Bildbände

Herzensnahrung für Groß und Klein

Wer Kinder ohne einen Glauben erzieht, nimmt ihnen eine der wesentlichen Wurzeln, mit denen sie sich in ihrem Leben und in der Welt verankern können. Das Wissen, in einer höheren Macht geborgen zu sein, kann Kindern in Zeiten helfen, in denen es mit den normalen Bezugspersonen Probleme gibt – sie müssen sich nicht sorgen, ins Nichts zu fallen, sondern dürfen sich geborgen und beschützt fühlen. Unser heutiges Leben lässt uns oft in all seiner Bilder- und Informationsflut wenig Zeit für einen ruhigen Start und einen sanften Ausklang. Wie anders beginnt ein Tag mit einem kleinen Morgenspruch, der wach und offen macht für das Neue, das wir erleben werden, sanft kann ein hektischer Tag sich neigen, wenn wir ihn noch einmal überdenken und für das danken, was uns Gutes widerfahren ist und dem, was nicht geklappt hat, eine Chance beim nächsten Mal geben! Das sind keine Aktionen besonders "frommer" Menschen, sondern Momente der Stille, des Einhaltens und des Erinnerns daran, dass wir alle zwischen Himmel und Erde stehen und nicht nur der Bodenhaftung bedürfen oder in irgendwelchen Sphären herumirren sollen, sondern neben einer angemessenen Lebensführung auch das Urvertrauen immer wieder auffrischen können als Quelle der Kraft.

Wer einem Kind das Bild des Schutzengels vorstellt, der hinter einem steht und seine Flügel ausbreitet, macht ihm ein Geschenk. Es wird sich nicht mehr verloren fühlen, was immer auch kommt. Ein kleiner Dank für die Nahrung, die bei uns oft überreich auf dem Tisch steht, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wollen wir nicht zum Egoisten erziehen, der einfach nimmt und nicht darüber nachdenkt, woher es kommt und wer alles dafür gearbeitet hat. Diese Überlegungen sind auch für uns Erwachsene einen Moment des Nach-Denkens wert – wann haben Sie das letzte Mal Dankeschön gesagt oder sich gefreut, dass die Welt schön ist?

Es sind bekannte Gebete und Sprüche, die Brigitte Barz, Pfarrerin der Christengemeinschaft, zusammengetragen hat, aber auch Gedanken zum Morgen, zum Abend, Fürbitten und mit dem Psalm 23 und dem Vaterunser auch grundlegende Texte. Was für die Leser aber neben dem Spruch vor allem direkt ins Herz geht, sind die wunderbaren Illustrationen von Gertraud Kiedaisch, die ganz sensibel und unaufdringlich den Text erfahrbar machen. Die Bilder wirken schon ohne Text, aber die Kombination von beidem erschafft im Betrachter und Zuhörer eine Oase, eine kleine Insel des Friedens, der Ruhe und das Gefühl von Heimat. Bilder und Texte begleiten große und kleine Menschen rund um den Tag und spenden so Trost, geben Orientierung und vermitteln uns das Gefühl, dass wir uns mit aller Kraft um unsere Lebensgestaltung bemühen müssen, aber über uns auch andere Mächte wirken, denen man sich getrost anvertrauen darf.

Eines der schönsten Bücher, das man Eltern an die Hand geben möchte. Am Anfang kann man mit den Kindern die Texte lesen und die Bilder wirken lassen, größere Kinder nehmen sich das Büchlein gern selbst zur Hand und holen sich den Spruch, den sie brauchen. Immer mehr wird klar, wie wichtig Rituale für Kinder sind – probieren Sie es doch aus und beginnen Ihren Tag mit einem Morgenspruch, beenden Sie ihn mit dem Abendgedanken und erleben Sie, wie Sie bewusster in der Welt stehen, gehalten, geführt und ermutigt.

csc
06.11.2002

 
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Das Buch:

Brigitte Barz und Gertraud Kiedaisch (Bilder): Gebetbüchlein für Kinder

Bild: Buchcover Brigitte Barz und Gertraud Kiedaisch, Gebetbüchlein für Kinder

Stuttgart: Urachhaus 2002,
40 S., durchgehend farbig illustriert, gebunden, € 6,50
ISBN: 3-8251-7273-2

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