Hrbcher

Zurckbesinnen auf das Wesentliche

Als Marthas, Mikkels und Mats´ Mama in New York einen Unfall während einer Geschäftsreise hat, muss ihr Papa so schnell wie möglich in die USA reisen. Auf die Schnelle lässt sich allerdings nur schwer eine Kinderbetreuung organisieren. Da bleibt nur eine Möglichkeit: Die zwölfjährige Martha und ihre jüngeren Brüder müssen zur Oma. Doch die drei kennen ihre Oma, die nur zwei Stunden von Hamburg entfernt in einem kleinen idyllischen Ort an der Ostsee wohnt, gar nicht. Vor Jahren hatten sich ihre Eltern mit der Oma zerstritten und seitdem nie wieder mit ihr geredet.

Die Oma staunt nicht schlecht, als plötzlich drei Kinder vor ihrer Tür stehen, die ihre Enkel sein sollen. Kein Wunder, dass sie da ein bisschen grummelig reagiert. Doch den Kindern und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Situation abzufinden. Und den Großstadtkindern fällt das nun wirklich nicht leicht: Die Oma wohnt in einem kleinen einsamen Haus auf einer Landzunge. Um in den nächsten Ort zu kommen, muss sie mit dem Motorboot auf die andere Seite der Bucht fahren. Gegessen wird größtenteils das, was der Garten und die Hühner hergeben. Eine Spülmaschine hat die Oma auch nicht - ebenso wenig wie einen Fernseher. Martha muss sogar ohne WLAN und ohne Handyempfang auskommen. Eine wirklich große Herausforderung.

Schon bald merken Martha, Mikkel und Mats, dass das Leben auf dem Land bei der Oma auch seine schönen Seiten hat. Sie lernen nette Menschen kennen, helfen der Oma beim Marmeladekochen und überstehen ein schweres Gewitter auf See. Doch als plötzlich ein fremder Mann auftaucht und der Oma ungeheuer viel Geld für ihr Haus bietet, ist die Idylle in Sommerby in Gefahr.

Will man eine Kinderbuchautorin als die deutsche Astrid Lindgren bezeichnen, so kommt Kirsten Boie dieser Ehre mit Sicherheit am nächsten. Seit vielen Jahren ist sie eine Konstante auf dem deutschen Kinderbuchmarkt und beweist auch mit "Ein Sommer in Sommerby" wieder ihre Qualitäten.

Nicht ganz ohne Grund kommen einem beim Hören dieser autorisierten Hörbuchfassung Assoziationen mit Astrid Lindgren in den Sinn. Der fiktive Ortsname Sommerby erinnert stark an Bullerbü und auch die nordischen Namen der Kinder suggerieren eine Nähe zu dieser schwedischen Astrid-Lindgren-Idylle. Und die kreiert Boie mit Perfektion. Dennoch bleibt sie nicht in nostalgischen Schilderungen stecken, sondern baut in ihren Kinderroman aktuelle Herausforderungen ein: Was bedeutet ein Sommer ohne neue Medien? Was ändert sich am Genuss des Essens, wenn man nicht ständig darauf achtet, ob man nun gerade viele Kohlehydrate oder viel Eiweiß zu sich nimmt? Allesamt Themen, mit denen sich Kinder heutzutage schon in frühester Kindheit konfrontiert sehen.

Kirsten Boie zelebriert mit "Ein Sommer in Sommerby" die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Dabei eröffnen sich nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen im Roman Möglichkeiten für ganz neue und wertvolle Erfahrungen. Gelesen wird diese sommerliche Geschichte von Julia Nachtmann, die mit viel stimmlichem Geschick bei jeder Figur - von dem kleinen Mats bis zur mürrischen Oma - den richtigen Ton trifft.

"Ein Sommer in Sommerby" lässt einen neidisch werden und von den nächsten Sommerferien träumen, auch wenn sie noch fern sind und man weiß, dass nicht für jeden der Traum von einem "Sommerby" in Erfüllung geht.

Sabine Mahnel
03.04.2018

 
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Das Buch:

Kirsten Boie: Ein Sommer in Sommerby

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Sprecherin: Julia Nachtmann
Hamburg: Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH 2018
Spielzeit: 350 Min., 15,00
ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-8337-3840-1

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