Romane

Eine deutsche Lebens-Reise

Dieses umfangreiche Werk, „Fahrschein nach Punta Arenas“, beginnt mit einem Zeitungsartikel, den der Autor scheinbar zufällig in einem Café liest: Der Erzähler des Buches recherchiert bei diesem, für ihn interessanten und zudem hoch brisanten, Artikel auf eigene Faust weiter. Es geht zunächst um Hochschulpolitik in Italien, doch schnell sind Parallelen zu deutschen Universitäten gezogen. Der Erzähler, der im ersten Buchteil über knapp drei Jahre hinweg in Tagebuchform zu Wort kommt, stößt auf die Spur von Hartmut S., „ein altvertrauter Studienkollege, Freund, Leidensgefährte aus längst vergangenen Münchner Tagen, dessen Spuren sich vor 20 Jahren in Italien verloren hatten“.

Und der Leser taucht ein in die Welt der Hochschulen, der Professoren, der Studenten; Richtlinien der Europäische Gemeinschaft bestimmen diese Welt in fast ebenso großem Maße, wie es der Laie wohl nur bei der Industrie für möglich hielt. Die Anfangsgeschichte zieht immense Kreise und wird immer brisanter, am Ende des ersten Teiles müssen sich sogar Politiker damit befassen.

Der Jugendfreund Hartmut rückt dabei immer mehr ins Zentrum der Geschichte, sein Schicksal lässt weder den Erzähler und erst recht nicht den Leser wieder los. Im zweiten und dritten Teil wird die Biografie näher und detailliert beleuchtet. Und immer mehr kommen Fragmente aus jüngerer und jüngster deutscher Geschichte zum Tragen, deren Aktualität bis auf den heutigen Tag nicht nachgelassen hat.

Das Buch ist episch breit angelegt – es hat gut 700 Seiten – und trotzdem in für diesen Umfang erstaunlich knapper Sprache gehalten. Da gibt es nichts künstlich Aufgebauschtes oder gar Überflüssiges, und doch wird die Story sehr ausführlich und dabei äußerst spannend erzählt.

Der Erzähler selbst berichtet erst auf Seite 220 einiges zu seiner Person. Auch das trägt dazu bei, eine große Spannung aufzubauen; immerhin fragt sich der Leser ja von Anfang an, was der Autor mit dem verschwundenen Studienfreund und der italienischen Hochschulpolitik gemein hat.

Das Buch hat viele Facetten, Handlungsstränge, Motive. Ein logischer roter Faden jedoch verhindert, dass es auch nur einen Moment für den Leser zu kompliziert oder unübersichtlich wird. Der Autor Wolf Dietrich Förster selbst bringt Begriffe wie „Entwicklungsroman“ oder „Bildungsroman“ ins Spiel, man darf aber durchaus auch von einem „Geschichtsroman“ sprechen.

ker
21.02.2007

 
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Das Buch:

Wolf Dietrich Förster:
Fahrschein nach Punta Arens

Bild: Buchcover Wolf Dietrich Förster, Fahrschein nach Punta Arens

Frankfurt/M.: Fouqué Literaturverlag 2006
705 S.
ISBN: 978-3865482938

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