Hrbcher

Spanien - Chile - Venezuela - und wieder Chile

Spanien, 1938. Der katalanische Medizinstudent Victor Dalmau und sein Bruder Guillem kämpfen im Spanischen Bürgerkrieg: Victor als Sanitäter und Guillem auf dem Schlachtfeld. Roser, die als kleines Mädchen von Victors und Guillems Eltern als Pflegekind aufgenommen wurde, verliebt sich in Guillem und wird von ihm schwanger. Als absehbar wird, dass General Franco die Herrschaft in Spanien übernehmen wird, plant Victor die Flucht über die Pyrenäen nach Frankreich zusammen mit seiner Mutter und der hochschwangeren Roser. Guillem ist kurz vor Kriegsende gefallen.

Den verheerenden Verhältnissen in den Flüchtlingslagern Frankreichs können Victor und Roser 1939 mit dem Flüchtlingsschiff Winnipeg, das der chilenische Dichter Pablo Neruda gemietet hat, um spanische Flüchtlinge nach Chile zu bringen, entkommen. In ihrer neuen Heimat fassen die beiden Frischvermählten - Victor hat die Verlobte seines verstorbenen Bruders vor ihrer Flucht nach Chile geheiratet - mehr oder weniger schnell Fuß. Victor ist seinem Neffen Marcel ein guter Vater, doch sowohl er als auch Roser suchen außerhalb ihrer Ehe Liebe und Leidenschaft, auch wenn sie einander zeit ihres Lebens immer sehr zugetan sind und sie eine innige Freundschaft verbindet.

Victor ist ein angesehener Kardiologe und Roser genießt ihr Leben als Pianistin, als die Pinochet-Diktatur die beiden Katalanen wieder zwingt, ihr Zuhause zu verlassen, nachdem Victor als ein Vertrauter Salvador Allendes nur mit Glück dem Arbeitslager entfliehen kann.

Der neue Roman der chilenischen Autorin, die Anfang der 1980er-Jahre mit "Das Geisterhaus" weltberühmt wurde, ist nach vielen Geschichten, die in der Gegenwart spielten, mal wieder eine Erzählung, die sich mit der Vergangenheit beschäftigt, und zwar mit der Vergangenheit Europas ebenso wie mit der Lateinamerikas. Kriege und Diktaturen zwangen damals die Menschen ihr Land zu verlassen - nicht anders als heute immer noch. Den Fingerzeig auf die aktuelle weltpolitische Situation, die in weiten Teilen von Zerstörung und Flucht geprägt ist, merkt man Allendes Familienroman an einigen Stellen deutlich an.

Dass Allendes neuem Roman, der eine ganze Generation und den halben Erdball umspannt, eine Geschichte zugrundeliegt, die ihr die Hauptfigur Victor erzählt hat, als sie sich selbst im Exil in Venezuela auf der Flucht vor dem Pinochet-Regime befunden hat, macht den Roman umso interessanter und glaubhafter. Auch realhistorische bekannte Persönlichkeiten wie der chilenische Dichter Pablo Neruda sowie der Cousin ihres Vaters, Salvador Allende, bekommen in "Dieser weite Weg" ihren Auftritt, bleiben jedoch als Figuren eher schemenhaft.

Die gekürzte Hörbuchfassung wird gelesen von der Theaterschauspielerin Wiebke Puls, die mit ihrem gekonnten Vortrag an die gefeierten Lesungen von Eva Mattes erinnert.

Sabine Mahnel 
16.09.2019

 
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Das Buch:

Isabel Allende: Dieser weite Weg. Aus dem Spanischen von Svenja Becker

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Sprecherin: Wiebke Puls Mnchen: Der Hrverlag 2019 Spielzeit: 609 Min., 24,00 ISBN: 978-3-8445-3592-1

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