Bildbände

Bob Dylan mal ganz nah: Opulenter Bildband von Barry Feinstein

Bob Dylan ist heute 67 Jahre alt und längst eine lebende Legende der amerikanischen Popmusik. Er verkörpert wie wohl nur wenige seiner Zeit die Aufbruchstimmung einer Gegenbewegung und -kultur, die es in den USA schon einmal in den 60er Jahren im Zuge der Kennedy-Ära und der folgenden Anti-Vietnam-Protestdemonstrationen gegeben hat. Sie fand in den populären Protestsongs ihren musikalischen Niederschlag mit Sängern wie Joan Baez und eben Bob Dylan, der mit bürgerlichem Namen Robert Allen Zimmerman heißt und sich nach dem von ihm verehrten walisischen Dichter Dylan Thomas seinen Künstlernamen gab. Mit «Like a Rolling Stone» hat er 1965 nach Ansicht mancher Kritiker (wie zuletzt das renommierte Branchenblatt «Rolling Stone») den «besten Song aller Zeiten» geschrieben.

Dylan, der mit mehr als 500 Liedern als einer der kreativsten Songschreiber seiner Generation und auch als ein ständiger Anwärter auf den Literaturnobelpreis gilt, ist noch immer auf seiner «never ending tour». Jüngst erschien er sogar gleich in sechsfacher Gestalt auf der Kinoleinwand in dem Film «I'm Not There» u.a. mit Cate Blanchett, Richard Gere und Heath Ledger. Zeit also mal wieder, die «Legende» auch mal in einem außergewöhnlichen Fotoband zu porträtieren. Der großformatige Band, fast DIN A 3 («Bob Dylan - Real Moments», Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin) dokumentiert die Arbeit des amerikanischen Fotografen Barry Feinstein, der Dylan in den Jahren 1966 bis 1974 begleitet hat. Er konnte dabei nach eigenem Bekunden Dylan auch nahekommen, ob auf der Bühne, unterwegs, mit und ohne Fans, in Hotelzimmern, in der Künstlergarderobe, im Auto oder am Meer, manchmal auch 24 Stunden hintereinander.

Dabei gab es wohl ein beiderseitiges stillschweigendes Übereinkommen, das auch von der Verehrung des Fotografen wie auch vom deutlichen Selbstbewusstsein Dylans gekennzeichnet war: «Er wusste, dass ich ihn interessant aussehen lassen würde - weil er interessant war. Ich wusste, dass ich mit einem Genie unterwegs war», erinnert sich der Fotograf. Ein Genie, das wie oft in solchen Fällen die Menschen in seiner Umgebung nicht an seinen Gefühlen teilhaben ließ, wie Feinstein auch die Grenzen einer fotografischen Beobachtung eines Bob Dylan beschreibt.

So entstanden unter dieser Voraussetzung mal spontane Aufnahmen und Fotos, auf denen sich der Popstar selbst inszeniert. Die meisten Bilder seien aber geschossen worden, ohne dass es der Sänger bemerkt habe, versichert Feinstein. Ein Großteil entstand 1966 während einer Tour mit Mitgliedern von «The Band» bei Dylans erster «elektrischer» Tournee durch Europa. Viele der Aufnahmen seien bisher noch nicht veröffentlicht worden, versichert der Verlag. Aber immer war klar:«Er wusste, dass ich kein Foto benutzen würde, das unvorteilhaft für ihn war.» Auf manchen Fotos trägt Dylan auch seine berühmte langgestreifte Hose, die den Betrachter heute eher an eine Schlafanzughose erinnert.

Man sieht Dylan bei der Zugfahrt durch Irland neugierig aus dem Fenster blicken (natürlich mit Sonnenbrille), beim Einkaufsbummel in der legendären Londoner Carnaby Street, in der Garderobe des Pariser Olympia, in Liverpool mit Straßenkindern oder auf einer öden Wiesenfläche fröhlich tänzelnd vor einer tristen Fassade leerstehender Häuser oder man sieht auch einen sehr nachdenklichen, in sich gekehrt wirkenden Dylan bei einem Interview. Dazu gibt es manchmal auch eher pathetische Bildunterschriften («Die Hände eines Poeten. Sehr ausdrucksstark. Das sind die Hände, die all diese großartigen Songs geschrieben haben.») Aber mancher Dylan-Fan wird heute noch vor Neid erblassen, wenn er liest, in welcher Gesellschaft Dylan sich bewegte: «Es gab noch eine After-Show-Party im Hotel, dem Mayfair in London. Alle waren glücklich, die Beatles kamen vorbei, die Stones waren auch da, aber Dylan legte sich schlafen.»

Wilfried Mommert, dpa
03.11.2008

 
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Das Buch:

Barry Feinstein:
Bob Dylan - Real Moments. Fotografien 1966 bis 1974

Bild: Buchcover Barry Feinstein, Bob Dylan - Real Moments. Fotografien 1966 bis 1974

Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2008
160 S., 100 s/w-Bilder, € 49,90
ISBN: 978-3-89602-855-6

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