Romane

Familiendrama um ein Zwillingspaar

Ohne Scheu vor Gefühlen, aber stets bemüht, Kitschfallen zu umgehen, hat Kim Edwards ihr Familiendrama «Die Tochter des Fotografen» verfasst. Sie zeichnet das Schicksal zweier Familien nach, die über 25 Jahre lang durch ein Geheimnis miteinander verbunden sind, und sie offenbart dabei, wie eine einzige Entscheidung das Leben vieler Menschen für immer verändern kann. Die originelle Geschichte des Romans ist seine Stärke, die Tatsache, dass sie im Laufe der Ereignisse immer hastiger erzählt wird, seine Schwäche.

In einer eisigen Winternacht des Jahres 1964 bringt die Arztfrau Norah einen gesunden Jungen und ein Mädchen mit dem Down Syndrom zur Welt. Der Vater ist entsetzt, denn als Kind hat er miterlebt, wie seine herzkranke Schwester langsam starb. David entscheidet sich spontan, das behinderte Mädchen der Krankenschwester anzuvertrauen.

Sie soll es in ein Heim bringen, bevor seine Frau aus der Narkose erwacht. Caroline, die Krankenschwester, nimmt aber das Baby zu sich und zieht es allein auf. Währenddessen versuchen die Eltern mit dem Verlust fertig zu werden: David hat mit der Schuld zu kämpfen, die er auf sich geladen hat, während Norah um ihre angeblich bei der Geburt gestorbene Tochter trauert.

Die amerikanische Autorin verfolgt das weitere Leben der beiden Familien durch die Jahrzehnte, berichtet von der zunehmenden Entfremdung des Ehepaares, denn die beiden können die seit der Geburt der Kinder entstandene Wand zwischen ihnen nicht mehr überwinden. Sie berichtet auch von der schwierigen Beziehung zwischen Vater und Sohn sowie von dem Heranwachsen des behinderten Mädchens unter Carolines liebevoller Aufsicht. Erst nach Davids Tod dringt die Wahrheit ans Tageslicht.

Wohl die stärkte Passage des Romans schildert die erste unbeholfene Begegnung zwischen Norah und ihrer Tochter. Sensibel weiß Edwards die widersprüchlichen Gefühle der Frau auszudrücken. Sie versteht es durchaus, Szenen mit Leben zu erfüllen. Besonders eindringlich wirkt auch, wie Norah das Haus ausräumt und dabei auf unzählige Kinderbilder stößt, die David während ihrer Ehe geschossen hat. Umso enttäuschender ist das Ende der Geschichte ausgefallen, so als ob der Autorin nach 500 Seiten der Atem ausgegangen ist.

Susanne Gilbert-Sättele, dpa
18.03.2007

 
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Das Buch:

Kim Edwards:
Die Tochter des Fotografen

Bild: Buchcover Kim Edwards, Die Tochter des Fotografen

Berlin: KiWi Verlag 2007
524 S., € 19,90
ISBN: 978-3-3780-0680-5

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