Romane

Eine Geschichte leichtfüßig erzählt und mit ganz viel Tiefgang und Humor

Sie tanzen zu "Mr. Bojangles", mixen sich Cocktails, reisen gemeinsam mit ihrem Sohn in ihr Wolkenschloss nach Spanien. Georges liebt seine Frau hingebungsvoll. Sie ist charismatisch, nimmt alle für sich ein mit ihrer extravaganten Art. Für die beiden ist das Leben ein berauschendes Fest. Sie feiern es, wann immer es geht, denn sie kennen auch seine dunklen Momente: Georges´ schillernde Frau ist manisch-depressiv. Dann kommt der Tag, der das heile Familienidyll zu zerstören droht: Als Georges nach der Arbeit nach Hause kommt, findet er seine Frau verwirrt auf einer Krankentrage. Mit einer ihrer verrückten Ideen hat sie aus Versehen die Wohnung in Brand gesetzt. Man steckt sie in eine Anstalt. Diagnose: Hysterie, Bipolarität, Schizophrenie.

Vier Jahre vergehen. Georges zerbricht beinahe an der Trennung. Er und seine Frau gehören zusammen. Georges sieht keinen anderen Ausweg: Kurzerhand entführen Vater und Sohn die Frau, die sie über alles, sogar mehr als ihr Leben lieben, aus der Psychiatrie. In einem englischen Oldtimer geht es quer durch das Land, geradewegs Kurs auf Spanien, in der Hoffnung, dort so weitermachen zu können wie früher, als noch alles in Ordnung zumindest schien. Und tatsächlich gelingt es ihnen, den Alltag auszusperren. Die Leichtigkeit des Seins setzt wieder ein, der Alkohol fließt und die Wahn-Ausbrüche werden schlimmer. Es bahnt sich ein Drama ungeahnten Ausmaßes an. Nach dieser Reise wird Georges´ Leben und das seines Sohnes nicht mehr sein wie noch kurz zuvor ...

Anmutig leicht und zugleich tief berührend - mit "Warten auf Bonjagles" gelingt Olivier Bourdeaut nicht nur der Überraschungsbestseller des französischen Bücherjahres, sondern eine Verheißung so süß wie das Leben. Das Buch sprüht nur so vor Charme. Und außerdem sprudelt es regelrecht über vor Fabulierlust. Diese scheint gar kein Ende mehr zu finden. Jede einzelner Satz, jedes Seite, jedes Kapitel birgt ein neues unglaubliches Lesewunder in sich. Der Autor bringt Leserherzen zum Hüpfen. Noch viele, viele Stunden nach der Lektüre läuft man mit Tränen in den Augen und einem breiten Grinsen auf den Lippen durch die Welt. Solch ein Lesespaß steht definitiv nicht alle Tage im Bücherregal. Allein deshalb sollte man es sich nicht entgehen lassen.

Die Franzosen schreiben die traurig-schönsten Liebesgeschichten überhaupt. Und "Warten auf Bonjagles" ist solch eine. Mit den Romanen von Olivier Bourdeaut erfährt man Literatur, die herrlicher und außerdem origineller kaum sein könnte. Nach nur wenigen Sätzen ist einem ganz schwindelig und man fühlt sich so glücklich wie selten zuvor im Leben. Wie ein Rausch, dieses Lesevergnügen!

Susann Fleischer
13.03.2017

 
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Das Buch:

Olivier Bourdeaut:
Warten auf Bonjagles. Aus dem Französischen von Norma Cassau

Bild: Buchcover Olivier Bourdeaut, Warten auf Bonjagles

München: Piper Verlag 2017
160 S., € 18,00
ISBN: 978-3-492-05782-0

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