Bildbände
Ein Rabelais der Neuzeit
Für Walter Moers, den Autor von "Die 131 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Ensel und Krete", scheinen die Bilder von Gustave Doré ein Rorschach-Test seiner Fantasie gewesen zu sein. Das Ergebnis erinnert an die kraftvollen und lebenstrunkenen Bilder eines Rabelais. Entlang von einundzwanzig Bildern des wohl erfolgreichsten Illustrators des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt Walter Moers die abenteuerliche und absurde Reise des zwölfjährigen Jungen Gustave. Um dem Tod zu entrinnen, muss Gustave sechs Aufgaben bewältigen, die "klassischer" nicht sein könnten: eine schöne Jungfrau aus den Klauen eines Drachen befreien, einen Wald voll bösartiger Geister durchqueren, die Namen von fünf Riesen erraten, einen Zahn vom "Schrecklichsten aller Ungeheuer" erbeuten, sich selbst begegnen und ein Porträt vom Tod zeichnen.
Faszinierend ist es nicht nur, wie Walter Moers mit den Bildern von Gustave Doré spielt und ihnen eine neue Bedeutung verleiht, die Mythenwelt des Altertums und die Märchenwelt der Brüder Grimm plündert, Verweise auf die allegorische Bedeutung als Entwicklungsroman oder einer Reise nach Innen eingestreut. Es ist auch ein Vergnügen, wie er mit absurden Einfällen, Spannung und Witz die inneren Bildern und Erwartungen des Lesers dekuvriert.
sic
19.05.2002