in "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" die Geschichte ihrer eigenen Flucht aus Nazi-Deutschland, die sie letztendlich nach England führte. Dort verbrachte sie den Rest ihres Lebens, wurde Schriftstellerin, Journalistin und letztendlich auch britische Staatsbürgerin. "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ist der Auftakt einer Trilogie, die 1933 beginnt und in den 1950er-Jahren endet. 1971 wurde der erste Teil auf Englisch veröffentlicht, 1973 erfolgte die deutsche Übersetzung. Im folgenden Jahr erhielt der Roman den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2019 verfilmte die Regisseurin Caroline Link die Geschichte der Familie Kerr neu fürs Kino.

Das Besondere an diesem Jugendroman ist, dass er Kindern und Jugendlichen die Auswirkungen des Nazi-Regimes auf den Alltag so vieler Menschen verdeutlicht, ohne direkt von den ganz großen Gräueltaten der Nazis zu berichten. So aktuell dieses Kapitel der deutschen Geschichte heute noch ist und es auch bleiben sollte, so aktuell ist auch der autobiografische Roman von Judith Kerr. Gelesen wird er in dieser neuen und ungekürzten Hörbuchausgabe von der Theaterschauspielerin und Hörbuchsprecherin Sascha Icks, die der Geschichte, die in einer so kalten und trostlosen Welt spielt, einen warmen und herzlichen Ton verleiht.

Sabine Mahnel 
24.02.2020

 
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Das Buch:

Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Aus dem Englischen von Annemarie Bll

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Sprecherin: Sascha Icks Hamburg: Silberfisch 2019 Spielzeit: 342 Min., 15,00 ab 12 Jahren ISBN: 978-3-7456-0135-0

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